«Besorgniserregend, dass viele Negatives berichten»

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Gefährliches Marihuana in Zürich«Besorgniserregend, dass viele Negatives berichten»

Kiffer und Drogenfachleute schlagen Alarm. In Zürich ist gefährliches Marihuana im Umlauf. Ein Experte sagt, wie es wirkt und wie man es erkennt.

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In Zürich berichten zahlreiche Kiffer von Herzrasen und Schwindel.
Grund dürften laut Experten synthetische Cannabis-Wirkstoffe sein.
Damit wird qualitativ minderwertiges Gras gestreckt.
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In Zürich berichten zahlreiche Kiffer von Herzrasen und Schwindel.

Keystone/Martin Ruetschi (Symbolbild)

Kiffer in der Stadt Zürich berichten von Herzrasen, Atemnot oder Schwindelgefühlen nach dem Konsum von Cannabis. «Mein ganzer Körper vibrierte schon nach zwei Zügen und mein Herz raste», wird ein Mann im «Tages-Anzeiger» zitiert. Der Betreiber eines Hanfladens berichtet von mehreren Kunden, denen es gleich ergangen sei.

Experten vermuten, dass das mit synthetischen Wirkstoffen zu tun haben könnte, die seit einiger Zeit im Umlauf sind. Das Drogeninformationszentrum Zürich hat auf der Website Saferparty.ch am Samstag eine entsprechende Warnung veröffentlicht. Es sei eine Substanz gefunden worden, die eine ähnliche chemische Struktur wie ein synthetisches Cannabinoid aufweise, das im Zusammenhang mit 24 Todesfällen in Europa steht. Vom Konsum wird dringend abgeraten.

Koni Wäch, Präsident der Szeneorganisation Eve & Rave, kennt die synthetischen Cannabis-Wirkstoffe und sagt, warum diese so gefährlich sind.

Was ist synthetisches Gras?

Getrocknete Pflanzen wie etwa CBD-Gras oder Tabak werden mit synthetischen Cannabinoiden besprüht. Diese Substanzen werden im Labor hergestellt und sollen die Wirkung von THC imitieren, das in illegalem Gras enthalten ist. «Es gibt eine grosse Zahl an solchen synthetischen Stoffen mit ganz unterschiedlichen Wirkungen», sagt Wäch. Verwendet würden sie auch als Streckmittel für qualitativ minderwertiges Gras.

Wie erkennt man es?

Ohne eine Laboranalyse könne man synthetisches Gras nicht erkennen, wie Wäch sagt. Es bestehe deshalb auch eine grosse Verwechslungsgefahr. Erste Anzeichen seien erst beim Konsum erkennbar. «Synthetisches Gras wirkt viel schneller und intensiver als normales Marihuana.» Wenn man eine solche untypische Wirkung bemerke, solle man den Konsum sofort stoppen. Wäch rät deshalb, das Gras von einer sicheren Quelle zu beziehen. «Bei einer neuen Quelle ist es empfehlenswert, wenn man beim ersten Mal nur ganz wenig probiert.»

Wer konsumiert synthetisches Cannabis?

«Es gibt Personen, die bewusst diese künstlichen Stoffe konsumieren wollen, weil diese nach dem Konsum nicht immer nachgewiesen werden können», so Wäch. Andere aber würden gestrecktes Gras kaufen, weil sie damit Geld sparen können. «Im Vergleich zu normalem Marihuana ist es viel günstiger.» Häufig werden Produkte mit synthetischen Cannabinoiden im Internet bestellt.

Wie gefährlich ist gestrecktes Gras?

Eine umfassende Forschung gibt es laut Wäch nicht. Er sieht das grösste Problem bei der Dosierung. «Für die gewünschte Wirkung braucht es nur eine sehr geringe Menge.» So sei das gestreckte Gras oft überdosiert. Zudem gebe es beim synthetischen Gras kein Sättigungsgefühl. In der Folge komme es etwa zu Herzrasen, Kreislaufproblemen oder auch zu paranoiden Gedanken. «Viele, die gestrecktes Gras konsumiert haben, berichten von negativen Erfahrungen.» Das sei besorgniserregend. «Wir raten entschieden davon ab, gestrecktes Gras zu konsumieren.»

Würde eine Legalisierung von Marihuana das Problem lösen?

Dem aktuellen Phänomen mit dem gestreckten Cannabis könnte man mit einer Legalisierung stark entgegenwirken, glaubt Wäch. «Auf dem Schwarzmarkt bereichern sich Kriminelle auf Kosten der Gesundheit der Konsumenten.» Zudem sollten seiner Meinung nach die Möglichkeiten für Drugchecking ausgebaut werden.

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