Putsch der RegierungMilitär im Sudan ruft Ausnahmezustand aus und löst Kabinett auf
Seit Wochen geht die Sorge um, der Machtkampf zwischen Militär und den zivilen Vertretern der Regierung im Sudan könnte eskalieren. Bereits im September kam es zu einem gescheiterten Putschversuch.
Im Sudan ist es offenbar zu einem erneuten Putsch aus den Reihen des Militärs gekommen. Mindestens fünf führende Regierungsvertreter seien am frühen Montagmorgen festgenommen worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AP aus informierten Kreisen. Einige Stunden berichtet CNN, dass auch Premierminister, Abdalla Hamdok und dessen Frau in Gewahrsam genommen worden seien.
Das Militär hat jetzt den Ausnahmezustand verhängt. Das Kabinett und der regierende Souveränitätsrat sind nun laut General Abdel-Fattah Burhan aufgelöst. Der Gewerkschaftsverband SPA, der 2019 auch die Proteste gegen den daraufhin abgesetzten Langzeitmachthaber Omar al-Baschir angeführt hatte, rief die Menschen im Land dazu auf, auf die Strasse zu gehen, um eine Machtübernahme des Militärs zu verhindern.
Die Organisation NetBlocks meldete zudem grossflächige Ausfälle des Internets im Land.
Machtkampf zwischen Militär und ziviler Regierung
Festgenommen wurden neben dem Premierminister den Angaben zufolge Industrieminister Ibrahim al-Sheikh, Informationsminister Hamza Baloul, Mohammed al-Fiky Suliman vom regierenden Souveränitätsrat und Faisal Mohammed Saleh, Medienberater von Ministerpräsident Hamdok. Auch Ayman Khalid, der Gouverneur der Hauptstadtregion Khartum, sei verhaftet worden, hiess es auf seiner offiziellen Facebook-Seite.
Wo sich Regierungschef Hamdok aufhielt, blieb zunächst unklar. Örtliche Medien berichteten, dass sein Haus von Sicherheitskräften umstellt worden sei.
In den vergangenen Wochen hatten die Spannungen zwischen dem Militär und dem zivilen Teil der Regierung zugenommen. Im September kam es zu einem gescheiterten Putschversuch von Militäroffizieren.