Brienz: Gewaltige Felsmassen lösen sich

Livetickeraktualisiert am Freitag, 20. Oktober, 2023

Brienzer RutschGemeinde ruft neue Phase aus – doch dieses Verbot bleibt bestehen

Nach dem drohenden Erdrutsch haben die Einwohnerinnen und Einwohner wieder in ihre Häuser zurückkehren können. Alle News dazu findest du im Ticker.

Was auf anderen Aufnahmen nicht zu sehen ist, wird hier deutlich. Die Felsmasse kam sehr nahe ans Brienzer Dorf.

Darum gehts

  • In der Nacht auf Freitag ereignete sich eine Felslawine am Brienzer Rutsch.

  • Die Felsmassen verfehlten das Dorf knapp.

  • Wann die Bewohnerinnen und Bewohner zurückkehren können, ist unklar.

Deine Meinung zählt

Freitag, 20.10.2023
10:35

Lage entspannt sich – Gemeinde ruft Phase Grün aus

Wie die Gemeinde Albula/Alvra in ihrer aktuellen Mitteilung zur Lage am Brienzer Rutsch schreibt, habe man mit Ausnahme des bewaldeten Rückens Caltgeras in allen Teilgebieten der gefährdeten Zone seit Ende September leicht abnehmende oder zumindest stagnierende Geschwindigkeiten gemessen.

Für die Gemeinde Albula/Alvra gilt seit Donnerstag die nationale Warnstufe 3 von 5.

Für die Gemeinde Albula/Alvra gilt seit Donnerstag die nationale Warnstufe 3 von 5.

Screenshot/Meteo Schweiz

Der Bund hat am Donnerstag eine Warnung für weite Teile der südlichen Schweiz verhängt. Wegen intensivem Dauerregen sollen sich Personen von Wäldern und Dächern fernhalten. Mit einer gesteigerten Erdrutschgefahr durch die Niederschläge rechnet der Bund in den betroffenen Gebieten aber nicht.

Der Gemeindeführungsstab hat deshalb entschieden, ab dem 20. Oktober die bislang geltende Phase Gelb durch Grün abzulösen. Laut dem Frühwarndienst bestehe momentan keine Gefahr, dass es innerhalb der nächsten Wochen wieder zu einem grösseren Ereignis kommen könnte.

Das Betretungsverbot für den gelb ausgewiesenen Gefahrenbereich besteht weiterhin.

Das Betretungsverbot für den gelb ausgewiesenen Gefahrenbereich besteht weiterhin.

Gemeinde Albula/Alvra

Die Phase Grün bedeutet eine Rückkehr zur Lage von Ostern 2023 – mit einer wichtigen Ausnahme: Das Betretungsverbot, das am 4. Juli 2023 im Rahmen der Phase Gelb verhängt wurde, beliebt bis auf weiteres bestehen. (bho)

Montag, 03.07.2023
14:02

Absperrungen unbedingt beachten

Gemäss der Gemeinde ist eine erneute Evakuierung in den nächsten Wochen nicht ganz auszuschliessen. Betretungsverbote und Absperrungen sollte man unbedingt beachten.

Evakuierung aufgehoben

Am Montag teilte die Gemeinde auf Twitter mit: «Um Mitternacht beginnt die Phase Gelb, die Evakuierung von Brienz/Brinzauls wird aufgehoben. Evakuierte können schon heute im Dorf übernachten.»

Mittwoch, 28.06.2023

Live-Berichterstattung beendet

Damit ist die Live-Berichterstattung beendet.

Phase Orange

Wie viele Bewohner kamen in der Phase Orange tagsüber zurück? «Das Angebot wurde nicht so rege genutzt, wie erwartet. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass die Bewohnerinnen und Bewohner am Abend wieder raus müssen und das Gefühle auslöst», sagt der Gemeindepräsident. Beziffern könne er es aber nicht. «Es war nicht der Ansturm, den man erwartet hat.» Zum Schluss der Pressekonferenz schöpft der Gemeindepräsident Hoffnung: «Wir hoffen, dass die Bevölkerung in wenigen Tagen ins Dorf zurück kann.»

Wie schnell ist die Insel abgerutscht?

Die Geologen gehen davon aus, dass die Insel in rund fünf Minuten abgerutscht sei: «Aufnahmen gibt es aber wegen der Dunkelheit keine», sagt Schneider.

Wie geht es der Bevölkerung?

Die Brienzerinnen und Brienzer seien sehr erleichtert, dass sich die Insel entleert habe. «Einige sind ungeduldig und wollen zurück. Wir hoffen, dass wir sie bald ins Dorf lassen können», so Gartmann.

Phasen Rot und Blau

Könnten die Phasen Rot und Blau zurückkommen? «Kurz- und mittelfristig gehen wir nicht davon aus», sagt Schneider. Langfristig könne man es aber nicht ausschliessen: «Es kommt darauf an, wie sich die Situation am Berg entwickelt.»

Missachten der Sperrzone

Gab es Übertritte ins Dorf nach dem Schuttstrom? Laut Christian Gartmann hat sich die Situation beruhigt. «Leute verstehen, dass es sehr gefährlich und dumm ist.»

Wieso dürfen die Leute in der Nacht nicht ins Dorf?

«Es ist zu früh. Es laufen noch Abklärungen. Es hat aber auch mit dem Überwachungsintervall zu tun. Bis wir sicher sind, dass es im Dorf sicher ist, können wir es noch nicht freigeben», sagt Stefan Schneider.

Bleibt Strasse für immer verschüttet?

Wird die Strasse unten am Hang für immer verschüttet bleiben? Der Gemeindepräsident Daniel Albertin sagt, dass man dazu im Gespräch mit dem Tiefbauamt sei. Die Ablagerungen seien aber sehr hoch. Allenfalls brauche man alternative Wege ins Nachbardorf.

Wann können die Leute zurück?

Die Fragerunde ist eröffnet.

Wann kann die Bevölkerung zurück? Laut den Geologen stehen die Zeichen gut: «Wir hoffen, dass wir in den nächsten Tagen eine Öffnung empfehlen können.»

Entwässerungsstollen

Laut dem Geologen Andreas Huwiler ist man daran, den Entwässerungsstollen zu planen. Man hoffe, dass man damit die Rutschungen am Berg stabilisieren könne.

Kleinere Felsstürze möglich

Man beobachte die Insel weiterhin. «Sie ist aber vom Volumen her zu klein, dass sie eine Bedrohung für das Dorf darstellen könnte», so Schneider. Die Frage, die sich weiterhin stelle, sei, wie stabil die runtergekommenen Ablagerungen im Schuttkegel seien. Im Moment liegt der Fokus des Frühwarndienstes auf dem Plateau. «Es verhält sich relativ ruhig. Das ist sehr beruhigend. Wir wissen aber nicht, was bei einem grossen Niederschlag oder in den kommenden Monaten geschieht.»

Deshalb müsse man es im Auge behalten. «Wir können nicht ausschliessen, dass Teile des Plateaus irgendwann wie die Insel abgehen. Aktuell ist es aber noch keine Bedrohung für das Dorf.» Es sei aber möglich, dass es wieder zu kleineren Felsstürzen kommt, so der Geologe. «Im schlimmsten Fall könnten sie bis nah an den Kegelfuss gelangen.» Darum sei es zu gefährlich die Bevölkerung an den Schuttkegel ranzulassen.

Ablagerung auf der Strasse sind rund 15 Meter hoch

Eine Gruppe der Geologen sei daran, das Ereignis detailliert aufzuarbeiten. «Auch die Tonaufnahmen werden noch ausgewertet», sagt Schneider. Es sei für den Frühwarndienst aber nicht prioritär herauszufinden, was genau geschehen ist.

«Die Gesteinsmassen sind in wenigen Minuten abgegangen und fast ins Dorf reingerauscht», so Schneider. Die Ablagerung auf der Strasse seien rund 15 Meter hoch. Das rückgelagerte Plateau oben am Hang habe zwei bis vier Millionen Kubikmeter. Auch dieses sei in Bewegung. «In der Nacht des Ereignisses hat dieses mit einem zehnfachen Geschwindigkeitssprung reagiert. Das liess uns aufhorchen.»

In den Tagen danach seien die Geschwindigkeiten aber zurückgegangen. «Die Geschwindigkeiten sind aber heute noch doppelt so hoch wie vor dem Ereignis. Wir beobachten die Situation», sagt Schneider.

Schuttstrom nicht aufgezeichnet

Stefan Schneider, Geologe und Leiter des Frühwarndienstes, erklärt, was in der Nacht auf Freitag, dem 16. Mai, am Hang passiert ist. «Bis Donnerstag hatten die Geschwindigkeiten stark zugenommen. Im Verlaufe des Nachmittags sahen wir dann, dass die Aktivität stark zunimmt. Das hatte sich in kleinen Abbrüchen gezeigt.» Die Sensoren hätten vom Schuttstrom kaum etwas gesehen. «Wir haben das Ereignis nicht mit Kameras aufgezeichnet.» Man gehe davon aus, dass der Fuss der Insel versagt habe.

«Es ist absehbar, dass die Leute zurück ins Dorf können»

«Wenn man jetzt die Bilder hinter uns sieht, dann war es richtig, dass wir das Dorf am 12. Mai evakuiert haben», so Albertin. Zum Glück sei niemand im Dorf gewesen, als die Insel runterkam. «Es ist beeindruckend zu sehen, welche Massen kurz vor unserem Schulhaus gestoppt haben», sagt der Gemeindepräsident. «Ich hoffe, dass die Geologen uns bald grünes Licht für die Phase Gelb geben. Wie es aussieht, ist es aber absehbar, dass wir in die Phase Gelb zurück können.»

«Wellenbad der Gefühle»

Daniel Albertin, Gemeindepräsident und Chef des Gemeindeführungsstabs, sagt, dass das Dorf und die Bevölkerung seit Ostern ein Wellenbad der Gefühle erlebt habe. Die Bewohnerinnen und Bewohner seien vor allem als die Meldung der Evakuierung kam, sehr betrübt gewesen. «Die Insel, die wir seit Januar sehr intensiv beobachtet haben, verhielt sich viel schneller als in den letzten zwei Jahren.»

Medienkonferenz beginnt

Christian Gartmann, Mitglied des Gemeindeführungsstabs, eröffnet die Medienkonferenz.

Live-Berichterstattung

Das erste Mal nach dem Schuttstrom vor knapp zwei Wochen dürfen Medien das Dorf besuchen. Vor Ort geben Gemeindepräsident Daniel Albertin und die beiden Geologen Stefan Scheider und Andreas Huwiler Auskunft, wie es nun weitergeht. 20 Minuten sendet live aus Brienz GR.

20 Minuten
Montag, 26.06.2023

Bewohner dürfen tagsüber ins Dorf

Die Bewohnerinnen und Bewohner von Brienz dürfen am Montag zwischen zwölf und 19 Uhr ins Dorf. Ein Betreten ist laut der Gemeinde Albula/Alvra nur mit spezieller Bewilligung möglich. Das allgemeine Betretungsverbot und die Luftraumsperre gelten weiterhin.

20min
Donnerstag, 22.06.2023
12:03

Phase Orange

In Brienz beginnt am Montag die Phase Orange. Das berichtet die Gemeinde Albula/Alvra auf Twitter. Die Bewohnerinnen und Bewohner dürfen ab nächster Woche tagsüber das Dorf wieder besuchen.

Dienstag, 20.06.2023
13:42

Spezialisten erkunden Brienzer Berg

Am Dienstagnachmittag wird in Brienz ein weiterer Erkundungsflug mit Geologen durchgeführt, um die Situation zu beurteilen. Zudem montieren Spezialisten an einem Helikopter hängend noch einmal neue Prisma-Reflektoren in der Rutschung und auf dem Schuttkegel. (jar)

11:30

Gemeinde gibt Update

«Der Wanderweg südlich der Albula (links in Flussrichtung) wird wieder geöffnet. Das Halteverbot entlang der Landwasserstrasse (Tiefencastel-Surava) wird aufgehoben», teilt die Gemeinde am Dienstag mit. Gemäss Christian Gartmann, Mitglied des Gemeindeführerstabs, wurde der Wanderweg am 21. Mai als Zusatzmassnahme zu Phase Blau gesperrt.

Die Gefahrenbeurteilung für das Dorf gehe nun weiter. «Die Gefährdung im Gebiet rund um Brienz ist noch immer gross. Das Betretungsverbot besteht weiter und ist unbedingt einzuhalten», so Gartmann. Derzeit gilt die Phase Rot. Wann die Bewohnerinnen und Bewohner zurückkehren können, ist weiterhin unklar.