«Wie soll das gehen?» - Bundesrat überrumpelt Clubs mit Turbo-Öffnungen

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«Wie soll das gehen?»Bundesrat überrumpelt Clubs mit Turbo-Öffnungen

Bereits ab Samstag dürfen die Clubs wieder öffnen. Grosse Opening-Partys sucht man aber vergebens: Die Veranstalter waren auf die schnelle Öffnung nicht vorbereitet.

Zurück in den Club geht es vorerst nur mit Covid-Zertifikat. Doch bereits ab dem 26. Juni soll das möglich sein, gab der Bundesrat am Mittwoch bekannt.
Einlass bekommt, wer entweder geimpft, getestet oder genesen ist. Gemäss Bundesamt für Gesundheit werden die Testzertifikate erst ab dem 28. Juni breit ausgestellt, die Öffnungen sind aber schon für Samstag vorgesehen.
«Das ist ein ziemlich sportlicher Zeitplan. Viele Clubs brauchen mehr Vorlaufzeit, um das Personal aufzustellen, Getränke einzukaufen und DJs zu organisieren», sagt Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Bar & Club Kommission Zürich.
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Zurück in den Club geht es vorerst nur mit Covid-Zertifikat. Doch bereits ab dem 26. Juni soll das möglich sein, gab der Bundesrat am Mittwoch bekannt.

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Darum gehts

  • Bereits am Samstag dürfen Clubs wieder öffnen.

  • Veranstalterinnen und Veranstalter haben das aber nicht erwartet.

  • Für viele von ihnen ist es nicht möglich, so schnell wieder zu öffnen.

  • Zudem seien viele jüngere Menschen noch nicht geimpft, so die Kritik.

Clubs, Diskotheken, Tanzlokale – sie waren in den letzten Monaten alle geschlossen. Bereits im Vorfeld wurde erwartet, dass der Bundesrat ihnen im fünften Öffnungsschritt entgegenkommt. Dass der Bundesrat Maskenpflicht und Personenobergrenze gleich ganz streicht – vorausgesetzt, alle Besucherinnen und Besucher haben ein Covid-Zertifikat – hat aber niemand erwartet.

Das Zertifikat kann durch eine Impfung, eine bereits überstandene Covid-Erkrankung oder ein negatives Testresultat erlangt werden (siehe unten). Wer noch nicht vollständig geimpft ist, könnte am kommenden Wochenende aber das Nachsehen haben: Gemäss Bundesamt für Gesundheit werden die Testzertifikate erst ab dem 28. Juni breit ausgestellt, die Öffnungen sind aber schon für Samstag vorgesehen.

Dass bereits in zwei Tagen wieder unbeschwert gefeiert werden kann, sorgt bei den Clubs für Chaos. Überrascht ist auch Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Bar & Club Kommission Zürich. «Das ist ein ziemlich sportlicher Zeitplan. Clubs sind keine Maschine, die man an- und abstellt, das kulturelle Programm muss geplant und organisiert, Personal aufgestellt und Getränke eingekauft werden.»

Clubs atmen auf

«Es ist schön, dass der Bundesrat uns entgegenkommt, und wir sind mega happy, können wir nun als letzte Branche auch endlich wieder öffnen», sagt Marco Uhlig vom Heaven Club in Zürich. Er mache sich aber vor allem Gedanken um seine Gäste, die noch nicht geimpft seien. «Meine Gäste arbeiten freitags bis um sechs Uhr und sollen danach noch, wie tausende andere Nachtschwärmer auch, einen Testtermin bekommen und das möglichst kurz, bevor man feiern geht. Da fragt man sich schon, ob das funktioniert.»

Auch Nightlife-Experte Alex Flach sieht den kommenden Wochen skeptisch, aber auch freudig entgegen. «Ich war über die Kompromisslosigkeit des Bundesrates überrascht. Viele Clubs müssen jetzt schnell reagieren und schauen, ab wann und wie sie wieder öffnen können», so Flach. Auch wenn die Öffnungen eine erfreuliche Neuigkeit seien, sieht Flach für die Clubs noch einige Hürden, bis ein Normalbetrieb wieder möglich sei. «Viele Leute stehen dem Zertifikat aus unerfindlichen Gründen halt immer noch skeptisch gegenüber. Zudem verbringen im Sommer viele Leute die Abende lieber draussen als im Club.»

Öffnung erst in einigen Wochen

So wirklich bereit für die grosse Opening-Party am Samstag scheint kaum ein Club zu sein. Zu kurz sei die Zeit für die Vorbereitung des Partybetriebs. «Wir sind davon ausgegangen, dass wir erst im Juli öffnen können. Schon nur wegen des Personals müssen wir jetzt abklären, ob für dieses Wochenende eine Öffnung schon möglich ist», sagt etwa Philipp Katriner vom Rok Club in Luzern. Er werde wohl beim Kanton anfragen, wie viele der 18- bis 35- Jährigen bereits ein Covid-Zertifikat hätten. «Sonst kommt es noch so, dass wir öffnen, aber nur wenige eintreten lassen dürfen. Da sind wir jetzt intensiv am Planen».

Auch Valentin Aschwanden vom Club Viertel in Basel wird am Samstag noch keine Party veranstalten. «Wir haben uns entschlossen, erst am 10. Juli zu öffnen. Dafür haben wir dann ein eigenes Testcenter vor dem Club, damit sich unsere Gäste ohne Impfung nicht extra um einen Testtermin kümmern müssen.» Aschwanden sei aber positiv überrascht von der schnellen Öffnung. «Wir sind zuversichtlich, dass wir bald wieder mit Vollbetrieb Events veranstalten können.»

So geht es zurück in den Club

Die Clubs dürfen ab Samstag wieder öffnen, allerdings nur, wenn sie von sämtlichen Besucherinnen und Besuchern ein Covid-Zertifikat verlangen. Im Innern gilt keine Maskenpflicht. Das Covid-Zertifikat kann auf drei Arten erlangt werden.

  • Wer mit einem Impfstoff geimpft wurde, der in der Schweiz zugelassen ist, und bereits zwei Dosen erhalten hat, bekommt ein Zertifikat, das für 365 Tage gültig ist. Auch wer eine Infektion mit dem Coronavirus durchgemacht hat und mindestens vier Wochen danach eine einmalige Impfung erhalten hat, bekommt das Zertifikat für ein Jahr.

  • Personen, die von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind, und dies mit einem PCR-Test belegen können, erhalten ein Zertifikat für 180 Tage ab dem elften Tag des positiven Tests.

  • Wer nicht geimpft oder genesen ist, kann mit einem negativen PCR-Test ein Covid-Zertifikat bekommen, das für 72 Stunden gültig ist. Mit einem negativen Antigen-Schnelltest ist das Covid-Zertifikat 48 Stunden gültig.

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