Buntes Plastik: Wie gefährlich ist es wirklich?

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Gravierende UnterschiedeBuntes Plastik: Wie gefährlich ist es wirklich?

Plastik ist überall. Die Ausmasse unseres Konsums sind heute deutlich sichtbar – seine Auswirkungen auf den menschlichen Organismus jedoch noch nicht hinreichend erforscht.

Fee Riebeling
von
Fee Riebeling
lastik, so weit das Auge reicht – und noch viel weiter. (Bild: Plastic Planet)

lastik, so weit das Auge reicht – und noch viel weiter. (Bild: Plastic Planet)

Plastik ist nicht gleich Plastik. Man kann die Unterschiede sehen, fühlen und riechen. Doch welche Inhaltsstoffe in den verschiedenen Produkten stecken, wissen die wenigsten. Eine Deklarationspflicht gibt es nicht. Dabei wäre es wichtig, die Zusammensetzung zu kennen, schliesslich gelangen kontinuierlich winzige Partikel über Nahrung, Haut und Luft in den menschlichen Organismus. Manche scheiden wir rückstandslos aus. Andere, wie die Phthalate, wirken im Körper wie Hormone und können langfristig Schäden verursachen.

Diese Plastik-Weichmacher gelten als fortpflanzungsgefährdend und sind in der Schweiz für die meisten Gebrauchsgegenstände und für Lebensmittelverpackungen verboten. Hingegen dürfen andere hormonaktive Stoffe wie Bisphenol A (BPA) noch immer in Kochgeschirr, Schoppenflaschen oder zur Beschichtung von Konservendosen verwendet werden. Das, obwohl auch sie wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen wirken.

Die Fachwelt ist geteilter Meinung: So sieht das Bundesamt für Gesundheit BAG keinen Grund zur Sorge. Unter Berufung auf die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bescheinigt es der Substanz, «kein Risiko für den

Konsumenten» darzustellen. Weiter liege die tatsächlich aufgenommene Menge von BPA weit unter dem von der EU als tolerierbar eingestuften Wert von 50 Mikrogramm pro Kilo Körpergewicht und Tag.

Forscher unterschiedlichster Disziplinen mahnen hingegen zur Vorsicht: Man wisse einfach zu wenig, um Bisphenol A als unbedenklich einstufen zu können.

Natalie von Götz vom ETH-Institut für Chemie- und Bio-Ingenieurswissenschaften vermittelt zwischen den Parteien: «Die Einschätzung des BAG ist richtig, nur berücksichtigt sie nicht den Aspekt der Hormonaktivität.» Von Götz stützt ihre Meinung auf eigen Untersuchungen: «Die Wahrscheinlichkeit, dass Bisphenol A einem Erwachsenen schadet, ist gering», sagt sie. «Problematisch ist es aber für Ungeborene, Säuglinge und Kleinkinder, deren Entwicklung durch den hormonaktiven Stoff womöglich negativ beeinflusst wird.» Und gerade Babys würden über den Schoppen die grössten Mengen zu sich nehmen.

Filminfo: «Plastic Planet», ein Dokumentarfilm zum Thema, läuft ab 25. März in den Schweizer Kinos.

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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