Credit Suisse und UBS locken mit goldenem Fallschirm zum Absprung

Aktualisiert

Prämien und SonderzahlungenCredit Suisse und UBS ködern mit goldenem Fallschirm zur Kündigung

Die Massenentlassung drohe, jetzt versuchten alle, schnell wegzukommen und noch einen Deal auszuhandeln, sagt eine Bankangestellte. So erspart sich die neue UBS viel Ärger.

Bei der UBS und vor allem der Credit Suisse sollen Tausende Arbeitsplätze wegfallen.
Laut einem Bericht von «Bloomberg» geht es um 35’000 Jobs. Die Banken geben sich zugeknöpft und sagen nichts.
Die Angestellten sind sauer, dass sie von den Plänen in den Medien erfahren, sagt eine Mitarbeiterin zu 20 Minuten.
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Bei der UBS und vor allem der Credit Suisse sollen Tausende Arbeitsplätze wegfallen.

REUTERS

Neue UBS: Darum gehts

  • Die Mega-UBS will zahlreiche Stellen abbauen.

  • Damit es nicht zur Massenentlassung kommt, versucht sie es mit Anreizen.

  • Es gibt Prämien und Sonderzahlungen.

Durch die Fusion mit der UBS droht bei der Credit Suisse (CS) der Kahlschlag. Laut «Bloomberg» will die Bank mehr als die Hälfte der 45’000 Mitarbeitenden entlassen – vor allem im Ausland, aber auch in Zürich dürfte es Tausende treffen. Insgesamt sollen bei UBS und CS etwa 35’000 Stellen wegfallen. Die beiden Banken bestätigen den Bericht nicht, doch die Mitarbeitenden sind sauer.

So geht es den Angestellten

Am Mittwoch herrschte viel Unmut, wie eine Mitarbeiterin zu 20 Minuten sagt, die anonym bleiben möchte. «Solche konkreten Zahlen hätten die Verantwortlichen wirklich erst uns kommunizieren können, stattdessen erfahren wir es über die Presse», sagt sie.

Die Arbeit laufe normal weiter, durch die Übernahme gebe es noch mehr zu tun als vorher. Doch jetzt versuchten wohl alle, sich woanders zu bewerben. «Das mache ich auch. Jetzt sind meine Kollegen die Konkurrenten, wenn es um Jobs in der neuen UBS und bei anderen Banken geht», so die Angestellte.

Das kriegen abwanderungswillige Angestellte

Auch UBS-CEO Sergio Ermotti sprach schon von einer Stellenstreichung. Er äusserte aber stets die Hoffnung, dass ein Grossteil des Abbaus durch natürliche Fluktuationen und Pensionierungen erfolgt. Jetzt locke die UBS die Angestellten mit saftigen Boni zum Absprung, sagt die Angestellte.

Wer freiwillig gehe, könne die Bedingungen aushandeln. Die Entschädigung sei aber höher als ein Jahreslohn. «Unter goldigen Bedingungen die Bank zu verlassen, ist natürlich schön», sagt die Angestellte. Tausende sollen die Banken zuletzt bereits verlassen haben.

Die neue UBS …

Bei Entlassungen profitierten nun auch die Leute von der CS vom «grosszügigen» UBS-Sozialplan. So gebe es für Angestellte über 55 und solche, die länger als zehn Jahre in der Firma arbeiten, eine einjährige Lohnfortzahlung. Patrick Stolz, Personalchef der UBS Schweiz, bestätigte der Nachrichtenagentur AWP die Zahl.

Darum zahlt die Bank beim freiwilligen Abschied extra

Ein Personalabbau durch natürliche Wechsel und Abgänge wäre am sozialverträglichsten. Meist dauere der «normale» Weg über Kündigungen zu lange, sagt Personalexperte Matthias Mölleney von der HWZ, der auch Personalchef der Swissair war.

Was bedeutet der Stellenabbau für Zürich?

In der Schweiz beschäftigt die CS noch rund 16’000 Angestellte, am meisten in Zürich. Die Auswirkungen dürften aber wohl nicht so gross wie bei der Bankenkrise 2008 sein. «Damals gab es insgesamt viel mehr Entlassungen, weil es der ganzen Finanzbranche schlecht ging. Jetzt finden die Betroffenen leichter neue Stellen bei anderen Banken als damals, als alle Probleme hatten», so Mölleney.

Wenn die Bank dringend Personal abbauen wolle, müsse sie als Anreiz für freiwillige Abgänge und frühzeitige Pensionierungen Prämien und Sonderzahlungen anbieten. Da der Abbau nicht wegen eines Konkurses, sondern wegen der Fusion erfolge, sei vermutlich auch Geld für Entschädigungen da. «Die UBS nagt nicht am Hungertuch, sie kann grosszügig sein. Bei der Swissair war das damals nicht so», so Mölleney.

Wenn die Leute freiwillig gingen, habe die Bank auch viel weniger Ärger als bei Entlassungen. «Wenn der Arbeitgeber kündigen würde, gäbe es endlose Diskussionen mit den Betroffenen, weil die Leistungsschwächsten gehen müssten und sich das oft nicht eindeutig belegen lässt», so Mölleney. 

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