Beizen vor KollapsCrowdfunding soll Schweizer Beizen retten
Die Organisation Best of Swiss Gastro will mit einem Crowdfunding die Schweizer Gastronomie retten. Restaurants sollen damit neue Gäste für sich gewinnen. Beizer nehmen die Hilfe gerne an.
Darum gehts
Beizen sollen mit einem Dining-Pass neue Gäste für sich gewinnen.
Wer beim Crowdfunding von Best of Swiss Gastro mitmacht, erhält so einen Pass.
Gastronomen nehmen das Angebot gerne an.
Laut Crowdfunding-Experte ist das aber nur eine ergänzende Massnahme.
Eine Sperrstunde für Restaurants, Bar- und Clubbetriebe – darüber entscheidet der Bundesrat am Mittwoch. Der Verband Gastrosuisse zittert vor der Entscheidung und tritt deshalb am Dienstag vor die Medien mit einem Apell an die Politik. «Die Unsicherheit ist gross, viele Betriebe wissen nicht, wie es weitergehen soll», sagt Andreas Krumes, CEO von Best of Swiss Gastro.
Jetzt soll ein Crowdfunding die Schweizer Gastronomie retten: Wer spendet, erhält einen Dining-Pass. Damit laden verschiedene Restaurants zu einen Hauptgang ein. «Die Leute sollen damit auf eine kulinarische Entdeckungsreise gehen, und die Beizen erhalten so neue Gäste», erklärt Krumes.
Das Geld fliesst Best of Swiss Gastro zu, diese finanzieren das Projekt damit. Einen Teil spendet das Unternehmen ans SOS Kinderdorf. Zurzeit sind 70 Restaurants in der ganzen Schweiz an der Aktion beteiligt. «Die Betriebe sollen dadurch bekannt werden», erklärt Krumes. Es sei eine langfristige Aktion und ziele darauf ab, dass die Leute wieder vermehrt auswärts essen gehen.
Der Branchenverband Gastrosuisse wollte auf Anfrage von 20 Minuten keine Stellung zum Crowdfunding beziehen.
«Wir haben Angst, wenn das Telefon klingelt»
Dass wieder mehr Menschen im Restaurant essen würden, wünscht sich auch Yannick Hänggi. Er führt das Simply im Rössli in Laufen, Baselland: «Es ist eine unsichere Zeit. Wir haben schon fast Angst, wenn das Telefon läutet, weil es meistens eine Absage und keine Reservation ist.» Man müsse das Ganze Tag für Tag nehmen. Hänggi ist froh um Aktionen wie den Dining-Pass: «Damit es besser wird, müssen wir aktiv bleiben.»
Auch das Restaurant Heimeli in Sapün, Graubünden, nutzt den Pass: «Wir hatten trotz Corona einen guten Sommer. Doch jetzt in der Zwischensaison finden nicht mehr so viele Gäste den Weg zu uns», erklärt Wirtin Gabriella Pahud. Mit dem Dining-Pass möchte man Kunden unter der Woche für einen Besuch gewinnen, die sonst nie ihren Weg in die Beiz finden würden.
Menschen unterstützen Beizen und Künstler gerne
Bereits im Frühling während des Lockdown gab es einige Crowdfundings, wie Crowdfunding-Experte Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern erklärt. «Verschiedene – vor allem kleine – Betriebe und dabei auch Gastronomiebetriebe und Künstler wurden auf diese Weise finanziell unterstützt.» Denn Crowdfundings funktionieren am besten, wenn sie emotional sind.
Das treffe auf Restaurants, Hotels und Künstler zu: «Menschen fühlen sich mit diesen Branchen verbunden und spenden gerne.» Im Bereich Sport funktioniere die Methode weniger gut. So wurde im Frühling kaum Geld für Sport-Crowdfundings eingezahlt. Laut Dietrich hängt das mit der Schweizer Mentalität zusammen: «Sport wird eher als Luxus wahrgenommen und muss bei Spenden hinten anstehen.»
Ob die Menschen ihrer Lieblingsbeiz auch ein zweites Mal Geld geben wollten, sei offen. «Ich könnte es mir aber gut vorstellen. Schliesslich haben Restaurants gute Möglichkeiten, interessante Gegenleistungen für das Geld zu offerieren.» Crowdfundings seien aber nur eine ergänzende Massnahme. «Wichtiger war und bleibt, dass die Gastrobranche weiterhin finanzielle Unterstützung durch den Bund erhält, etwa in Form von Kurzarbeit», so Dietrich.
Direkte Spenden helfen mehr
Dass Best of Swiss Gastro ein Crowdfunding organisiert, ist laut Marketing-Experte Wolfgang Schäfer von der Zürcher Hochschule ZHAW eine gute Sache. Allerdings profitieren die Restaurants nicht direkt davon, kritisiert er: «Die Gastrobetriebe benötigen jetzt Geld, um weitermachen zu können», sagt Schäfer. Ein Crowdfunding für eine Form von Gutscheinen sei daher der falsche Ansatz. Denn das Geld gelange dadurch erst verspätet zu den Betrieben. «Dann könnte es aber für einzelne Beizen schon zu spät sein.» Effektiver seien direkte Spenden an die Lieblingsbeiz, rät der Experte. Wer einem Betrieb direkt helfen möchte, löse am besten auch keine Gutscheine mehr ein, sondern spende den Betrag.