NachhaltigDas erste Haus aus Hanf wird in Flims stehen
Droge, Medizin – und seit neustem Baustoff: Der Südtiroler Roland Mall baut in Flims GR ein ganzes Haus aus Hanfziegeln.
Im Gegensatz zum Drogenhanf ist der Baustoff für das Café Lieto in Flims nicht brennbar: Die Hanfziegel widerstehen Temperaturen von über 650 Grad Celsius und fallen unter die Brandschutzklasse schwer entflammbar. Bauplaner und Leiter Roland Mall kann aber noch weitere Vorzüge aufzählen. «Mit Hanf baut man schneller, günstiger und vor allem langlebiger», sagt der Südtiroler.
Spatenstich für das Café aus Hanf ist im Mai, schreibt das «Bündner Tagblatt». Für das Projekt braucht Mall acht Kubikmeter Ziegel, die aus nichts als Kalk, Wasser und Hanf, genauer gesagt aus Hanfschäben bestehen. «Dieser wird gewonnen, indem die Faser vom holzigen Kern einer Pflanze getrennt wird», erklärt Mall. Die Verbindung vom hohen Siliziumgehalt der Hanfschäben mit dem Magnesitgehalt des Kalks löst dann eine Karbonisierung aus, wodurch das Material langsam zu Stein wird und dadurch für viele Generationen hält. Hanfziegel kann man laut Mall fast fünfmal schneller herstellen als Backsteine, wodurch das Material auch eine negative CO2-Bilanz aufweist. «Zudem wächst Hanf schneller als Holz», bemerkt er (siehe Bildstrecke). Sogar das Putzmaterial wird aus Hanf bestehen. Lediglich das Fundament wird aus Beton gebaut, so verlangt es die Bauordnung wegen der Erdbebensicherheit.
Gebäude ist wiederverwertbar
Auch in Sachen Umweltfreundlichkeit punkten die Hanfziegel. Sollte das Gebäude einst abgebrochen werden, können sie, zusammen mit dem Putz, bedenkenlos vergraben werden. «Das geschredderte Material dient sogar als Bodenverbesserer, sozusagen als Naturdünger», erklärt Mall. Die Ziegel können aber auch als Baumaterial wiederverwertet werden, wodurch ein Kreislauf entsteht – und vor allem kein Abfall. So schnell dürfte ein Abbruch aber nicht infrage kommen, wenn man die Langlebigkeit des Gebäudes berücksichtigt.
Die Ziegel stammen aus dem grenznahen Eyrs im Südtirol. Es mache keinen Sinn, natürliche Baustoffe zu verwenden, diese dann aber über Tausende von Kilometern zu transportieren, sagt Mall. Der Lieferant presst die Ziegel selber: «Werner Schönthaler ist ein guter Freund von mir und beschäftigt sich schon länger mit Hanf als Baustoff.» Dessen Haus ist ebenfalls aus Hanf gebaut. «Die Atmosphäre dort ist wohltuend und gesund», erzählt Mall. Die Ziegel regulieren die Luftfeuchtigkeit und reinigen die Luft zusätzlich, indem sie etwa CO2 aufnehmen. «Ich schlafe dort besser als anderswo.» Zurzeit bezieht der Unternehmer seinen Hanf noch aus Italien. Das Ziel sei jedoch, bald Ziegel aus Schweizer Hanf herzustellen, sagt Mall.
Droge, Medizin und seit neustem Baustoff: Der Südtiroler Roland Mall baut in Flims GR ein ganzes Haus aus Hanfziegeln.
Sehen Sie hier im Video, wie die Hanfziegel hergstellt werden. (Video: Schönthaler)
Wer mehr über das Projekt und Hanfziegel erfahren möchte, kann sich vom 6. bis 8. April am Criterion Festival in Zürich einen Eindruck verschaffen.