Geldwäscherei-VerdachtDas sagt die Finma zur Razzia bei HSBC in Genf
Heute Mittwoch wurden die Räume der HSBC in Genf durchsucht. Die Vorwürfe beziehen sich aber auf alte Fälle. Inzwischen habe sich die Bank geändert, sagt die Finma.

Ermittlungen gegen die HSBC-Tochter in Genf.
Mitarbeiter der Genfer Staatsanwaltschaft haben am Mittwoch in den frühen Morgenstunden die Räume der Genfer Bank HSBC durchsucht. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma ist über das Geldwäschereiverfahren der Genfer Staatsanwaltschaft gegen die HSBC Private Bank (Suisse) informiert, wie Mediensprecher Vinzenz Mathys zu 20 Minuten sagt. «Die Finma ist mit der Bank diesbezüglich in Kontakt», erklärt Mathys weiter. Das laufende Verfahren betrifft offenbar jedoch Fälle vor dem Jahr 2007.
Denn auch die Finma selbst hatte in den vergangenen Jahren bei dem HSBC-Ableger in Genf zwei Verfahren wegen Geldwäscherei durchgeführt. «Die Finma hat in der Folge Massnahmen angeordnet. Die Bank hat diese umgesetzt», sagt der Sprecher weiter.
Änderungen dank Finma
Die Finma selbst sei nicht für konkrete strafrechtliche Ermittlungen zuständig, wie Mathys betont. Die Behörde überwacht die Einhaltung des Aufsichtsrechts.
«Wir haben keine Hinweise, dass HSBC heute sowohl hinsichtlich ihrer IT wie auch hinsichtlich der Prozesse in der Geldwäschereibekämpfung gegen die aufsichtsrechtlichen Vorgaben verstossen würde», wie Finma-Sprecher Mathys betont. Das Geschäftsgebaren bei der HSBC in Genf habe sich auch aufgrund der Intervention der Finma inzwischen geändert.
Vorwürfe wegen schwerer Geldwäscherei
Bei den aktuellen strafrechtlichen Untersuchungen handelt es sich offenbar um Fälle aus der Vergangenheit: Die Genfer Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass sie eine Untersuchung wegen Geldwäscherei gegen die HSBC in Genf sowie gegen unbekannt eröffnet hat. Es kam es zu einer Hausdurchsuchung bei der Bank. Hintergrund ist ein Bericht, wonach die Bank wissentlich illegale Aktivitäten von Waffen- und Diamantenhändlern ignoriert haben soll. Zudem habe sie wohlhabenden Menschen geholfen, Steuern zu umgehen. Die treibenden Kräfte hinter der Hausdurchsuchung sind der Genfer Generalstaatsanwalt Olivier Jornot und der Staatsanwalt Yves Bertossa.
Der Schweizer Ableger der britischen Grossbank HSBC stand letzte Woche im Fokus der internationalen Presse. Im Rahmen der sogenannten «Swissleaks»-Affäre wurde der Genfer Filiale von HSBC vorgeworfen, für Delikte wie Geldwäscherei, Terrorfinanzierung sowie Drogen- oder Waffenhandel Hand geboten zu haben. Basis für «Swissleaks» bilden von einem internationalen Journalistennetzwerk ausgewertete Daten, die der Informatiker Hervé Falciani 2007 bei HSBC gestohlen hatte.
HSBC ist grösste Schweizer Auslandsbank
So stehen mehrere HSBC-Kunden aus Saudi-Arabien unter Verdacht, Osama Bin Laden Geld gespendet zu haben. Weiter soll der Schweizer Ableger von HSBC Konten des Clans von Syriens Diktator Baschar al-Assad beherbergt und Millionenvermögen für Händler von Blutdiamanten im Liberia-Konflikt verwaltet haben.
Bei HSBC Schweiz handelt es sich nicht um eine klassische Schweizer Bank. Die Hongkong & Shanghai Banking Corporation ist eine international tätige Grossbank mit Sitz in London. Ihr hiesiger Ableger ist aber die mit Abstand grösste Schweizer Auslandsbank. 2013 schrieb die Bank laut der Statistik der Auslandsbanken einen Gewinn von 2 Milliarden Franken und beschäftigte rund 1400 Personen.