Im Alter droht DemenzDas Schauen von Trash-TV lässt dein Gehirn schrumpfen
Was passiert, wenn wir TV-Sendungen wie «Love Island», «Promi Big Brother» oder «Kampf der Realitystars» suchten? Laut einer Langzeitstudie nichts Gutes.
Darum gehts
Eine neue Studie enthüllt, dass zu viel Trash-TV das Volumen der grauen Hirnsubstanz verringert.
Die Gehirne der Trash-TV-Fans schrumpften wortwörtlich.
Dabei machte es keinen Unterschied, wie viele solcher Sendungen sie konsumierten.
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Viele Menschen kennen nach einem stressigen Arbeitstag nichts Besseres als mithilfe von Trash-TV zu entspannen. Das strengt nicht an und macht mitunter sogar richtig Spass. Doch ganz so harmlos, wie die seichte Berieselung erscheint, ist sie nicht. Sowohl der Ruf der Teilnehmerinnen und Teilnehmer als auch das Publikum können nachhaltig Schaden nehmen.
Laut einer im Fachjournal «Brain Imaging and Behavior» veröffentlichten Studie wirkt sich der Konsum von zu viel Trash-TV negativ auf das Gehirn der Zuschauenden aus. Und das langfristig. Im schlimmsten Fall drohe im Alter Demenz, so das Team um Ryan Dougherty von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland).
599 Gehirne unter der Lupe
Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen war der Neurowissenschaftler und Kinesiologe der Frage nachgegangen, ob langfristiges Fernsehkonsumverhalten, eine häufig sitzende Tätigkeit, im frühen bis mittleren Erwachsenenalter mit dem Volumen der grauen Substanz im Gehirn (siehe Box) in der Lebensmitte verbunden ist und ob dies unabhängig von körperlicher Aktivität ist.
Für die Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sich das ausgiebige Schauen von seichten Fernsehprogrammen zwischen den Jahren 1990 und 2011 auf die Gehirne von 599 Menschen ausgewirkt hat. Die Frauen und Männer waren im Untersuchungszeitraum mittleren Alters und schauten täglich im Schnitt zwei bis drei Stunden fern.
Graue Substanz
Die Graue Substanz ist ein wichtiger Bestandteil des Zentralnervensystems. Im Querschnitt des Gehirns ist die Graue Substanz im äusseren Bereich des Gehirns zu finden, wohingegen die weisse Substanz den Innenraum erfüllt. Angeblich bestimmt die Menge der Grauen Substanz die Intelligenz eines Menschen zum Teil. Deshalb ist bei der Intelligenz oft von «grauen Zellen» die Rede. Der Begriff Graue Substanz kommt von der äusseren Farbe der Nervenfasern. Diese weisen eine graue bis rötliche Farbgebung auf. Im Inneren der Grauen Substanz ist diese jedoch nicht als grau zu definieren, sondern als rosa.
Auch Wahl des Sender kann eine Rolle spielen
Das Ergebnis ist deutlich: Die von den Forschenden durchgeführten MRT-Scans zeigten, dass bei den Probanden das Volumen des frontalen Kortex und des entorhinalen Kortex (spielt eine wichtige Rolle bei der Gedächtnisbildung) verringert war und auch die Graue Substanz in geringerem Umfang vorhanden war als bei der Kontrollgruppe, deren Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine oder nur wenig Zeit vor dem Fernseher verbracht hatten. Ihr Gehirn schrumpfte also wortwörtlich. Zudem schnitten sie schlechter bei kognitiven Tests ab.
Die Dauer des Schauens machte dabei keinen Unterschied: Schon verhältnismässig geringer Trash-TV-Konsum scheint der Studie nach Folgen für das Gehirn zu haben. Diese könnten schlimmstenfalls im Alter zu Demenz führen, so die Forscher. Sport und ein ansonsten gesunder Lebensstil scheinen die negativen Effekte nicht ausgleichen zu können.
Darum empfehlen Dougherty und seine Kollegen; sich für den Feierabend andere Beschäftigungen zu suchen, etwa Spieleabende. Die Ergebnisse machten deutlich, wie wichtig es ist, Verhaltensweisen zu identifizieren, die geändert werden können, bevor die Denkfähigkeit beeinträchtigt wird.
Dass von der Art des TV-Konsums auf die Intelligenz schliessen lässt, berichteten im Jahr 2019 auch Forschende aus Italien. Damals kamen die Ökonomen Ruben Durante, Paolo Pinotti und Andrea Tesei zu dem Schluss, dass regelmässige Konsumenten von Silvio Berlusconis Fernsehprogrammen nicht nur häufiger populistische Parteien wählten, sondern auch weniger intelligent seien.
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