Scheidungskinder«Das Wohl der Kinder wird oft vergessen»
Scheidungen schaden dem Kind immer, sagt die Psychologin Irina Kammerer.
Wie geht es Scheidungskindern?
Praktisch alle reagieren mit Symptomen wie einer depressiven Verstimmung oder Konzentrationsschwierigkeiten. Das ist aber eine normale Reaktion.
Kann das Kind die Scheidung positiv erleben?
Positiv kann einzig sein, dass die elterlichen Konflikte abnehmen.
Manche Eltern sagen, dass ihr Kind an der Scheidung «wächst».
Das ist ein Schönreden der Situation. Die negativen Aspekte der Trennung überwiegen.
Sollte man sich dem Kind zuliebe gar nicht trennen?
Auch das ist keine gesunde Lösung. Denn Kinder spüren die elterlichen Konflikte, auch wenn diese versteckt stattfinden. Das kann das Kind belasten.
Wie trennt man sich richtig?
Das Kind soll sich nicht für ein Elternteil entscheiden müssen. Und die Eltern sollen dem Kind klarmachen, dass es nicht schuld an der Trennung ist.
Wird das Wohl des Kindes von den sich trennenden Eltern vergessen?
Ja, manchmal. Das ist aber nachvollziehbar. Die Scheidung ist für alle Beteiligten eine hohe Belastung.
Sollten Scheidungskinder grundsätzlich in die Therapie gehen?
Die meisten könnten davon profitieren.
Wird künftig die Mehrheit der Kinder als Scheidungskinder aufwachsen?
Ja, denn die Scheidungsrate hat sich mittlerweile bei 40 Prozent eingependelt.
Ihre Botschaft an die Eltern?
Geht eure Beziehungsprobleme frühzeitig an. Dann kommt es im besten Fall gar nicht zur Scheidung.
Serie: Scheidungskinder
Teil 3: Psychologin Irina Kammerer über Scheidungen

Serie über Scheidungskinder
In der Schweiz gibt es jährlich 12'000 «neue» Scheidungskinder. 20 Minuten hat drei von ihnen getroffen. Wie haben sie diese Zeit erlebt und wie geht es ihnen heute?