Medienkonferenz Coronavirus«Ungeimpfte können sich nicht mehr auf den Schutz durch den Staat verlassen»
Am Mittwoch fand die erste Bundesratssitzung nach der Sommerpause statt. Ab Oktober gibt es keine Gratis-Test für Personen ohne Symptome mehr.

Am Mittwoch findet die erste Bundesratssitzung nach der Sommerpause statt. Thema war unter anderem die Finanzierung der Schnell- und Selbsttests und zukünftige Massnahmen.
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Zusammenfassung
Der Bundesrat hat heute beschlossen, die geltenden Massnahmen aufrechtzuerhalten. Gesundheitsminister Alain Berset ruft die noch unentschlossenen Personen dazu auf, sich impfen zu lassen.
Angesichts des aktuellen Impfstandes will der Bund sich neu ausrichten. Die Massnahmen sollen in Zukunft primär dazu dienen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Mit der Impfung haben Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz die Wahl.
Weiter wichtig bleibt für die Regierung das Testen. Er schlägt aber vor, dass die Selbsttest aus der Apotheke ab 1.Oktober nicht mehr gratis sein werden. Ausnahme: Kinder bis 12 und Personen, die sich nicht impfen lassen können. Ab dann müssen müssen auch Tests selbst bezahlt werden, die man für einen zertifikatspflichtigen Anlass braucht.
Definitive Entscheidungen fällt der Bundesrat am 25. August nach der Vernehmlassung der Kantone.
Ende der Medienkonferenz
Die Medienkonferenz ist beendet. In Kürze lesen Sie hier eine Zusammenfassung.
Frage zu Haftung bei Impfstoffen?
Eine Journalistin fragt, ob analog zu Bosnien auch die Schweiz eine Klausel im Vertrag hat, die besagt, dass der Staat sämtliche Haftung trägt bei den Impfstoffen von Pfizer/Biontech. Berset: «Ich kenne den besagten Vertrag nicht im Detail und kann darum dazu keine Angaben machen, ob das auch für die Schweiz gilt.»
Studien bezweifeln die Zuverlässigkeit der Antigen-Tests
Mathys: «Antigen-Schnelltests werden laufend angepasst.» Man kann nicht einfach sagen, dass ein Antigen-Schnelltest für weitere Varianten nicht mehr wirkt.
Steht die Schweiz in Verhandlungen mit Moderna?
«Wir stehen im ständigen Kontakt. Wir waren weltweit das dritte Land, das mit Moderna Verträge abgeschlossen hat. Dieser Zugang ist uns nicht so schlecht gelungen. Wir sind auf gutem Weg. Soll sich die Schweiz investieren als Produzent? Unser primäres Interesse ist nicht, die Produzenten zu ersetzen. Wir wollen den guten Zugang zu den Impfstoffen, so Berset. Man kann im Voraus nicht sagen, welches die besten Produkte sein werden. Dafür braucht es viele Kontakte. Bis Ende Jahr haben wir zu dieser Frage erste Resultate.
«Vor der Impfung hatten wir keine Alternative zum Testen.» Das hat uns geholfen, die Pandemie zu verstehen, so Berset. Jetzt haben wir die Impfung und die Tests, das ist eine neue Situation.
Bekommt man ein Zertifikat nach einem Test mit Symptomen?
«Das wird in der Vernehmlassung geklärt», so Berset.
Sehen Sie ein Risiko, dass nun Personen Symptome vorgeben, um Tests nicht bezahlen zu müssen?
«Nein, es wird dann einfach kein Zertifikat geben», so Berset. Mathys: «Sollte hier ein Problem entstehen, kann man das auch nachher noch anschauen.» Sämtliche symptomatische Personen werden getestet, und das braucht Zeit, so Mathys. Natürlich sei es möglich, dass Leute versuchen, Missbrauch zu betreiben.

Wann fällt die Obergrenze von 30 Personen bei privaten Anlässen?
«Wenn wir eine Massnahme vergessen hatten, dann diese», sagt Berset. «Wir sind aber hier bald sehr in der Nähe von Kleinveranstaltung. Wir schauen uns das an», so Berset.
Frage zu Vergleich Massnahmen Schweiz vs. Ausland?
«Es war äusserst schwierig, sich zu vergleichen, man musste bescheiden sein», so Berset. Der Vergleich mit Städten aus dem Ausland bestätige, dass unsere Massnahmen moderat gewesen sind, so der Bundesrat. «Es ist sehr wichtig die Fakten zu sehen und zu sagen was man weiss bzw. nicht weiss, um entscheiden zu können.»
Was gab den Ausschlag, dass Tests nun kosten sollen?
«Wir suchen gemeinsam eine gute Lösung für unser Land», betont Berset. Die Tests sollen in einigen Bereichen kosten, aber nicht zu schnell, so Berset. «Wir haben im Bundesrat versucht, einen Mittelweg zu finden.»
Frage zu mRNA-Impfstoffen: Wird die Schweiz ein Hub dafür?
Berset: «Es wurden Diskussionen dazu geführt. Bis Ende Jahr kann man sagen, wie das läuft.» Es sei nicht so einfach, «wir wollen wirklich etwas Gutes tun.» Wir wollen uns gut positionieren. Vor einem Jahr hätte niemand gedacht, wie gut die Impfstoffe sind.

Kann der Bundesrat sagen, wie viel die Tests den Bund kosten?
«Genau kann ich es nicht sagen», sagt Berset. Die Schätzung für die Kosten für die Selbsttests belaufen sich auf 200 Millionen Franken, bei den Antigen-Schnelltests bei zusätzlich 400 Millionen Franken. «Es sind aber sehr grobe Schätzungen, es ist grosszügig gerechnet», so Berset.
Was plant der Bundesrat, um den Rückgang der repetitiven Tests aufzuhalten?
«Testen ist ein Vorteil, es erlaubt unter Umständen auf die Quarantäne zu verzichten.» Es liegt aber auch in der Verantwortung der Kantone. «Das Wichtigste ist, eine gute Situation für das eigene Territorium zu erreichen.»
Ist es nicht ein Risiko, dass man die Tests nicht mehr bezahlt?
«Was uns hilft, ist die repetitive Testung», so Berset. Das sei eine gute Kontrolle der Pandemie. Wenn Leute an eine Party gehen wollen, ist das nicht matchentscheidend. Mathys: «Obwohl sich an den Regelungen nichts geändert hat, beobachten wir einen deutlichen Rückgang beim Testen.»
Frage zur Zunkunft am Beispiel Islands
Berset: «Eine Impfung ist keine Vollkasko-Versicherung, aber sie schützt zu 95 Prozent.»
Mathys: «Der Paradigmenwechsel vom Schutz des Individuums zum Schutz des Gesundheitswesens erlaubt es uns grössere Ausbrüche abzufangen.»
Mathys: «Sprechen Sie die Herdenimmunität an? Bei der Delta-Variante liegt die etwa bei 80 Prozent, ich möchte mich da aber nicht auf die Äste heraus lassen.»
Mit wie vielen Personen rechnen Sie, die sich noch impfen lassen sollen?
«Bei der Kategorie 40-50 Jahre sind 40 Prozent noch nicht geimpft. Bei 50- bis 70-Jährigen können sich noch 30 Prozent impfen lassen», so Berset.
Ist es vorgesehen, dass das Zertifikat ausgeweitet wird?
«Im Moment haben wir minimale Massnahmen, die noch gelten. Die sind individuell nicht belastend», sagt Berset. «Wir werden bei der Überlastung der Spitäler nicht bis zum letzten Moment warten. Infektionen haben Spitaleintritte zur Folge. Und diese Todesfälle. Bei uns ist die Freiheit sehr wichtig, deshalb wollen wir keine Impfpflicht.»

Es gäbe Regierungsräte in Kantonen, die nicht geimpft sind. Finden Sie das nicht verantwortungslos?
«Da muss man aufpassen, wenn es um Einzelpersonen geht. Vielleicht haben sie persönlich gute Gründe gegen die Impfung», sagt Berset. Da müsse man mit Schuldzuweisungen aufpassen. Mit der Impfung leistet man einen Beitrag für die gesamte Gesellschaft. Dass Sportanlässe ohne Publikum stattgefunden haben, soll zu einer «schlechten Erinnerung» werden, so Berset.
Müssen Personen, die sich nicht impfen lassen können, auch für Tests bezahlen?
Nein, diese sind davon ausgenommen. Gleich wie Kinder unter zwölf Jahren, so Berset.
Zunahme von Hospitalisierungen und Todesfällen
Patrick Mathys vom BAG rechnet mit zusätzlichen Toten durch das Coronavirus. «Wir nehmen in Kauf, dass es zusätzliche Hospitalisierungen gibt», sagt er. «Man muss auch damit rechnen, dass auch Todesfälle auftreten.»
