Seit 34 Jahren vermisstDer ungeklärte Fall eines verschollenen Kindes
Noch immer beschäftigt der Fall Sarah Oberson die Walliser Polizei. Vor 34 Jahren verschwand das damals 5-jährige Mädchen spurlos.
Immer wieder verschwinden im Wallis auf rätselhafte Weise Menschen, 19 Personen konnten die dortigen Ermittler trotz der Nachsuche nicht wieder auffinden. «In den meisten Fällen sind es Vermisste Bergsteiger, die beispielsweise in eine Gletscherspalte fallen», sagt Markus Rieder von der Kantonspolizei Wallis. Wenn jedoch ein kleines Kind vermisst wird, sei dies ein spezieller Fall, so Rieder. So wie im Fall der 5-jährigen Sarah Oberson, die vor 34 Jahren in Saxon VS verschwand und seither nie wieder gesehen wurde.
Nach wie vor wird nach Sarah Oberson gesucht: «Noch heute erhalten wir regelmässig Hinweise zum Verschwinden von Sarah», sagt Evelyne Monnay von der «Fondation Sarah Oberson». Die Stiftung setzt sich für Kinderrechte ein und arbeitet unter anderem an einem Alarmsystem, das die Suche nach Vermissten vereinfachen soll. Im Stiftungsrat sind neben den Eltern von Sarah Oberson auch deren beide Schwestern vertreten. Auch wenn Sarah das letzte Mal vor über 30 Jahren gesehen wurde, gibt die Institution die Suche nach ihr nicht auf: «Das Verschwinden von Sarah wird niemals zu den Akten gelegt werden», heisst es bei den Angehörigen.
Die Walliser Tragödie
Der Fall Oberson hielt im Jahr 1985 die ganze Schweiz in Atem, das Vorgefallene wühlte auf: Die 5-jährige Sarah aus Saxon VS will in jenem September vor 34 Jahren mit dem Velo die Grossmutter besuchen, kommt jedoch nie dort an. Vom kleinen Mädchen fehlt seit dem 28. September, 17.30 Uhr, jede Spur. Einzig das Fahrrad der Vermissten wird noch am selben Abend auf dem örtlichen Pausenplatz vor der Turnhalle gefunden.
In den folgenden Tagen stellten Soldaten, Polizisten und freiwillige Helfer die ganze Region auf den Kopf, um das Mädchen aufzuspüren. Doch ohne Erfolg. Sarah Oberson bleibt verschollen. Im Dezember diesen Jahres würde sie 40 Jahre alt. Was mit ihr in der Zwischenzeit geschehen ist, konnte bis heute nicht aufgeklärt werden.
An diesem Ort wurde Sarah Obersons das letzte Mal gesehen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Lange wurde vermutet, dass das Mädchen nach Österreich entführt wurde. Bei der Kantonspolizei Wallis gingen diesbezüglich mehrere Meldung ein. Einmal soll das Mädchen in Wien gesichtet worden sein, ein andermal in Bregenz. Die Solidaritätsbewegung setzte gar 50'000 Franken Belohnung für das Auffinden von Oberson aus. Auch das brachte keine Erkenntnisse; das Mädchen blieb unauffindbar.
Obwohl der Fall eigentlich längst verjährt ist, gibt auch die Kantonspolizei Wallis die Suche nach Sarah nicht auf: «Vermisstmeldungen werden von uns generell nicht ad acta gelegt», sagt Markus Rieder, Kommunikationschef der Kapo Wallis. Man sei für jeden Hinweis dankbar und verfolge ihn auch.
Auch diese Personen werden noch immer vermisst.
Kein Einzelfall
Neben Sarah Oberson gibt es noch vier weitere ungeklärte Fälle von Schweizer Kindern, die seit Jahrzehnten verschwunden sind. Eines davon ist Peter Roth aus dem Kanton St.Gallen. Der damals 8-jährige Junge wurde das letzte Mal am 12. Mai 1984 in einem Dorflädeli in Mogelsberg SG gesehen, indem der er für sich und einen Freund je eine Packung Chips kaufte. Die leere Chips-Packung wurde später 300 Meter von seinem Elternhaus entfernt gefunden, vom Jungen fehlt jedoch bis heute jede Spur.
Die weiteren Fälle sehen Sie in der Diashow.

Tragischer Fall schöpft Hoffnung
Das Verschollene auch nach mehreren Jahren wieder auftauchen können, zeigt ein tragischer Fall aus den Vereinigten Staaten. Unfassbare 18 Jahre wurde Jaycee Lee Dugard von ihrem Entführer in Gefangenschaft gehalten. Die damals Elfjährige wurde 1991 von einem Pädophilen und dessen Ehefrau in ein Auto gezerrt. Über Jahre vergeht er sich an ihr und hält das Mädchen im Hinterhof versteckt. Mit 13 und 17 Jahren wird Dugard schwanger und gebärt jeweils ein Kind. Nach mehreren Jahren in Gefangenschaft ist das Mädchen derart gezeichnet, dass sie nicht einmal mehr versucht zu fliehen. Nur durch Zufall wird die Polizei auf den Entführer aufmerksam und lüftet die wahre Identität des Mädchens. Garrido wurde zu 431 Jahren Haft verurteilt, seine Frau zu 36 Jahren.