Deutschland erteilt Flüchtlingen Sexualkunde

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AufklärungDeutschland erteilt Flüchtlingen Sexualkunde

Die deutsche Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt Migranten, wie Liebe und Sexualität funktionieren.

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Wie sehen Männer und Frauen nackt aus? Wie benützt man ein Kondom? Und was passiert beim Sex genau? Über solche und viele andere Fragen rund um das Thema Sexualität gibt das neue Internetportal zanzu.de Auskunft. Doch das Aufklärungsportal der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zielt damit nicht etwa auf pubertierende Deutsche ab. Im Fokus hat die Website vor allem Migranten. Laut der «Süddeutschen Zeitung» stammt die Idee zum Aufklärungsportal aus Belgien. «Vor allem zu uns geflüchtete Menschen, die noch nicht lange in Deutschland leben, erhalten hier einen diskreten und direkten Zugang zu Wissen in diesem Bereich», zitiert die Zeitung Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium.

Anhand von Piktogrammen und Texten können sich die Nutzer informieren. Auch klärt das Portal über Infektionen, Rechte und Gesetze auf. Die Sprachauswahl reicht von Rumänisch über Arabisch bis zu Russisch. Menschen, die nicht lesen können, können sich die Informationen mit einem Klick auf das Lautsprecher-Symbol vorlesen lassen.

«Guter Sex», «schlechter Sex»

Besonders ins Auge stechen die Piktogramme, weil die Zeichnungen sehr explizit gestaltet sind: Gezeigt wird etwa, wie ein erigierter Penis aussieht und wo sich das Jungfernhäutchen befindet. Die Piktogramme unter dem Titel «Mein Körper in Wort und Bild» machen teilweise einen unfreiwillig komischen Eindruck. Zum Beispiel steht ein aufeinanderliegendes Paar mit einem «Gefällt mir»-Daumen für «guten Sex», wohingegen dasselbe Bild mit einem Geldschein-Symbol ein Beispiel für Prostitution ist.

Könnten die anschaulichen Piktogramme Nutzer brüskieren? Christine Winkelmann, Referatsleiterin Prävention bei der BZgA, sagt dazu: «Die Website richtet sich an Erwachsene, und um zu erklären, wie man ein Kondom anwendet, muss man nun mal einen Penis zeigen.» Funktioniere Sprache nicht als Medium, seien Bilder die einzige Alternative, um komplexe Inhalte verständlich zu machen. Laut Winkelmann wurden zudem kulturelle und religiöse Befindlichkeiten beachtet. Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv gewesen.

In der Schweiz gibt es bislang kein Pendant. Auf der Plattform migesplus.ch des Schweizerischen Roten Kreuzes können sich Migranten über die Prävention sexueller Krankheiten informieren. Laut Léa Wertheimer, Sprecherin des Bundesamts für Migration (SEM), führt das SEM regelmässig Informationsveranstaltungen durch über die wichtigsten Verhaltensregeln sowie über Rechte und Pflichten der Asylsuchenden. «Zusätzlich kommen die Kantone bei Personen, die ein Bleiberecht erhalten, ihrer Integrationspflicht mit

verschiedenen Massnahmen — auch Kursen — nach.»

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