Deutschland«Kriminalität als Lifestyle»: In Stuttgart tobt ein Clankrieg
Schüsse auf offener Strasse und ein Handgranatenwurf auf eine Trauergemeinde: Verfeindete Clans bekämpfen sich in Stuttgart. Für die Fussball-EM wird die Schweizer Nati in der deutschen Stadt logieren.
Darum gehts
Die Schweizer Fussball-Nati logiert im Sommer für die Europameisterschaft in Stuttgart.
Die Stadt ist jedoch seit zwei Jahren von schwerer Gang-Kriminalität betroffen, mit Schusswechseln, Anschlägen und Aufmärschen zweier verfeindeter Gruppen.
Rund 500 vorwiegend junge Männer zwischen 18 und 28 Jahren sind laut der Polizei in den Banden involviert. Ihre Vorbilder: deutsche Gangster-Rapper.
Was ist passiert?
Die Schweizer Fussball-Nati logiert im Sommer für die Europameisterschaft in Stuttgart. Die Stadt wird allerdings von Gang-Kriminalität heimgesucht: Zwei verfeindete Gruppierungen bekämpfen sich, es kommt zu Schusswechseln auf offener Strasse, Anschlägen und Aufmärschen.
Wer bekriegt sich?
Nach Angaben der Polizei sind alleine im Kern der Banden rund 500 vorwiegend junge Männer zwischen 18 und 28 Jahren involviert. Die meisten hätten einen Migrationshintergrund und stammen aus bildungsfernen Milieus. Eine der Gruppen sei in Göppingen zu Hause, die andere in der nahegelegenen Stadt Esslingen.
Wie lange geht das schon so?
Der «blutige Krieg» dauert gemäss der «Tagesschau» schon rund zwei Jahre. Der Höhepunkt bildete ein Angriff im Juni 2023. Damals warf ein junger Mann eine Handgranate auf eine Trauergemeinde, die sich wegen des Todes eines verfeindeten Gangmitglieds zusammenfand. 15 Menschen wurden verletzt, teilweise schwer.
Wäre die Granate nicht noch von einem Ast abgelenkt worden, wären mindestens 20 Personen getötet worden, vermutet ein Polizist im Gespräch mit Report München und SWR. Laut ZDF gehen die Ermittler davon aus, dass die Tat eine Mutprobe war, um in der Bandenhierarchie aufzusteigen. Vor Gericht schwieg der junge Mann.
Wieso bekämpfen sie sich?
Der Ursprung ist unklar. In den letzten zwei Jahren hat es laut der Polizei aber eine rasante Entwicklung gegeben. Andreas Stenger, Chef des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, sagte gegenüber SWR: «Ein Grossteil steht dem Milieu der Gangster-Rap-Szene nahe.» Er spricht von «Crime as a Lifestyle», also Kriminalität als Lebensstil.
Wer sind die Rapper?
Aus Polizeikreisen heisst es laut «Tagesschau», dass die Musiker Eska und Dardan den verfeindeten Gruppierungen zugerechnet werden. In ihren Videos sind teils Gang-Mitglieder zu sehen, die in Schiessereien oder Drogendeals verwickelt waren und auch deswegen verurteilt wurden.
Wirst du die Fussball-EM verfolgen?
Was sagt die Polizei?
Stenger sprach mit Blick auf die Europameisterschaft von einer «Herausforderung». Für die Allgemeinheit sehe die Polizei aber keine akute Gefährdung: «Primär handelt es sich um eine interne Auseinandersetzung zwischen den beiden genannten Gruppierungen. Gezielte Angriffe auf Personen ausserhalb der Gruppenstrukturen konnten bislang nicht festgestellt werden.
Ist die Nati in Gefahr?
Der Schweizerische Fussballverband hat vollstes Vertrauen in die Sicherheitskräfte, wie er gegenüber 20 Minuten sagt. Das Polizeipräsidium Stuttgart und die Schweizer Bundespolizei Fedpol, die zusammen mit der Uefa und der Bundespolizei verantwortlich sind für die Sicherheit, konnten sich am Dienstag bis Redaktionsschluss nicht mehr äussern.
Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?
Hier findest du Hilfe:
Polizei nach Kanton
Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz
Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein
Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer
LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133
Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Beratungsstellen für gewaltausübende Personen
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