Die beste Armee wird zur iTruppe

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Apfel-SchussDie beste Armee wird zur iTruppe

Voll im Trend: Noch vor kurzem waren iPhones im eidgenössischen Verteidigungsdepartement streng verboten – jetzt rüstet die Armee mit iPhones und iPads auf.

Simon Hehli
von
Simon Hehli
Ueli Maurer lässt einen Teil seiner Truppe mit Apple-Geräten ausrüsten.

Ueli Maurer lässt einen Teil seiner Truppe mit Apple-Geräten ausrüsten.

Die Nachricht liess Anfang März Apple-Jünger aufhorchen: Die US-Streitkräfte, die dem Konzern aus Cupertino bisher die kalte Schulter gezeigt haben, kaufen iPads 2. Und zwar gleich 18 000 zum Stückpreis von gut 520 Dollar. In die Tablets wollen die Generäle der Luftwaffe die umfangreichen Flughandbücher für die Piloten reinpacken – und damit einerseits Platz sparen, andererseits einfachere Aktualisierungen ermöglichen.

Eine Hürde muss das iPad allerdings noch nehmen: die Sicherheitsprüfung durch das US-Verteidigungsministerium. Eine Schwachstelle stellen gemäss Fachzeitungen Sicherheitslücken in der Software dar.

Noch vor kurzem war iPhone verpönt

Solche Bedenken halten die Schweizer Militärs nicht ab. Gegenüber 20 Minuten Online bestätigt das Verteidigungsdepartement VBS erstmals, dass es sich Apple-Produkte anschaffen wird: «Gegenwärtig wird die Einführung von iPhone- und iPad-basierten Business-Geräten für einige Benutzer in der Armee und im VBS für die zweite Jahreshälfte 2012 vorbereitet», erklärt Sprecher Christoph Brunner. Über die Anzahl der Geräte und den Preis hüllt sich die Armee zwar noch in Schweigen – ebenso darüber, ob sie das brandneue iPad 3 oder ein älteres Modell anschafft.

Was die Einsatzmöglichkeiten betrifft, kann Brunner immerhin präzisieren: «Primär geht es darum, eine sichere und mobile Synchronisation von Terminen, Kontakten und Mails mit Beilagen anzubieten.» Ob Schweizer Soldaten weitere Applikationen oder Funktionen der Apple-Gadgets nutzen könnten, prüfe das VBS derzeit.

Der Siegeszug der iGeräte in Ueli Maurers Departement bedeutet einen Paradigmenwechsel: Noch vor drei Jahren war VBS-Mitarbeitern der Gebrauch von iPhones verboten – und zwar aus Sicherheitsbedenken. Bei den ersten iPhone-Modellen war die fehlende Hardware-Verschlüsselung der Daten ein Hindernis. Doch seit dem 3GS.Modell erfüllt das iPhone in dieser Hinsicht die Sicherheitsbestimmungen des Bundes, wie Sprecher Claudio Frigerio vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) erklärt.

Wie sichert man ein iPad?

In der Bundesverwaltung ist das iPhone mittlerweile zum meistverbreiteten Smartphone geworden. Zum Einsatz kommen nur Geräte, die der Bund selber beschafft und nach internen Sicherheitsvorgaben eingerichtet hat. So lässt sich der Passwortschutz nicht ausschalten und die Synchronisierung mit dem Mail-Account darf nicht mehr per Kabel, sondern nur noch drahtlos erfolgen. Ausserdem dürfen die Benutzer ihre iPhones nicht für vertraulich klassifizierte Informationen verwenden.

Solche Sicherheitsmassnahmen reichen dem VBS jedoch nicht, wie Insider erklären. In Zusammenarbeit mit der Swisscom sei das Departement derzeit damit beschäftigt, die iPhones noch sicherer zu machen. Möglicherweise wird dafür ein spezielles Hardware-Teilchen in die Telefone eingebaut.

Gemäss einem Informatik-Experten aus der Verwaltung ist der Einsatz von iPads in einem militärischen Umfeld eine Knacknuss. Gerade dann, wenn die Tablets nicht nur als Lesegerät für umfangreiche Dokumente gebraucht werden, sondern auch zum Surfen. Normale Arbeits-Laptops lassen sich gegen Datendiebstahl schützen, etwa durch Chipkarten, mit denen sich die Benutzer identifizieren können. Bei iPads sind solche Möglichkeiten noch wenig verbreitet – doch dem Vernehmen nach tüfteln die Informatik-Experten des Bundes derzeit eifrig an neuen Sicherheitsbarrieren herum.

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