Studenten verzweifeln: «Die HSLU führt uns willentlich in die akademische Sackgasse»

Aktualisiert

Studenten verzweifeln«Die HSLU führt uns willentlich in die akademische Sackgasse»

Weil die Hochschule Luzern keinen Master in Wirtschaftspsychologie anbietet, fürchten Bachelor-Absolvierende um ihre Zukunft. Die HSLU verweist auf Kooperationen mit anderen Hochschulen – aber dort sind die Plätze beschränkt.

Seit Herbst 2019 bietet das Departement Wirtschaft der Hochschule Luzern den neuen Bachelor of Science in Business Psychology an.
Diesen Sommer schliessen die ersten Absolventinnen und Absolventen den Bachelor ab und fürchten um ihre akademische Zukunft, da die HSLU keinen Master in Wirtschaftspsychologie anbietet. (Symbolbild)
An anderen Fachhochschulen wie der FHNW existieren entsprechende Masterstudiengänge. Die Studierenden befürchten aber, dass diese ihre eigenen Absolventinnen und Absolventen bevorzugen.
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Seit Herbst 2019 bietet das Departement Wirtschaft der Hochschule Luzern den neuen Bachelor of Science in Business Psychology an.

Hochschule Luzern

Darum gehts

Seit drei Jahren bietet die Hochschule Luzern (HSLU) den Bachelor in Business Psychology an. Das Studium in Wirtschaftspychologie bietet Interessierten, die sich speziell mit der praktischen Anwendung in der Wirtschaft beschäftigen wollen, eine Alternative zum universitären Psychologiestudium. Wirtschaftspsychologinnen und -psychologen beschäftigen sich mit dem Verhalten von Menschen am Arbeitsplatz, in Organisationen und am Markt.

Nun schliessen die ersten Studierenden ihren Bachelor ab, aber offenbar sehen viele von ihnen frustriert und ratlos dem Abschluss entgegen. Eine Studentin, die anonym bleiben will, wendet sich an 20 Minuten. Sie ist verzweifelt, weil die HSLU als einzige Hochschule in der Schweiz nur den Bachelor in Business Psychology anbietet und keinen Master: «Die Hochschule Luzern verwehrt uns diese Möglichkeit im vollen Bewusstsein und führt uns willentlich in die akademische Sackgasse.»

«Unser berufliches und akademisches Schicksal scheint ihnen komplett egal zu sein!»

Anonyme Absolventin, Bachelor in Business Psychology

Circa 100 weitere Studierende, die diesen Sommer ihren Bachelor abschliessen, hätten somit keine unmittelbare Anschlusslösung. Denn an eine andere Hochschule zu wechseln, sei sehr schwierig. Die Plätze seien beschränkt und oft würden die eigenen Studierenden bevorzugt. «Es ist für uns völlig unverständlich, wie die Hochschule Luzern sich bewusst gegen ein eigenes Masterangebot in Psychologie entscheiden kann, im Wissen, dass wir an einer anderen Hochschule nur sehr geringe Chancen für ein Studium haben. Unser berufliches und akademisches Schicksal scheint ihnen komplett egal zu sein!»

Hochschule verweist auf Kooperationen

Bei der HSLU sieht man die Vorwürfe nicht ein. Dort heisst es auf Anfrage, dass ein Abschluss im Bachelor Business Psychology bereits berufsqualifizierend sei – viele Absolventinnen und Absolventen würden direkt nach dem Bachelor in den Arbeitsmarkt einsteigen. «Für Studierende, die weiterstudieren möchten, bietet die HSLU zwei Möglichkeiten: Entweder die eigenen Masterprogramme, wie ein Major im Master Business Administration. Oder über Kooperationen mit anderen Fachhochschulen einen Master in Wirtschaftspsychologie zu absolvieren», gibt Saverio Genzoli von der HSLU-Medienstelle HSLU zur Auskunft.

«Allerdings sind auch die Studienplätze an der FHNW begrenzt.»

Tanja Manser, Direktorin für Angewandte Psychologie FHNW

So existiert etwa an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ein Masterangebot, auf das sich auch Studierende der HSLU bewerben können. Die Studiengangsleitung steht mit der Hochschule Luzern in Kontakt und bereitet sich darauf vor, die erhöhte Nachfrage auf dem Bildungsmarkt aufzufangen. Gegenüber 20 Minuten erklärt Tanja Manser, Direktorin der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW: «Für nächstes Semester wurde bereits circa ein Viertel der uns zur Verfügung stehenden Studienplätze im Master of Science an Studierende mit einem Bachelor in Business Psychology der HSLU vergeben.» Allerdings sind auch die Studienplätze an der FHNW begrenzt.

Die Studentin hat daher wenig Hoffnung, einen Studienplatz bei der FHNW zu kriegen. «Ich werde es nach ein, zwei Praxisjahren bei anderen Fachhochschulen trotz geringen Chancen versuchen. Sonst vielleicht auch an der Uni. Dort müssen jedoch viele Fächer nachgeholt werden. Fast im Umfang von einem Jahr. Ich möchte aber wirklich Psychologin werden!»

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