«Die Politik muss aufhören, das Auto zu verteufeln»

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Auto-Importeur«Die Politik muss aufhören, das Auto zu verteufeln»

Laut Lorenz Frey-Hilti vom Autohändler Emil Frey zeigt die Corona-Krise die Grenzen des ÖV. Massiv eingebrochen sind wegen des Lockdowns auch die Autoverkäufe.

Die Wirtschaftskrise trifft auch die Autoindustrie hart.
Zeitweise standen Autowerke still.  Volkswagen fuhr nach dem Corona-Lockdown die wichtigsten Werke wieder schrittweise hoch.
Die Arbeiter tragen eine Maske.
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Die Wirtschaftskrise trifft auch die Autoindustrie hart.

KEYSTONE

  • Die Zürcher Emil Frey Gruppe ist ein Schwergewicht im europäischen Autohandel.
  • Jetzt spricht Direktor Lorenz Frey-Hilti über die Corona-Krise.
  • Autoverkäufe in der Schweiz brechen im April wohl um 75 Prozent ein.

Herr Frey-Hilti, kaufen Schweizer jetzt noch ein Auto?
Wie die meisten Branchen ist auch die Automobilbranche von der Corona-Krise schwer betroffen. Nach dem Lockdown durch den Bundesrat mussten die Schauräume geschlossen werden. Die Verkaufszahlen sind stark eingebrochen. Im März wurden fast 40 Prozent weniger Autos in der Schweiz immatrikuliert als im Jahr zuvor. Im April wird der Rückgang noch grösser sein, bei schätzungsweise 75 Prozent. Aber das Interesse für Neu- und Gebrauchtwagen ist da, dass sehen wir über unsere Onlinekanäle.

Steigen Sie während der Pandemie noch in ein Tram oder einen Zug?
Nein, derzeit fahre ich weder Zug noch Tram. Die Schutzmassnahmen sind im öffentlichen Verkehr sehr schwer umzusetzen.

Mächtiger Autohändler
Lorenz Frey-Hilti (29) ist Direktor bei der Emil Frey Gruppe, einem der grössten Autohändler Europas. Sein Vater, alt SVP-Nationalrat Walter Frey, ist seit 1975 Verwaltungsratspräsident und Inhaber des Familienunternehmens. Dieses ist heute in der Schweiz, Frankreich, Deutschland und in weiteren europäischen Ländern tätig.

Wird die Erfahrung aus der Pandemie das Image des Autos verändern?
Ich bin überzeugt, dass die Nützlichkeit des Autos gerade in dieser Pandemie jedem klar wird. Die Corona-Krise zeigt auf, dass auch ein sehr gutes ÖV-System seine Grenzen hat. Fast drei Viertel aller Personenkilometer werden im privaten motorisierten Strassenverkehr zurückgelegt. Die Lebensmittel müssen an den Detailhandel verteilt werden, Onlinebestellungen werden über die Strasse nach Hause geliefert, Krankentransporte müssen über die Strasse gesichert sein. Umso enttäuschender, wurde der Automobilsektor in den letzten Wochen der Corona-Krise von unseren Politikern kaum angesprochen. Jedermann muss sich eingestehen, wie stark heute die Wirtschaft und die Bevölkerung auf das Auto angewiesen sind.

Autofahren ist in den letzten Jahrzehnten teuerungsbereinigt günstiger geworden, mit dem Strassenfonds NAF wurde Geld für Ausbauten bereitgestellt. Was verlangen Sie konkret von der Politik?
Kurz gesagt: Ich sage Ja zum Ausbau und Verflüssigung, Nein zu neuen Belastungen für den Automobilisten. Die Schweiz ist in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewachsen. Die Bevölkerung, die Wirtschaftsleistung, der Tourismus, die Schweiz als Transitland und dementsprechend auch der Verkehr deutlich zugenommen. Nicht mitgewachsen ist allerdings die Strassenfläche. Dies wiederum führt vermehrt zu Staus. Trotz der täglichen Staus und den immer umfangreicheren gesetzlichen Vorschriften wollen und können die meisten Schweizer nicht auf das Automobil verzichten.

Viele SUV-Fahrzeuge kann man auch mit Hybrid- oder Elektroantrieb kaufen, vielleicht weiss das Frau Bundesrätin Sommaruga nicht.

Lorenz Frey-Hilti

Ihrem Sektor drohen neue Abgaben: Mit dem neuen CO2-Gesetz soll der Liter Benzin und Diesel bis zu 12 Rappen teurer werden. Zudem werden die Vorgaben für den durchschnittlichen CO2-Ausstoss von Neuwagen im Gleichschritt mit der EU laufend strenger. Wie stehen Sie zu diesen Plänen?
Wir lehnen diese Pläne ab. Warum soll der Automobilverkehr noch höher belastet werden? Man muss aufhören, das Auto und die so enorm wichtige Industrie zu verteufeln, deren Produkte zu einer freiheitlich strukturierten Lebensweise und zur Wirtschaft gehören. Der Regulierungswahn muss ein Ende haben. Damit tun wir der ganzen Bevölkerung einen Dienst.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga kritisierte, dass fast die Hälfte der in der Schweiz verkauften Autos 4x4 seien. Wieso verkauft die Industrie immer noch so viele Offroader?
Die Wahl, ob 4x4, SUV oder nicht, muss doch beim Konsumenten liegen! Die Autobranche kann heute den Kunden alles anbieten: Fahrzeuge, die mit Benzin, Elektro, Diesel, Hybrid oder sogar Wasserstoff angetrieben werden. Viele dieser SUV-Fahrzeuge kann man auch mit Hybrid- oder Elektroantrieb kaufen, vielleicht weiss das Frau Bundesrätin Sommaruga nicht. Gerade die 4x4 angetriebenen Fahrzeug bringen im Schnee und Regen grosse Vorteile und mehr Sicherheit. Wir Automobilhändler verkaufen, was unsere Kunden wünschen.

Macht die Industrie denn genug für den Klimaschutz?
Ja. Die jährlichen Berichte des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zeigen, dass die Luftqualität in der Schweiz heute so gut wie wohl noch nie seit Beginn des industriellen Zeitalters ist. So liegt etwa die Belastung mit Feinstaub oder Stickstoffdioxid so tief wie noch nie seit Beginn der Messung vor knapp dreissig Jahren – egal, ob auf dem Land oder in der Stadt. Und dies, obwohl der Autoverkehr in der Schweiz seither um 30 Prozent zugenommen hat. Dies spricht klar für den Erfolg der technologischen Entwicklungen der Autohersteller im Umweltbereich. Mit den grossen Subventionen und Regelungen vieler Staaten für E-Autos wird auch deren Absatz weiter steigen.

Ihr Vater Walter Frey engagiert sich seit Jahren in der SVP. Wann gehen Sie in die Politik?
Ich bin bereits SVP-Mitglied.

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