Covid einer der Hauptgründe«Die Übersterblichkeit in der Schweiz ist historisch»
Die Übersterblichkeit in der Schweiz ist weiterhin aussergewöhnlich hoch. Eine Studie zeigt, dass Covid einer der Hauptgründe ist.
Darum gehts
Die Übersterblichkeit in der Schweiz war auch 2022 aussergewöhnlich hoch.
Vergangenes Jahr verstarben zehn Prozent mehr Menschen als erwartet.
Experten sind davon überzeugt, dass Covid einer der Hauptgründe dafür ist.
In der Schweiz starben 2022 rund 73’000 Menschen, das sind gegen 6650 Personen oder etwa zehn Prozent mehr, als das Bundesamt für Statistik (BfS) aufgrund der Mortalitätsentwicklung der letzten fünf Jahre erwartet hat.
Der Historiker und Epidemiologe Kaspar Staub vom Institut für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich spricht gegenüber den Zeitungen der Tamedia von einem weiteren «historischen Jahr». Staub habe die Entwicklung der Übersterblichkeit in der Schweiz in einer Forschungsarbeit zusammen mit Epidemiologen und Epidemiologinnen der Universität Bern und des BfS analysiert. Die Forscher und Forscherinnen hätten sich dabei auf die monatlichen Sterbezahlen gestützt, die bis ins Jahr 1877 zurückreichen würden.
1918 war die Übersterblichkeit am höchsten
So sei in der Schweiz im Pandemiejahr 1918 die Übersterblichkeit am höchsten gewesen. Damals grassierte die Spanische Grippe, was zur Folge hatte, dass 50 Prozent mehr Menschen als erwartet gestorben waren. Direkt danach taucht das erste Jahr der Corona-Pandemie in der Statistik auf.
2020 seien demnach 12,5 Prozent mehr Menschen gestorben als erwartet und direkt dahinter folgt das Jahr 2022, mit zehn Prozent zusätzlichen Todesfällen. Ähnlich hohe Werte habe es nur 1900 und 1944 gegeben. Die damalige Übersterblichkeit wird mit schweren Grippewellen begründet.

Wöchentliche Todesfälle, 2010 – 2023
Bundesamt für StatistikDie zusätzlichen Todesfälle hätten sich 2022 ausschliesslich in der Altersgruppe der über 65-Jährigen ereignet. Die Sterblichkeit der jüngeren Jahrgänge entspreche der Norm. Bei den älteren Personen habe die Übersterblichkeit fast das gleiche Niveau wie 2020 erreicht. Auch das Bundesamt für Statistik teilt mit, dass 2020 die standardisierte Sterberate aufgrund der Covid-19-Pandemie wieder angestiegen sei. Sie sei zuletzt in 2015 aufgrund der saisonalen Grippe und einer Hitzewelle im Juli aussergewöhnlich hoch gewesen.
Hitzesommer, Influenza und verpasste Vorsorgeuntersuchungen
Es gibt laut Staub eine «auffällige zeitliche Korrelation zwischen den Corona-Wellen und den Peaks in den wöchentlichen Ausschlägen der Übersterblichkeit». Ein Zusammenhang mit Covid liegt laut dem Epidemiologen daher auf der Hand. Zwar könnten noch weitere eher indirekte Gründe mitspielen, die noch nicht vollständig verstanden würden, doch er gibt zu bedenken, dass «Covid-Infektionen auch mittel- und längerfristige gesundheitliche Risiken mit sich bringen, besonders auch bei älteren Menschen». Dazu würden ebenfalls andere Gründe wie die Hitze im Sommer, Influenza im Winter und allenfalls auch verpasste Vorsorgeuntersuchungen in den Pandemie-Jahren hinzukommen.
Urs Karrer, Chefarzt am Kantonsspital Winterthur, ist ebenfalls davon überzeugt, dass der grösste Teil der Übersterblichkeit auf Covid zurückzuführen sei: «Die erhöhte Anfälligkeit für Virusinfektionen bei Älteren ist einer der Gründe, weshalb bei uns die erwartete Sterblichkeit seit je jeweils im Winter höher ist als im Sommer, Corona mit mehreren Wellen pro Jahr stellte diese Saisonalität 2022 nun auf den Kopf», sagt er gegenüber den Zeitungen der Tamedia.
Staub ist über die fehlende öffentliche Diskussion über die stark erhöhte Sterblichkeit überrascht: «Es scheint, als habe man im Moment akzeptiert, dass wir es in der abklingenden Akutphase der Pandemie nun eher mit einer quasi chronischen Bedrohungslage zu tun haben.»
Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?
Hier findest du Hilfe:
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen
Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29
Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch
Lifewith.ch, für betroffene Geschwister
Verein Familientrauerbegleitung.ch
Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen
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