Kampagnenvideo neu vertontDiese Parodie des umstrittenen SVP-Videos begeistert jetzt das Netz
Der SVP-Film über ein Mädchen, das sich vor zu vielen Zuwanderern fürchtet, passte vielen überhaupt nicht. Nun erschien eine neue Version des Filmchens in Netz.
Die SVP erntete mit ihrem Kampagnenvideo zur Begrenzungsinitative heftige Kritik. Das Video sei rassistisch und hetzerisch, monieren Kritiker. Schliesslich wurde es gar Instagram zu viel: Der Clip ist vom offiziellen Kanal der SVP entfernt worden.
Inzwischen tauchte das Video im Netz von neuem auf, und zwar in einer etwas abgeänderter Form. Der Clip wurde von Gegenspielern neu vertont, die Parodie geht nun viral.
Die Initianten sind das Team rund um «BabaNews», das Onlinemagazin für Schweizer mit Wurzeln von überall. «Beim Betrachten des Videos sind uns unzählige Gegenargumente gegen die Aussagen eingefallen – so haben wir uns schliesslich entschlossen, das Video neu zu besprechen», sagt Albina Muhtari, Gründerin der Plattform.
Ausschnitt aus dem Originalvideo der SVP. Dieses wurde in der Parodie nun mit einer Stimme neu vertont.
Mami macht gern Türkei-Ferien, und die Migranten bezahlen Opas AHV
Der Clip wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit diversen Einschüben angereichert, die dem Originaltext widersprechen. «Mit diesen Ergänzungen wollen wir den ursprünglichen Botschaften der SVP den Wind aus den Segeln nehmen», sagt Muhtari. So wird etwa die ursprüngliche Aussage «Wir sind frei und haben keinen Krieg» mit dem Satzteil «aber wir mischen trotzdem mit Waffenexporten mit» ergänzt.
Unter anderem auch die Bemerkung über den Papi, der die Schweizer Kultur wichtig findet, wird sarkastisch abgerundet: «Was üsi Kultur eigentlich genau isch, das weiss är nid so rächt», sagt die neue Erzählstimme. Und anders als im Originalvideo hat nicht nur der Grossvater für den Aufbau des Landes hart gearbeitet, in der umgewandelten Form haben auch «Massimo, Giuseppe und Giovanni» kräftig mit angepackt. Und so fragt die Stimme am Schluss des einstigen Begrenzungsinitiative-Spots: «Ist es nicht endlich Zeit, die Hetze zu stoppen?» Denn schliesslich würde man all die Menschen brauchen, um Grosspapas AHV zu finanzieren.
Während die SVP wegen des Werbevideos unter Beschuss geriet, gab es für das Gegenstück viel Lob. Das Filmchen wurde bereits über 100’000-mal angeschaut, bereits 37’000-mal geliked und weitum geteilt: «Die Leute waren begeistert; das Video ist innert kürze viral gegangen», sagt Muhtari.
Begrenzungsinitiative
Am 27. September 2020 stimmt die Schweiz über die Begrenzungsinitiative (BGI) der SVP ab, nachdem die Abstimmung vom Mai wegen der Corona-Pandemie ins Wasser fiel. Die Initiative verlangt, dass die Schweiz die Zuwanderung wieder autonom kontrollieren kann. Bei einer Annahme der Initiative soll die Schweiz innerhalb eines Jahres die Personenfreizügigkeit mit der EU auf dem Verhandlungsweg ausser Kraft setzen. Gelingt dies nicht, soll das Freizügigkeitsabkommen gekündigt werden. Am 9. Februar 2014 nahm das Volk die Masseneinwanderungsinitiative der SVP an, welche die Zuwanderung mit Höchstzahlen und Kontingenten bremsen wollte. Es folgte ein langes Hickhack um die Umsetzung. Beschlossen wurde schliesslich nur eine Stellenmeldepflicht. Daraufhin lancierte die SVP die BGI. Der Bundesrat, die Kantone, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände sprechen sich gegen die Initiative aus