Google und Co.«Digitale Medien machen dumm»
Was früher das Gehirn erledigte, wird heute dem Computer überlassen. Der renommierte Hirnforscher Manfred Spitzer warnt vor der digitalen Demenz - speziell bei Kindern und Jugendlichen.
Ein neues Buch über Fluch und Segen der digitalen Demenz sorgt für Kontroversen. In der Ankündigung des Werks des renommierten deutschen Hirnforschers Manfred Spitzer liest man: «Digitale Medien machen dick, dumm und aggressiv.» In einem Interview auf «Kurier.at» warnt Spitzer vor den Gefahren von Google und Co. – vor allem für Kinder und Jugendliche.
«Wenn wir geistige Arbeit an digitale Medien abgeben, findet die geistige Arbeit nicht mehr in unserem Hirn statt», sagt Spitzer. Als Beispiel führt er an: «Wer Auto fährt, lässt die Muskeln schrumpfen – wer mit dem Navi fährt, lässt das Gehirn schrumpfen.» Studien hätten etwa gezeigt, dass googeln dafür sorgt, dass sich die Information weniger gut festsetzt, als wenn man sie aus anderen Quellen bezieht. Man habe immer im Hinterkopf, dass man die Information nicht selbst abzuspeichern braucht – und tue es auch nicht. So leide unser Gedächtnis.
Risiken der Verdummung sieht Spitzer insbesondere bei Kindern und Jugendlichen: Diese müssen erst Wissen erwerben, damit sie überhaupt googeln können. Wenn man nichts weiss, nützt auch eine Suchmaschine nichts. Spitzer rät: Computer-Dosis beschränken!

Manfred Spitzer (54), Leiter der Psychiatrischen Uniklinik Ulm, ist Autor des Buches «Digitale Demenz Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen».
(Bild: Uniklinik Ulm)