EinkaufserlebnisLäden feiern im Ausland Comeback – Schweiz klammert sich an Webshops
Menschen in der Schweiz bevorzugen laut der HSG Webshops, die in Deutschland und Österreich Läden. Weshalb ist das so?
Webshops vs. Läden: Darum gehts
Webshop oder Laden? Die Menschen in Deutschland und Österreich haben laut einer HSG-Studie eine andere Präferenz als die in der Schweiz.
Wohl auch, weil viele Schweizer Webshops gratis liefern, die in Deutschland und Österreich hingegen oft nicht, wie HSG-Professor Thomas Rudolph sagt.
Viele merkten nun, dass es nicht einfach sei, online Geld zu verdienen, sagt der Handels- und Konsumexperte Marcel Stoffel.
Das Forschungszentrum für Handelsmanagement der Universität St. Gallen (HSG) hat das Einkaufsverhalten von Menschen im DACH-Raum untersucht. Fazit: In Deutschland und Österreich haben die stationären Ladengeschäfte die Webshops als bevorzugten Einkaufskanal wieder abgelöst – in der Schweiz sind die Onlineshops hingegen beliebter.
So kam die Studie zustande
Die HSG hat 3046 Konsumierende im DACH-Raum zum Einkaufen befragt. 828 der Befragten waren aus der Schweiz, 791 aus Österreich und 1427 aus Deutschland. 51 Prozent der Befragten waren männlich, 49 Prozent weiblich. Die Befragung fand im November 2023 statt.
Stationäre Ladengeschäfte sind wieder in
51 Prozent der Befragten im DACH-Raum schlossen ihren letzten Einkauf im stationären Handel ab, 2021 waren es 43 Prozent. Einen Webshop nutzten nur 38 Prozent, im Vorjahr lag der Wert bei 47 Prozent. 62 Prozent der Befragten waren für ihren letzten Kauf in physischen Läden, um sich zu informieren oder dort einzukaufen. Webshops besuchten hingegen nur 59 Prozent, neun Prozent weniger als noch im Jahr 2021.
Wo kaufst du am liebsten ein?
Schweizer Shopper sind internetaffiner
Schweizerinnen und Schweizer sind laut Studie internetaffiner als ihre Kolleginnen und Kollegen in Österreich und Deutschland. 65 Prozent der Befragten aus der Schweiz besuchten bei ihrem letzten Kaufprozess einen Onlineshop, der damit der am häufigsten genutzte Kontaktpunkt war. So unterscheidet sich die Schweiz deutlich von ihren Nachbarn: Hier sind Webshops noch Trumpf, die Befragten nutzen sie öfter als die Läden.
Deutsche Webshops liefern meist nicht gratis
Warum nutzen die Menschen in der Schweiz öfters Onlineshops als die in Österreich und Deutschland? Thomas Rudolph, HSG-Professor und Mitautor der Studie, äussert auf Anfrage folgende Vermutung: Die Zustellgebühren von Onlineshops sind in Deutschland massiv gestiegen, nur noch vier Prozent der Shops bieten laut dem deutschen «EHI Retail Institute» Gratis-Lieferungen an. In der Schweiz sind die Lieferungen bei Onlinehändlern hingegen meistens kostenlos.
«Viele merken nun, dass es nicht einfach ist, online Geld zu verdienen»

Marcel Stoffel, Handels- und Konsumexperte und Herausgeber des Shoppingcenter-Marktreports.
Beat BaschungHerr Stoffel, Webshops sind in der Schweiz laut HSG beliebter als physische Läden, in Deutschland und Österreich das Gegenteil. Wieso?
Das ist schwierig zu beantworten. Die Hauptaussage der HSG-Studie ist, dass stationäres Einkaufen wieder in Mode kommt und eine Renaissance erlebt. Gleichzeitig gibt es aber auch Stimmen oder Studien, die sagen, dass Einkaufen zu den unbeliebtesten Freizeitaktivitäten zählt.
Trauen Sie der Erhebung der HSG also nicht?
Doch, wir haben kürzlich eine Befragung durchgeführt und kamen auf dasselbe Resultat. Kurz vor der HSG-Erhebung kam aber eine Studie des Gottlieb Duttweiler Institutes raus, in der das Gegenteil stand. Nämlich, dass Schweizer lieber arbeiten gehen als shoppen. In Deutschland gabs kürzlich eine Studie von EY, laut der zwei Drittel der Shoppingcenter nicht zukunftsfähig sind. Eine Studie aus Österreich prognostiziert hingegen ein Shoppingcenter-Revival. Wie es scheint, gehen die Prognosen auseinander.
Wie beliebt sind Webshops wirklich?
Läden generieren in der Schweiz 88 Prozent der Umsätze im Detailhandel, Webshops nur zwölf Prozent. Der Onlinehandel ist zwischen 2014 und 2021 massiv gewachsen. Dieses Wachstum hat sich jedoch in den letzten zwei Jahren stark abgeflacht, dafür erlebt der stationäre Handel ein Revival.
Warum wächst der Onlinehandel nicht mehr so stark?
Ich bin kein Spezialist für Onlinehandel, aber seine Herausforderungen sind bekannt, etwa die Retouren und Logistik. Zudem ist der Betrieb eines Onlineshops aufwendig und kostspielig. Viele merken nun, dass es nicht einfach ist, online Geld zu verdienen. Und der massive Onlineboom durch Corona ist vorbei.
Also shoppen viele gerne in physischen Läden?
Ja, wir stellen fest, dass Menschen gerne im Laden shoppen und sich beraten lassen, das physische Einkaufserlebnis wird wieder wichtiger. Auch die Shoppingcenter haben das erkannt und bieten der Kundschaft heute nebst der hohen Convenience auch attraktive Einkaufserlebnisse.
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