Glockenläuten fürs KlimaEinsatz der Kirche für den Klimastreik sorgt für Kritik
Dass sich die Kirche in die Klimapolitik einmischt, sorgt für viel Diskussion. Dies sei nicht Aufgabe der Kirche, kritisieren die Jungfreisinnigen. Die Jungen Grünen freuts hingegen.
Darum gehts
Die Freiburger Kirchen unterstützen den Klimastreik.
Der Freiburger Bischofsvikar Jean Glasson distanzierte sich allerdings von diesem Aufruf.
Dafür wird die Kirche von den Jungfreisinnigen stark kritisiert.
Die Jungen Grünen freuen sich hingegen über die Unterstützung.
Am Freitag fand in der Schweiz ein schweizweiter Streiktag statt, organisiert von «Strike for Future». Zahlreiche Gewerkschaften unterstützten den Aufruf zur Demonstration und riefen zum «ökosozialen Umbau» auf. Mit dabei: die Freiburger Kirchen. Man solle sich an den geplanten (Klima-)Kundgebungen beteiligen und «dabei die Position des christlichen Glaubens hervorheben», riefen diese Woche die katholische und die reformierte Kirche Freiburg auf. «Durch die demokratischen Mittel der Mobilisierung und Kundgebung sendet die Bewegung eine Botschaft von grosser Bedeutung für unsere gesamte Gesellschaft», schrieben die beiden Kirchen in einer gemeinsamen Erklärung.
Die zentrale Botschaft des «Strike for Future» sei ernst zu nehmen, denn der Mensch habe in den letzten zwei Jahrhunderten die Erde zu seinem «exklusiven Lebensraum» gemacht und sich von anderen Lebewesen abgegrenzt. Es brauche eine Verhaltensänderung und eine Umkehr im geistigen und praktischen Sinne. Daher unterstützen die Kirchen den Klimastreik – offenbar nicht nur in Zürich. In verschiedenen Schweizer Städten läuteten am Freitag um 11.59 Uhr die Kirchenglocken als Zeichen der Unterstützung. Auch in Zürich war das Gebimmel zu hören.
Bischofsvikar distanziert sich
Der Freiburger Bischofsvikar Jean Glasson distanzierte sich gegenüber kath.ch bereits vom Aufruf der Freiburger Kirchen zum Klimastreik. Die Kirchen seien durch den Klimawandel herausgefordert, sie gehörten aber nicht der Bewegung «Streik für die Zukunft» an, so Glasson. Ihn störe vor allem das Manifest der Klimastreikenden. Die Ausbeutung «von Natur, Frauen, Transgender- und/oder nicht-binären Menschen, von Lebewesen und vom Lebendigen hat denselben Ursprung: patriarchale, kapitalistische, neoliberale und kolonialistische Herrschaftssysteme», heisst es darin. Die Formulierung beinhalte eine politische Kritik an der Schweiz und habe nichts mit Klimaschutz zu tun, kritisiert Glasson. Es ist nicht das erste Mal, dass Kirchen sich auch politisch äussern (siehe Box).
«Dann schauen wir, dass politisches Engagement der Kirche verboten wird»
Kritik am Engagement der Freiburger Kirchen kommt auch von Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen. «Die Kirchen sind Institutionen des öffentlichen Rechts und an die Grundrechte gebunden. Aufgrund dessen sind sie zu politischer Neutralität verpflichtet, was hier aber offensichtlich missachtet wird.» Bereits im Abstimmungskampf um die Konzernverantwortungsinitiative kritisierten die Jungfreisinnigen das politische Engagement der Kirchen – und gingen dafür bis vor das Bundesgericht.
Die Jungfreisinnigen stehen für die vollständige Trennung von Staat und Kirche ein, sagt Müller. Dass gewisse Kirchen sich nun trotzdem wieder politisch engagieren, sieht er als «Respektlosigkeit gegenüber dem eigenen Kirchenvolk, das die Kirchenmeinung nicht zwingend teilt, aber trotzdem Kirchensteuern bezahlt». «Wenn sich das nicht ändert, werden wir in sämtlichen Kantonen aktiv und schauen, dass politische Engagements der Kirche jedweder Art untersagt werden», so Müller.
Unterstützung für Ihre Aktion bekommen die Kirchen hingegen von Julia Küng, Co-Präsidentin der Jungen Grünen. Dass die Kirchen ihre Strukturen und ihre Reichweite «für etwas Sinnvolles wie den Klimaschutz» nutzen, komme dem Anliegen der Jungen Grünen entgegen. Müllers Kritik erstaunt sie nicht. «Doch die Kirche ist ein eigener Akteur und hat das Recht darauf, sich politisch zu äussern. Das kann der Staat ihr nicht verbieten», so Küng.
Die Kirche und die KVI
Die Diskussion um das politische Engagement war bereits 2020 ein grosses Thema. Im Kampf um die Konzernverantwortungsinitiative hatten grosse Organisationen wie die Bischofskonferenz, die evangelisch-reformierte Kirche Schweiz und der Verband der Freikirchen Schweiz die Ja-Parole herausgegeben. Die Jungfreisinnigen kritisierten, die Kantonalkirchen hätten mit ihrer politischen Positionierung das Neutralitätsgebot verletzt und gingen damit bis vors Bundesgericht, um politisches Engagement der Kirche zu unterbinden. Ein entsprechendes Gesuch um vorsorgliche Massnahmen der Kirche wies das Bundesgericht jedoch ab.
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