Heimberg gegen Bordell – «Es ist zweifelhaft, ob die Frauen dort freiwillig arbeiten werden»

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Heimberg gegen Bordell«Es ist zweifelhaft, ob die Frauen dort freiwillig arbeiten werden»

In der Gewerbezone in Heimberg wurde die Errichtung eines Bordells bewilligt. Die Gemeinde äussert nun öffentlich ihren Unmut über den Entscheid des Regierungsstatthalters.

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Im ersten Stock dieses Gewerbegebäudes soll ein Rotlichtbetrieb entstehen.
Gegen das Baugesuch gingen zahlreiche Einsprachen aus der Anwohnerschaft ein.
Diese hat der Regierungsstatthalter jedoch abgewiesen.
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Im ersten Stock dieses Gewerbegebäudes soll ein Rotlichtbetrieb entstehen.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

Neun Einsprachen und zwei Petitionen halfen nichts: Ende Dezember entschied der ehemalige Thuner Regierungsstatthalter Marc Fritschi, dass der erste Stock eines Gewerbegebäudes in Heimberg in ein Bordell umgenutzt werden darf. Es sei «notorisch, dass Bordellbesucher sich diskret verhalten» würden, begründete Fritschi seinen Entscheid. Unzulässige Nachtruhestörungen seien daher nicht zu erwarten. «Ideelle und moralische Bedenken gegen das Gewerbe», betont Fritschi, seien ausserdem «rechtlich nicht massgebend».

Über die erteilte Baubewilligung hat nun auch der Gemeinderat von Heimberg seinen Unmut ausgedrückt. Man teile die Bedenken der Petitionärinnen und Petitionäre und habe dies dem Statthalter schriftlich mitgeteilt, schreibt der Gemeinderat in seiner Mitteilung vom Dienstag. Der mögliche Lärm und Verkehr könne nicht nur der Winterhalde schaden, sondern auch die Attraktivität angrenzender Quartiere schmälern. «In der Tat kann ein Bordell für die ganze Gemeinde rufschädigend wirken und somit wettbewerbshindernd sein», heisst es.

«Mehrverkehr ist unausweichlich»

Zu den Beeinträchtigungen durch Emissionen kämen grundsätzliche Bedenken im Zusammenhang mit Prostitution. «Es ist zweifelhaft, ob die Frauen dort freiwillig arbeiten werden und ob sie korrekt behandelt werden», sagt Gemeindepräsidentin Andrea Erni Hänni auf Anfrage. Fritschis Argument, wonach sich Bordellbesucher diskret verhalten würden, vermag Erni nicht zu überzeugen: «Zur künftigen für 30 Personen zugelassene Kontaktbar gehören 16 Parkplätze, die Kunden kommen in der Regel mit dem Auto. Dass es vermehrt Verkehr geben wird, ist unausweichlich.»

Der Gemeinderat werde nun die noch fehlenden Bewilligungen prüfen und gegebenenfalls reagieren. Da gehe es unter anderem um die Dauer der Betriebsbewilligung, sagt Erni Hänni. Während die übliche Frist fünf Jahre beträgt, will der Heimberger Gemeinderat die Bewilligung für das Bordell vorerst auf ein Jahr beschränken. «Wir wollen zunächst schauen, wie sich die Situation entwickelt und dann entsprechend reagieren», so Erni. Weiter gelte es «sicherzustellen, dass präventive, soziale und gesundheitsfördernde Massnahmen umgesetzt, Schutz und Kontrolle ausgeübt werden, aber auch, dass die Bevölkerung vor möglichen mit der Prostitution einhergehenden störenden Begleiterscheinungen geschützt wird», wie es in der Mitteilung des Gemeinderates weiter heisst. Auf eine Beschwerde gegen die Baubewilligung hat der Gemeinderat verzichtet.

Keine andere Nutzung gefunden

Ist es Liegenschaftsbesitzer René Häner bei so viel Ablehnung gegen seine Umnutzungspläne überhaupt noch wohl bei der Sache? Häner antwortet mit einer Gegenfrage: «Stellen Sie sich vor, Sie haben während vier Jahren erfolglos versucht, die 440 Quadratmeter Büroräumlichkeiten zu vermieten. Nun ist ein gesetzeskonformes Projekt da, mit dem Sie wieder einen sicheren Mieter haben. Was machen Sie dann? Auf Tausende Franken im Monat verzichten, nur weil das Bordell einigen Leuten nicht passt?» Andere Interessenten habe es durchaus gegeben, so Häner: «Aber eine Kita darf sich nicht in einer Gewerbezone befinden, und Wohnungen hat mir die Gemeinde auch nicht bewilligt. Und jetzt, da ein zonenkonformes Bauvorhaben bewilligt wurde, jammern sie auch – wer soll daraus schlau werden?»

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