Fecht-WM: Handschlag-Skandal um Olga Charlan

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WM in Mailand«Wie russische Armee auf Schlachtfeld» – war der Fecht-Eklat geplant?

Nach der Disqualifikation der Ukrainerin Olga Charlan an der Fecht-WM, äussert sich sogar Vitali Klitschko. Eine deutsche Fechterin vermutet derweil, dass der Eklat von russischer Seite geplant war.

Hält nur den Säbel hin: Hier verweigert Olga Charlan den Handschlag.

Video: Twitter

Die ukrainische Fechterin Olha Charlan wurde am Donnerstag bei der Fecht-WM in Mailand wegen eines verweigerten Handschlags mit der ihr unterlegenen Russin Anna Smirnowa disqualifiziert. Nun sorgen brisante Aussagen von deutschen Mitstreiterinnen der beiden Fechterinnen für noch mehr Aufregung in der ohnehin schon emotional aufgeladenen Thematik.

Gegenüber dem «Spiegel» gibt nämlich die deutsche Fechterin Lea Krüger an, dass es sich beim Handshake-Versuch Smirnowas um eine gezielte Provokation seitens der Russen handelte. «Sie sind anscheinend auch vom Verband instruiert worden, dass sie auf den Handschlag beharren sollen», erklärt Krüger. Bereits bei den Vorkämpfen habe es eine vergleichbare Szene mit einer Georgierin gegeben, die aus Angst vor dem Ausschluss dann doch die Hand genommen habe.

«Es war die Hölle für sie»

Die Deutsche kennt Charlan seit vielen Jahren und meint, der Ukrainerin sei vor dem Wettkampf völlig klar gewesen, was ihr bei einem Handschlagverzicht drohe. Durch ihre Haltung setze die 32-Jährige auch die Olympiaqualifikation für Paris 2024 aufs Spiel, obwohl sie mehrfache Welt- und Europameisterin ist und als grosse Medaillenanwärterin gelten würde.

Weder Charlan noch Smirnowa äusserten sich nach dem Wettkampf zum weltweit Schlagzeilen produzierenden Vorfall. Krüger meint über die Ukrainerin: «Es wird für sie emotional die Hölle gewesen sein». In der Mailänder Halle soll die Disqualifikation Charlans bei Fans und den Fechterinnen für Fassungslosigkeit gesorgt haben. In der Heimat des Fechtstars lösten die Bilder aus Mailand derweil eine Solidaritätswelle innerhalb der ukrainischen Prominenz im Sport und auch in der Politik aus.

Solidarität von Klitschko und Co.

«All unsere Liebe und Respekt für Olga», schrieb Wimbledon-Halbfinalistin Elina Switolina auf Instagram und forderte gleichzeitig die internationalen Sportorganisationen auf, die Haltung der ukrainischen Athleten und Athletinnen bezüglich des Handschlag-Verzichts zu respektieren.

«Anna Smirnowa verlor den fairen Wettbewerb und beschloss, mit der Handshake-Show schmutzig zu spielen», erklärte derweil der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba und ergänzte, das Verhalten der Russin sei genau so wie dasjenige der «russischen Armee auf dem Schlachtfeld». Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko meldete sich ebenfalls zu Wort und sagte, Charlan habe sich geweigert, einer «falschen ‹neutralen› Athletin die blutige Hand zu schütteln».

Olympia-Teilnahme in Gefahr

«Die Sportbehörden beschlossen, ihr den Sieg zu entziehen. Olga behielt ihre Ehre», so der frühere Boxchampion weiter. Charlan war die erste ukrainische Sportlerin überhaupt, die – ausserhalb von Tennis – seit Beginn des Ukraine-Kriegs in einem Wettkampf gegen eine russische Sportlerin antrat. Das ukrainische Sportministerium hatte erst am Vortag seine Bestimmungen geändert.

Wie es für Charlan weitergeht, ist offen. Der Team-Olympiasiegerin von 2008 droht nach der Disqualifikation nun auch noch eine Sperre von bis zu zwei Monaten. Der ukrainische Verband kündigte bereits an, gegen eine mögliche Sperre Protest einzulegen. Bliebe jener erfolglos, dürfte sich Charlan die Olympia-Teilnahme in Paris abschminken müssen.

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