Flughafen Zürich: Neue Startregelung sorgt für Empörung

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Flughafen ZürichBund will Starts über Zürich erlauben: Fluglärm-Gegner sind empört

Der Bund will bei Bise und Nebel Starts über Zürich zulassen. Gegner warnen vor mehr Lärm und fordern stattdessen neue Verhandlungen mit Deutschland.

Von den neuen Südstarts wären auch Nordquartiere in der Stadt Zürich betroffen.
Kritiker fordern neue Verhandlungen mit Deutschland, um Flüge frühmorgens und spätabends über das Nachbarland dirigieren zu können.
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Von den neuen Südstarts wären auch Nordquartiere in der Stadt Zürich betroffen.

Tamedia/Nicola Pitaro

Darum gehts

  • Der Bund plant, bei Bise und Nebel Starts über Zürich zu erlauben, was zu mehr Fluglärm führen könnte.

  • Fluglärm-Gegner fordern neue Verhandlungen mit Deutschland, um die Lärmbelastung zu reduzieren.

  • Der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich kritisiert die Pläne als unverhältnismässig und verfassungswidrig.

  • Das Bundesamt für Zivilluftfahrt betont, dass das neue Konzept sicherer sei und Verspätungen reduzieren könnte.

Der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ), der 48 Gemeinden vertritt, übt heftige Kritik an den neuen Flughafenplänen des Bundes. Die neue Regelung des Bundes sei «unverhältnismässig und verfassungswidrig», stelle eine Verletzung der persönlichen Integrität dar und gefährde die Gesundheit eines grossen Teils der Zürcher Bevölkerung.

In der Kritik: der Entwurf des «Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL)» des Bundesamts für Luftfahrt (Bazl). In der Revision schreibt der Bund etwa vor, dass bei Bise und Nebel ab sechs Uhr alle Starts direkt über den Süden geradeaus erfolgen sollen, Airlines deutlich erhöhte Lärmgebühren für Starts nach 23 Uhr zahlen müssen oder für die Betriebszeit zwischen sechs Uhr und 23.30 Uhr eine «Besitzstandgarantie» gilt.

Die neuen Pläne des Bundesamts für Zivilluftfahrt sorgen für Ärger.

Die neuen Pläne des Bundesamts für Zivilluftfahrt sorgen für Ärger.

Tamedia/Urs Jaudas

«Unannehmbares Sicherheitsrisiko»

Der SBFZ kritisiert die «faktische Ausdehnung der Betriebszeiten» in die Nachtstunden, das «ungebremste Wachstum» auf 346'000 Flugbewegungen pro Jahr sowie die Erhöhung der Lärmbelastung scharf. Gedanken zum Thema Klimawandel oder Umweltschutz mache man sich keine. «Das Umweltrecht, und insbesondere der Lärmschutz, wird nicht nur faktisch, sondern auch rechtlich ausgehebelt.»

Auch der Verein Flugschneise Süd (VFSN) übt heftige Kritik an den Plänen des Bazls. Vor allem die Südstarts, die über Opfikon, Dübendorf und Witikon führen sollen, sorgen für Ärger. «Mit solchen Abflugrouten würde man das am dichtesten besiedelte Gebiet der Schweiz überfliegen. Ein unannehmbares Sicherheitsrisiko, das zudem für viele Menschen zu enorm mehr Lärmbelastung führen würde», kritisiert ein Anwohner im «Tages-Anzeiger».

Viele Bevölkerungsteile leiden unter den Flugbewegungen in der Nacht.

Viele Bevölkerungsteile leiden unter den Flugbewegungen in der Nacht.

Tamedia/Nicola Pitaro

Verhandlungen mit Deutschland gefordert

Zwar sei im SIL festgehalten, dass die Südstarts geradeaus nur an etwa zehn Prozent aller Tage stattfinden sollen. Kritiker befürchten jedoch eine stufenweise Ausweitung: «Wenn es tatsächlich darum ginge, die Kapazität an den Bisen- und Nebeltagen zu erhöhen, damit sich über den Tag keine Verspätungen kumulieren, gäbe es andere Möglichkeiten», sagt Adolf Spörri, Präsident der Stiftung gegen Fluglärm, zur Zeitung.

Spörri schlägt vor, Verhandlungen mit Deutschland aufzunehmen – schliesslich landeten in Zürich vornehmlich Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns, wozu auch die Swiss gehört. «Es kann nicht sein, dass man keine neuen Verhandlungen aufnimmt, stattdessen aber neue Starts über dicht besiedeltes Gebiet plant.»

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Andere Regionen von Fluglärm betroffen

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt betont, dass dank dem neuen  Bisenkonzept mehr Flugbewegungen möglich wären. Verspätungen im Flugplan, die spätabends abgebaut werden müssten, nähmen also ab. Zudem sei das heutige Konzept weniger sicher, da es neun Kreuzungspunkte umfasst. Im neuen Entwurf würden diese beseitigt.

Die Lärmbelastung würde zudem nicht zunehmen, sondern nur anders verteilt werden: «Durch den Wegfall der Starts auf den Pisten zehn und 16 werden Kloten, Dietlikon und Bassersdorf bei Bise entlastet.» In der neuen Flugschneise lägen dann die Nordquartiere der Stadt Zürich, Gockhausen, Zumikon und Uster. Und bei Südstarts wegen Nebel profitiere primär das Furttal von weniger Lärm.

Der Entwurf des SIL-Objektblatts liegt auf, die Bevölkerung kann noch bis heute Freitag, die betroffenen Gemeinden und Planungsregionen bis am 14. Februar und die Kantone bis am 14. März Stellung dazu nehmen.

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