Nestlé: Illegale Abfallentsorgung in Frankreich?

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FrankreichNestlé soll Tausende Tonnen Abfall illegal entsorgt haben

Das Schweizer Lebensmittelunternehmen soll in Frankreich über Jahre mehrere Hunderttausend Kubikmeter Abfall illegal entsorgt haben. Es werden drastische Folgen für die Umwelt befürchtet.

Nestlé soll in den Vogesen in den letzten Jahren mehrere Hunderttausend Kubik Abfall illegal entsorgt haben.
An diversen Standorten sollen Pet-Flaschen, Glasabfälle und Polymere entsorgt worden sein. (Symbolbild)
Durch die Abfälle soll laut den Klägern eine akute Gefährdung für Tier- und Pflanzenwelt und auch für die Bevölkerung bestehen. (Symbolbild)
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Nestlé soll in den Vogesen in den letzten Jahren mehrere Hunderttausend Kubik Abfall illegal entsorgt haben.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Nestlé wird vorgeworfen, in Frankreich über 750'000 Kubikmeter Abfall illegal entsorgt zu haben.

  • Die Abfälle umfassen demnach Pet-Flaschen, Glas, Polymere und sogar Autowracks.

  • Diese illegalen Deponien sollen eine erhebliche Umweltbelastung darstellen.

Nestlé muss in Frankreich vor Gericht antraben. Das Schweizer Lebensmittelunternehmen sieht sich mit heftigen Vorwürfen konfrontiert: So sollen über Jahre Hunderttausende Kubikmeter Abfall illegal entsorgt worden sein, die laut den Klägern nun eine massive Bedrohung für Flora und Fauna darstellen.

In der Anklageschrift der Organisation AC (Anti-Corruption) heisst es, dass der Lebensmittel-Gigant zwischen 2021 und 2024 an verschiedensten Standorten insgesamt über 750'000 Kubikmeter Abfall illegal entsorgt haben soll. Dies entspricht dem Volumen von über 100'000 standardisierten Baumulden oder dem Fassungsvermögen von 300 olympischen Schwimmbecken.

Pet-Flaschen, Glas und Polymere

Diese Deponien befinden sich laut den Klägern an diversen Ortschaften in den französischen Vogesen und sollen eine erhebliche Belastung für die Umwelt darstellen. Während auf den einen Deponien laut der Anklageschrift vor allem Pet-Flaschen, Glas und Polymere entsorgt worden sein sollen, sollen andernorts auch Autowracks und Sperrmüll achtlos entsorgt worden sein.

Die AC wirft dem Wasser-Titan vor, mit den illegalen Entsorgungen eine schwere Mikroplastik-Belastung im Grundwasser verursacht zu haben – in Konzentrationen, die «jegliches aquatisches Leben unmöglich machen und sich schädlich auf Gesundheit, Flora und Fauna auswirken», heisst es in der Anklageschrift. Zudem stellen die Deponien laut den Klägern auch eine «schwere Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung» dar.

Die Deponien, die sich in den Orten Contrexéville, They-sous-Monfort und Saint-Ouen-Lès-Parey und Crainvilliers befinden sollen, wurden durch die Journalisten Alexander Abdelilah und Robert Schmidt vom Kollektiv We Report aufgedeckt, woraufhin die AC bei der Staatsanwaltschaft Nancy Anzeige gegen Unbekannt erstattete. Dies berichtet Swissinfo mit Berufung auf die Nachrichtenagentur AFP.

Grundwasserpegel sinken seit Jahren

Das Unternehmen bestreitet gegenüber der Nachrichtenagentur AWP, im Zeitraum von 2021 bis 2024 Abfall illegal entsorgt zu haben. Zudem verweist Nestlé darauf, dass derzeit eine Untersuchung von Mülldeponien laufe, die aus der Zeit stammen, bevor das Unternehmen Eigentümer des Geländes wurde. «Heute ist die Mehrzahl der Standorte bereits von Nestlé Waters saniert worden», heisst es weiter.

Der Prozess findet vom 26. bis zum 28. Mai statt. Nebst diesem Gerichtsverfahren muss sich Nestlé auch im Zusammenhang mit illegal gereinigtem Flaschenwasser vor Gericht verantworten.

Das Schweizer Unternehmen wird wegen seiner Wassergeschäfte seit Jahren scharf kritisiert. Während der Grundwasserpegel wegen Abfüllanlagen vielerorts seit Jahren sinkt, gehört der Verkauf von Flaschenwasser mit zu den profitabelsten Sparten des Unternehmens.

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