Wandern wegen Tiktok: Videos von Gratwanderungen gehen viral

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Fronalpstock«War nicht meine Absicht» – Wanderwelle wegen Tiktokern

Die Gratwanderung auf dem Stoos erlebt durch Social Media einen Besucheransturm. Nicht alle Wanderer nehmen Rücksicht auf die Weidetiere.

Wandern wird zum Trend: Zur Gratwanderungen werden Hunderte Videos auf der Social-Media-Plattform Tiktok veröffentlicht.
Der Tiktoker «De Winterthurer» hat ebenfalls ein Video veröffentlicht und spricht über seine Erfahrungen bei der Gratwanderung.
Denn auf Social Media wird die Wanderung extrem schön dargestellt: In der Realität ist der Weg voller Touristinnen und Touristen.
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Wandern wird zum Trend: Zur Gratwanderungen werden Hunderte Videos auf der Social-Media-Plattform Tiktok veröffentlicht.

Screenshot/tiktok

Darum gehts

  • Ein Tiktok-Video zur Fronalpstock-Wanderung ging viral und erreichte Millionen.

  • Der Tourismus nimmt auf dem Stoos, unter anderem wegen der Videos, sehr stark zu.

  • Lokale Bauern klagen über das Verhalten der Touristen, die oft ohne Rücksicht auf die Natur handeln.

Wandern geht viral: David Michalski postete ein Tiktok zur Fronalpstock-Gratwanderung. Sein Video erreichte mehrere Millionen Menschen und löste eine Wanderwelle aus, die andere Content Creators aufgreifen und die Alpbetreiber vor Probleme stellen.

Michalski erzählt: «Das war überhaupt nicht meine Absicht, als ich die Hunderttausenden Likes sah, war ich überrascht. Ich hatte natürlich auch Glück, das Wetter war perfekt.»

Wandern mit Schweizer Tiktokern

Auch der Schweizer Tiktoker «DeWinterthurer» hat einen Clip über die Gratwanderung am Fronalpstock veröffentlicht. Er sei durch das Video des Deutschen motiviert worden und habe bereits in Arth-Goldau bemerkt, dass er nicht allein sein würde. „Der Bus war überfüllt, also nahmen wir ein Taxi zur Talstation Stoos“, erzählt er.

Das Video zog ebenfalls Aufmerksamkeit auf sich.

Tiktok/DeWinterthurer

«Es gab immer wieder Staus», sagt er. Viele Wanderer hätten eine «Ich probiers mal»-Einstellung und merken erst später, dass die Wanderung anspruchsvoller ist.

«Sie streicheln unsere Kühe, das ist gefährlich»

Bernadette Fassbind führt zusammen mit ihrem Mann die Alpwirtschaft Laui auf dem Stoos. Für ihr Restaurant ist der zunehmende Tourismus erfreulich: «Wir hatten einen guten Sommer». Die vielen Touristen bringen aber auch Nachteile mit sich: «Sie streicheln unsere Kühe, Rinder und machen Fotos, das ist gefährlich.» Obwohl Stoos Tourismus Schilder aufgestellt hat, um dies zu verhindern, werden die Kühe nicht in Ruhe gelassen.

Bernadette Fassbind

Mit Zaunpfählen werde zum Teil auch mitten auf den Weiden Feuer gemacht. «Es gibt viele Wildcamper, die ihren Abfall liegen lassen», sagt Fassbind. Bei den Nachbarn der Bäuerin seien auch schon Touristen einfach ins Haus gelaufen, um aufs Klo zu gehen. Sie selbst habe jedoch kaum unangenehme Begegnung gehabt: «Aber wenn man davon hört, ist das schon ein bisschen beängstigend.»

Es ist ein Geben und ein Nehmen

Eine andere Älperin erzählt: «Im Grossen und Ganzen verhalten sich die Touristen anständig.» Schwarze Schafe gebe es immer, mit denen müsse man umgehen.

«Im Grossen und Ganzen verhalten sich die Touristen anständig.»

Älplerin auf dem Stoos (50)

Ähnlich sieht es Martin Langenegger. Er ist Geschäftsführer der Stoos Bahnen, wohnt an einem weniger frequentierten Wanderweg: «Es ist ein Geben und Nehmen». Wir sind froh, dass wir unsere Produkte direkt auf der Alp den Gästen verkaufen können. Da gehört es dazu, Gäste, die dies nicht kennen, zu informieren und die wenigen Gäste, die Regeln für die Tiere und die Natur nicht achten, zu bitten, die einzuhalten.

Sollte man solche Videos auf Social Media einschränken?

Auch Lorenz Solcà, dessen Frau auf dem Stoos ein Ferienhaus besitzt, ist vom Tourismus betroffen. Obwohl die Ferienwohnung immer vermietet werden kann, verliert die Region mit zunehmendem Tourismus an Charme. «Früher war es ruhiger und entspannter», sagt Solcà.

Dem Fehlverhalten soll entgegengewirkt werden

«Wir wollen dem Fehlverhalten der Gäste aktiv entgegenwirken», sagt Simona Barmettler, Geschäftsführerin von Stoos-Muotatal Tourismus. An verschiedenen Orten seien Sensibilisierungstafeln aufgestellt worden, die auch den lokalen Bauern zur Verfügung stünden.

Barmettler: «Wir pflegen auch den Austausch mit den lokalen Bauern.» Grundsätzlich haben die sozialen Medien einen spürbaren Einfluss auf den Tourismus ausgeübt. Stark frequentierte Wochenenden gäbe es im Sommer jedoch nur drei- bis viermal.

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