Deutsche zufriedener als Schweizer - Für elf Prozent mehr Lohn würden die meisten den Job wechseln

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Deutsche zufriedener als SchweizerFür elf Prozent mehr Lohn würden die meisten den Job wechseln

Für 65 Prozent der Erwerbstätigen ist der Lohn entscheidend für einen Jobwechsel. Dies bestätigt eine aktuelle Studie. Eine Personal-Expertin widerspricht jedoch.

Für Personen, die sich einen Jobwechsel überlegen, ist der Lohn ein wichtiger Faktor.
Dies zeigt eine Umfrage der Jobseite Indeed.
Mehr als 65 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer würden bei einer Gehaltssteigerung zwischen sechs und 30 Prozent den Arbeitgeber wechseln.
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Für Personen, die sich einen Jobwechsel überlegen, ist der Lohn ein wichtiger Faktor.

Tamedia AG

Darum gehts:

  • Mehr Lohn ist gemäss einer Umfrage ein wichtiges Kriterium beim Jobwechsel.

  • Insgesamt sind die Erwerbstätigen aber zufrieden mit der Entschädigung.

  • Eine Personal-Expertin erklärt, dass auch andere Faktoren neben dem finanziellen Aspekt entscheidend sind.

Mehr Lohn. Was sich viele insgeheim erhoffen, ist ein wichtiges Kriterium beim Jobwechsel. Dies geht aus einer Umfrage der Jobsuchmaschine Indeed hervor. Dazu befragte das Unternehmen in einer repräsentativen Umfrage 1025 Erwerbstätige aus der Schweiz.

Mehr als 65 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer würden bei einer Gehaltssteigerung zwischen sechs und 30 Prozent den Arbeitgeber wechseln. 70 Prozent der Befragten erwarten eine zweistellige prozentuale Erhöhung für einen Wechsel.

Nicht nur das Finanzielle zählt

Insgesamt zeigen sich die Schweizer Erwerbstätigen jedoch mehrheitlich zufrieden mit ihrer Vergütung: 46 Prozent gaben an, dass sie mit ihrem Gehalt zufrieden sind, 27 Prozent sehen Verbesserungsbedarf. Im Vergleich zu den Befragten aus Deutschland zeigt sich, dass die Schweizerinnen und Schweizer deutlich unzufriedener mit ihrem Lohn sind: Lediglich 19 Prozent der Deutschen empfinden ihr Gehalt als verbesserungswürdig.

«Unsere Umfrage bestätigt, dass die Höhe der Gehaltsverbesserung zum Teil deutlich sein muss, damit es wirklich zu einem Wechsel kommt», sagt ein Sprecher von Indeed. Ihm zufolge sollten Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen allerdings nicht alleine auf finanzielle Anreize setzen, sondern die Vorzüge der eigenen Unternehmenskultur klar machen und den Kandidatinnen und Kandidaten Perspektiven sowie Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.

Dies bestätigt Personal-Expertin Pia Tschannen. Vielfach seien andere Faktoren wichtig wie zum Beispiel die Sinnhaftigkeit der Arbeit, ein gutes Team, ein angenehmes Arbeitsklima oder auch eine Woche mehr Ferien (siehe Interview unten).

«Wichtig ist, dass man sich seiner Fähigkeiten bewusst ist»

Personal-Expertin im Interview

Besteht in der Arbeitswelt eine generelle Unzufriedenheit mit dem Gehalt?

Pia Tschannen*: Eine generelle Unzufriedenheit mit dem Gehalt kann ich so nicht bestätigen. Fragen zum Lohn sind sehr stark von der Branche abhängig sowie auch von der Grösse eines Unternehmens. Für eine vergleichbare Funktion verdient man in einem KMU oftmals nicht gleich viel wie beispielsweise in einer Grossbank.

Ist Geld denn überhaupt so wichtig?

Gerade im Niedriglohnbereich ist Geld ein wichtiger Faktor. Da geht es darum, die Existenz zu sichern. In besser bezahlten Jobs sind für die meisten Leute andere Faktoren wichtig wie zum Beispiel Sinnhaftigkeit, ein gutes Team, ein angenehmes Arbeitsklima oder auch eine Woche mehr Ferien.

Wie komme ich zu mehr Lohn, wenn ich den Job wechsle?

Wichtig ist, dass man sich seiner Fähigkeiten bewusst ist und diese gut verkauft. Wichtig ist es zudem zu wissen, welche Kriterien je nach Branche ausschlaggebend sind. Da kann eine Laufbahnberatung helfen oder man kann natürlich auch selber recherchieren.

Ist mehr Lohn im Zuge der Corona-Krise überhaupt realistisch?

In Branchen, die stark betroffen sind wie zum Beispiel in der Gastrobranche, ist es aktuell eher eine schwierige Zeit, um mehr Lohn einzufordern. Wenn in einem Unternehmen aber nach wie vor ein grosses Gefälle zwischen Top-Management und Mitarbeitenden besteht, ist schwer verständlich, dass Lohnerhöhungen unmöglich sein sollen.

* Pia Tschannen ist Personal-Expertin und Unternehmerin bei der Fairness at Work GmbH.

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