Kandidatur – Gaddafis Sohn will Präsident von Libyen werden

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KandidaturGaddafis Sohn will Präsident von Libyen werden

Der Sohn des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi bewirbt sich um die Präsidentschaft. International wird er immer noch wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht.

Muammar al-Gaddafi war bis kurz vor seinem Tod im Juni 2011 Machthaber in Libyen, das er diktatorisch führte.
Nun kandidiert Gaddafis Sohn Saif al-Gaddafi für die Präsidentschaft in Libyen.
Bilder in sozialen Medien zeigen Gaddafi in traditionellem Gewand und Turban, wie er in der Stadt Sebha Dokumente unterschreibt.
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Muammar al-Gaddafi war bis kurz vor seinem Tod im Juni 2011 Machthaber in Libyen, das er diktatorisch führte.

Vasily Fedosenko / Reuters

Darum gehts

Ein Sohn des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi tritt bei der Präsidentenwahl im Dezember an. Saif al-Islam habe die für seine Kandidatur nötigen Unterlagen am Sonntag in der Stadt Sabha eingereicht, erklärte die Hohe nationale Wahlkommission. Al-Islam wird vom Internationalen Strafgerichtshof unter dem Vorwurf von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Seine Kandidatur dürfte im Land umstritten sein.

Erster öffentlicher Auftritt seit Jahren

Saif al-Islam galt lange als mutmasslicher Nachfolger seines Vaters. 2011 wurde er von einer bewaffneten Gruppe gefangen genommen. Im selben Jahr wurde Gaddafi nach mehr als 40 Jahren an der Macht in einem Volksaufstand gestürzt und kurze Zeit später getötet. Al-Islam kam im Juni 2017 wieder frei.

In einem von einem Mitglied der Wahlkommission geteilten Video sagte Al-Islam in die Kamera, Gott werde über die Zukunft des Landes entscheiden. Er trug ein traditionelles libysches Gewand, einen Turban und eine Brille. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit Jahren.

Wahl für Übergangsregierung

Nach Gaddafis Tod zerfiel Libyen inmitten eines Bürgerkriegs praktisch in zwei Teile. In Tripolis amtierte eine von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung, rivalisierende Kräfte im Osten des Landes stützten sich vor allem auf den mächtigen Militärkommandeur Chalifa Haftar. Beide Seiten erhielten Unterstützung von diversen bewaffneten Gruppen und ausländischen Regierungen. Anfang des Jahres einigten sich die Streitparteien auf die Bildung einer Übergangsregierung und Wahlen. Die Präsidentenwahl ist für den 24. Dezember geplant.

Gaddafi hatte acht Kinder, von denen die meisten in seiner Regierung eine bedeutende Rolle spielten. Ein Sohn wurde getötet, als Gaddafi gefangen genommen wurde, zwei weitere Söhne kamen zuvor in dem Volksaufstand ums Leben.

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(DPA/bre)

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