Gepanschtes Gras gefährdet ahnungslose Kiffer

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SchweizFachleute warnen: Hände weg von diesem Gras

In der Schweiz sind wieder vermehrt synthetische Cannabinoide auf CBD-Gras im Umlauf. Suchtfachstellen warnen vor dem Konsum.

Zurzeit kursiert in der Schweiz offenbar vermehrt Cannabis, das mit einem gefährlichen zusätzlichen Wirkstoff versehen ist.
Fachstellen warnen vor dem Konsum des synthetischen Grases.
Der Konsum von synthetischen Cannabinoiden kann gefährliche körperliche Folgen haben: Ohnmacht, Herzrasen, Krampfanfälle, Übelkeit, Erbrechen bis hin zu Psychosen.
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Zurzeit kursiert in der Schweiz offenbar vermehrt Cannabis, das mit einem gefährlichen zusätzlichen Wirkstoff versehen ist.

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Darum gehts

  • Schweizer CBD-Gras ist wieder vermehrt gespritzt – das kann schwere Folgen haben.

  • Fachstellen mahnen zur Vorsicht. 

  • Saferparty bemerkt vor allem seit der zweiten Jahreshälfte 2023 eine Zunahme.  

  • Laut Infodrog tauchen die Substanzen seit 2020 immer mal wieder auf. 

Schweizer Gras ist wieder vermehrt gepanscht. Wer auf der Strasse Gras kaufen will, erhält laut Fachstellen vermehrt mit künstlichen Cannabinoiden besprühtes CBD-Gras. Die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht (Infodrog) und das Drogeninformationszentrum DIZ Zürich mahnen zur Vorsicht. Der Konsum von synthetischen Cannabinoiden kann gefährliche körperliche Folgen haben: Ohnmacht, Herzrasen, Krampfanfälle, Übelkeit, Erbrechen bis hin zu Psychosen. Eine 20-Minuten-Leserin berichtet von ähnlichen Erfahrungen, nachdem ihre Freunde Cannabis konsumiert haben. Sie hätten unwissentlich synthetische Cannabinoide geraucht. Anschliessend hatten sie mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen.

Wie kommt die gestreckte Droge in Umlauf? Die Dealer kaufen günstiges CBD-Gras, besprühen es mit synthetischen Cannabinoiden und verkaufen es anschliessend als THC-haltiges Gras auf dem Schwarzmarkt.

Seit 2023 wieder mehr Substanzen im Umlauf

«Wir nehmen definitiv wieder eine Zunahme von kontaminierten Cannabis-Proben wahr», sagt Joël Bellmont vom DIZ. Marc Marthaler von Infodrog erklärt: «Während ab 2020 relativ viel CBD-Cannabis, welches mit synthetischen Cannabinoiden versetzt war, in Umlauf war, beruhigte sich die Lage im Jahr 2022 wieder ein wenig. Aber seit 2023 kommen immer weitere Substanzen hinzu.» Das DIZ, das jeden Donnerstag ein spezifisches Drug-Checking-Angebot für Cannabis anbietet, bemerkt vor allem seit der zweiten Jahreshälfte 2023 eine Zunahme.

Auch halbsynthetische Cannabinoide sind laut Marthaler und Bellmont vermehrt getestet worden. Diese kommen, im Unterschied zu synthetischen Cannabinoiden, in geringen Mengen im natürlichen Cannabis vor, werden aber auch synthetisch hergestellt. Die Nebenwirkungen seien schwächer als bei synthetischen Cannabinoiden. «Das führt dazu, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten kaum merken, dass ihr Cannabis besprüht ist.»

Hast du schon einmal gekifft?

Fachstellen appellieren zu «vorsichtigem» Konsum

Laut Marthaler tauchen in allen Drug-Checking-Angeboten der Schweiz immer mal wieder seit 2020 solche Substanzen auf: «Das heisst, dass einem Teil der Konsumierenden bewusst ist, dass synthetische Cannabinoide in Umlauf sind». Deshalb würden sie das Gras auch testen lassen. Bei illegalen Drogen ist das Risiko generell gross, dass etwa die Dosierung gefährlich hoch ist oder gefährliche Streckmittel enthalten sind.

Bellmont appelliert zu einem vorsichtigen und bewussten Konsum: «So können viele Risiken stark gesenkt werden.» Im weiteren soll man beim ersten Konsum von unbekannten Produkten nur eine kleine Menge antesten, zum Beispiel zwei, drei Züge nehmen und danach rund 15 Minuten warten, bis sich die Wirkung entfaltet. «Mischkonsum, auch mit Alkohol, sollte gänzlich vermieden werden», führt Bellmont weiter aus.

Was sind synthetische Cannabinoide?

Synthetische Cannabinoide sind künstlich hergestellte Substanzen, die eine ähnliche Wirkung haben wie pflanzlich Cannabis. Diese wurden ursprünglich in der medizinischen Forschung entwickelt. Herausgekommen sind Substanzen, die teils um ein Vielfaches stärker wirken als natürliche Cannabis. Heute werden die Substanzen missbräuchlich auf CBD besprüht und auf dem Schwarzmarkt als THC-haltiges Gras verkauft. Der unwissentliche Gebrauch als Rauschmittel kann lebensgefährliche Folgen haben.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Problem mit Suchtmitteln?

Hier findest du Hilfe:

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Information und Substanzwarnungen

Anonyme Alkoholiker, Tel. 0848 848 885

Narcotics AnonymousSelbsthilfegruppe für Suchtbetroffene 

Stopsmoking.ch, Tel. 0848 000 181

Vergiftungsnotfälle, Tel. 145

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