Altkönig von Spanien – Gericht stellt Verfahren wegen Geldwäscherei gegen Juan Carlos ein

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Altkönig von SpanienGericht stellt Verfahren wegen Geldwäscherei gegen Juan Carlos ein

Das Verfahren wegen eines Geldgeschenks gegen den von Korruptionsvorwürfen bedrängten Altkönig Juan Carlos wurde eingestellt. Die Vorwürfe konnten nicht bewiesen werden.

Das Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen König von Spanien, Juan Carlos, wurde eingestellt.
Juan Carlos erhielt vom König von Saudi-Arabien 100 Millionen Dollar auf ein Schweizer Konto überwiesen.
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Das Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen König von Spanien, Juan Carlos, wurde eingestellt.

AFP

Darum gehts


Das Gerichtsverfahren um den ehemaligen spanischen König Juan Carlos, das Spanien in Atem hielt und die Genfer Justiz drei Jahre lang beschäftigte, ist beendet: Staatsanwalt Yves Bertossa hat seine Ermittlungen zu den 100 Millionen US-Dollar eingestellt, die Saudi-Arabien an Juan Carlos I. bezahlt hat. Der Richter gab seine Entscheidung den Parteien während einer Anhörung am Montag bekannt, erfuhr die «Tribune de Genève» aus bestätigenden Quellen. Diese Informationen bestätigte die Staatsanwaltschaft heute Morgen in einer Pressemitteilung.

Die Genfer Ermittlungen gegen den 83 Jahre alten Vater von König Felipe VI. (53) begannen 2018. Dabei kam heraus, dass Juan Carlos zehn Jahre zuvor 100 Millionen Dollar auf einem Schweizer Konto überwiesen erhalten hatte, das im Namen der panamaischen Stiftung Lucum eröffnet wurde. Das Geld kam vom saudischen Finanzministerium.

«Geschenk» an seinen spanischen Bruder

Laut Juan Carlos’ Vermögensverwalter war die Summe ein Geschenk des Königs von Saudi-Arabien an seinen spanischen «Bruder». Ein Geschenk ohne Gegenleistung, haben die Angeklagten immer bekräftigt. Staatsanwalt Yves Bertossa habe die Erklärung, dass das Geld ein «Geschenk» sei, nie richtig akzeptiert. Doch nach dreijähriger Ermittlungen musste er feststellen, dass es unmöglich war, zu beweisen, dass die Juan Carlos angebotenen 100 Millionen aus einer Straftat stammten – eine notwendige Bedingung für Geldwäsche.

Juan Carlos lebt bereits seit fast eineinhalb Jahren fern von Frau Sofía (83) und dem Rest der Familie im Emirat Abu Dhabi im Exil. Er hatte am 3. August 2020 seine Heimat heimlich verlassen, um – wie es in einem später veröffentlichten Brief hiess – die Arbeit Felipes vor dem Hintergrund der Vorwürfe zu «erleichtern». In Abu Dhabi wurde er laut Medien bisher nur von seinen Töchtern Elena (57) und Cristina (56) besucht. Aussagen und Fotos des Mannes, der zwischen 1975 und 2014 Staatsoberhaupt Spaniens war, gibt es kaum. Zur Lage von Juan Carlos gibt auch das Königshaus keine Stellungnahmen ab. Spanische Medien hatten in den vergangenen Wochen immer wieder berichtet, Juan Carlos vermisse Spanien und seine Familie immer mehr und sei aber zuversichtlich, dass er Weihnachten in Madrid werde verbringen können.

Verdacht der Geldwäsche und Steuerbetrug

Die spanischen Behörden leiteten gegen Juan Carlos insgesamt drei Ermittlungen ein. Es geht unter anderem um den Verdacht der Geldwäsche und des Steuerbetrugs, um mutmassliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke in Saudi-Arabien, um angeblich nicht deklarierte Spendeneinnahmen und auch um geheime Bankkonten im Ausland. Zur Abwendung eines Strafverfahrens wegen Steuerbetrugs zahlte Juan Carlos Ende 2020 zunächst gut 678’000 Euro, im Februar dieses Jahres weitere knapp 4,4 Millionen an Steuerschulden nach, wie sein Anwalt bestätigte.

Am Ende führt die gerichtliche Untersuchung zu einer einzigen Sanktion: Eine Geldstrafe von 50'000 Franken gegen die Mirabaud-Bank, weil sie eine alte Transaktion betreffend seiner Ex-Liebhaberin Corinna zu Sayn-Wittgenstein nicht angezweifelt hat.

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(dpa/lea)

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