Fairtrade-ProjektGewürze vom Hof gleich um die Ecke – in Indien
Ein Start-up verkauft Früchte und andere Produkte von Bauern aus Produktionsländern direkt an Schweizer Konsumenten. Finanziert wird das Ganze mit Crowdfunding.
Ob Kaffee, Reis oder Gewürze: Lebensmittel kaufen Schweizer gewöhnlich in der nächsten Filiale des Detailhändlers ihres Vertrauens oder auf dem Wochenmarkt. Wem dabei das Wohl der Bauern in den Produktionsländern am Herzen liegt, greift im Regal zu Produkten von Fairtrade-Labels wie Max Havelaar. Sie versprechen, dass die Bauern mehr Geld erhalten als bei konventionellen Produkten.
Doch woher kommen die Fairtrade-Produkte genau? Welcher Bauer hat sie hergestellt? Das bleibt den Konsumenten meist verborgen. Zu viele Zwischenhändler haben ihre Hände im Spiel. Um für mehr Transparenz zu sorgen, hat eine Gruppe um den Jungunternehmer Tobias Joos daher das Projekt Crowd Container ins Leben gerufen. Die Idee: Konsumenten bestellen direkt bei einem Bauernhof in einem südlichen Land Lebensmittel und Gewürze.
Ein ganzer Schiffscontainer
Bestellt wird jeweils erst, wenn sich genügend Interessenten gefunden haben, damit ein ganzer Schiffscontainer mit Produkten gefüllt werden kann. Gesammelt wird über die Crowdfunding-Plattform Wemakeit. Aus der Verbindung zwischen Crowdfunding und Schiffscontainer ergab sich schliesslich der Projektname Crowd Container.
Im April 2016 beteiligten sich 533 Personen an einer ersten Bestellung bei einer Kleinbauern-Kooperative im indischen Bundesstaat Kerala. Sie orderten Päckli mit Nüssen, Reis, Gewürzen, Kaffee und Kokosöl im Wert zwischen 150 und 180 Franken.
Im Dezember konnte die Gruppe einen zweiten Container füllen. Diesmal ging die Bestellung aber nicht nach Indien, sondern nach Sizilien. Entsprechend anders ist die Zusammensetzung der Lieferung: Olivenöl, Pasta, Mandeln, Tomaten und italienische Gewürze wie Rosmarin, Thymian und Salbei sind darin enthalten.
Zusammenarbeit mit italienischen Partnern
Ist es überhaupt sinnvoll, italienische Produkte via Crowd Container zu bestellen? Schliesslich handelt es sich dabei um ein entwickeltes Land in Europa, nicht um ein Schwellenland wie Indien.
Ja, meint Mike Weibel, einer der Initianten des Projekts, im Gespräch mit 20 Minuten. Seine Gruppe habe in Italien bei der Auswahl der Bauern-Kooperativen mit der Firma Altromercato zusammengearbeitet, die sich auf den solidarischen Handel innerhalb Italiens spezialisiert hat. Sie betreibt also eine Art Fairtrade für Produkte aus dem armen Süden, die normalerweise im reichen Norden Italiens verkauft werden – und dank Crowd Container nun auch in der Schweiz. Die Initianten wollen in Zukunft regelmässig Container mit Crowd Orderings füllen. Der erste Container aus Italien kommt übrigens am 6. Februar in der Schweiz an.
Andere Firma mit ähnlichem Ansatz
Einen ähnlichen Ansatz wie Crowd Container verfolgt die Firma Gebana aus Zürich. Sie verkauft ebenfalls Fairtrade-Produkte via Direktimport, also ohne Zwischenhändler. Marketing-Chefin Sandra Dütschler erklärt, dass Gebana bei Frischprodukten wie zum Beispiel Bio-Datteln aus Tunesien oder Bio-Orangen aus Griechenland ebenfalls auf dasselbe Prinzip wie Crowd Container setze. «Unser Direktversand und Crowd Container ergänzen sich ideal», sagt Dütschler.

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