Gleichstellung nicht erreichtJuso fordert «Feminismus» als Schulfach
Die Juso fordert Feminismus als Schulfach. Grund: Junge Männer glauben, die Gleichstellung sei schon erreicht. Andere Jungparteien lehnen die Idee klar ab.
Darum gehts
Junge Männer glauben, die Gleichstellung sei in fast allen Bereichen erreicht.
Junge Frauen hingegen erleben das Gegenteil.
Die Juso fordert nun ein Schulfach für Feminismus – um Raum für Diskussionen über die Gleichstellung zu schaffen.
Jungfreisinnige und Junge Mitte halten vom Vorhaben nicht viel.
Diese Woche erschien der Gleichstellungsbarometer der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten SKG: Unter anderem zeigte dieser, dass junge Männer der Generation Z tendenziell der Meinung sind, dass die Gleichstellung in fast allen Bereichen bereits erreicht ist – während die jungen Frauen vom Gegenteil überzeugt sind.
Die Ergebnisse des Barometers findet Juso-Präsident Nicola Siegrist erschreckend. «Die Umfrage zeigt: Viele junge Männer wissen nicht, wie die Realität für Frauen aussieht.» Er meint damit etwa Alltagssexismus, physische Grenzüberschreitungen oder auch das «ständige Machtgefälle» zwischen den Geschlechtern in allen Lebensbereichen.
«Liegt an uns Männern, sexuelle Gewalt zu stoppen»
«Ich fordere von jungen Männern, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen», erklärt der Juso-Präsident. Soll heissen: Siegrist will, dass junge Männer sich informieren sowie mit Frauen in ihrem Umfeld darüber reden, wie sie die Gleichstellung wahrnehmen – und das Gehörte dabei auch ernst nehmen.
«Junge Männer sollen zudem untereinander darüber reden, wie sie aufhören können, Grenzen zu überschreiten, wie sie bei inakzeptablem Verhalten intervenieren und dass sie diesen Besitzanspruch auf weibliche Körper fallen lassen müssen», so Siegrist.
Juso fordert Schulfach für «Feminismus»
In einem zweiten Schritt fordern die Jungsozialisten die Einführung eines Schulfachs Feminismus: Damit solle im Schulalltag ein Raum für die Aufklärung sowie Zahlen und Fakten zur Gleichstellung, aber auch Raum für Diskussionen geschaffen werden. «Junge Menschen sollen sich über die Bedürfnisse von Frauen und über die Rolle der Männer austauschen und lernen, wie man sich in unserer Gesellschaft gleichwertig behandelt», sagt Siegrist.
Dieser Unterricht solle am liebsten mindestens einmal im Monat, besser gar jede Woche stattfinden. In mehreren Kantonen werden Jusos parlamentarische Vorstösse dazu einreichen, sagt Siegrist.
Jungfreisinnige: «Grober Unfug»
Die Jungfreisinnigen halten von der Juso-Idee nicht viel: «Die Forderung nach einem Schulfach für Feminismus ist grober Unfug», moniert Präsident Jonas Lüthy. Die persönliche politische Meinung bilden sich Kinder und Jugendliche selbst. «Der Unterricht hat deshalb politisch möglichst neutral zu erfolgen», so Lüthy. Schulfächer, deren Inhalt eine ideologisch geprägte Sichtweise vermittelten, hätten keinen Platz an unseren Schulen.
Auch Marc Rüdisüli, Präsident der Jungen Mitte, lehnt die Juso-Forderung ab. Als Alternative fordert er aber das Schulfach «Staatskunde und Politik», sagt er. «So werden alle Schülerinnen und Schüler dazu ermutigt, sich in der Gesellschaft für die Themen einzusetzen, die ihnen wichtig sind – beispielsweise auch für die Gleichstellung von Mann und Frau», so Rüdisüli.
Einig sind sich Siegrist, Rüdisüli und Lüthy einzig darin, dass die Gleichstellung tatsächlich noch nicht erreicht sei. Die bürgerlichen Jungparteien fordern aber eher Verbesserungen beim Steuersystem oder der Vorsorge als Gesprächsrunden in Schulen.
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