Frankenstärke1 Euro kostet noch 92 Rappen – ist der Franken jetzt überbewertet?
Wer mit Franken Euro kauft, bezahlt immer weniger. Aber warum ist der Franken so stark? Und ist er nun überbewertet? Ein Währungsprofi nimmt Stellung.
Starker Franken: darum gehts
Die Frankenstärke reisst nicht ab, im Gegenteil, der Franken wird noch stärker.
Das macht Auslandferien günstiger, ebenso das Einkaufen ennet der Grenze.
Für Firmen, die vom Export abhängig sind, hat der starke Franken aber negative Folgen.
Der Euro kostete am Donnerstag nur noch 92 Rappen. Auch der US-Dollar verzeichnet gegenüber dem Franken einen erheblichen Wertverlust. Aber warum ist der Franken so stark? Und geht das so weiter? Elias Hafner, Währungsspezialist bei der ZKB, ordnet die Situation im Gespräch mit der Redaktion ein.
Herr Hafner, warum ist der Schweizer Franken so stark?
Es gibt mehrere Gründe dafür, einer der wichtigsten ist, dass die Inflation in der Schweiz deutlich tiefer ist als im Ausland. Die Schweiz hat weltweit das niedrigste Inflationsziel und die Preise sind hierzulande stärker verankert. Auch ist die Schweiz weniger stark von den weltweiten Energiemärkten abhängig als andere Länder, was beispielsweise den letztjährigen Energiepreisschock im Vergleich zum Ausland deutlich dämpfte. Dies lässt den Franken über die Zeit aufwerten.
Warum wertete sich der Franken in den letzten zwei Wochen nochmals stark auf?
Einerseits lassen die neusten Wirtschaftsdaten aus dem Euro-Raum vermuten, dass die Eurozone bereits in einer Rezession steckt. Zudem hat die rückläufige Inflation die Erwartungen für Zinssenkungen bei der US-Notenbank Fed und der Europäische Zentralbank befeuert. In der Schweiz besteht dazu weniger Handlungsbedarf. An den Währungsmärkten können aber auch kurzfristige Bewegungen verstärkt werden, wenn gewisse Kurse unterschritten werden.
Welche Rolle spielt die Schweizerische Nationalbank?
Die SNB hat den Franken aufwerten lassen, um die Schweiz vor importierter Inflation zu schützen, und ihn im Jahresverlauf mit Devisenverkäufen aktiv gestützt: Alleine von Juli bis September hat sie Devisen im Wert von 37,6 Milliarden Franken verkauft (siehe Box).
SNB verkauft Devisen im Wert von über 110 Milliarden Franken
Die SNB hat dieses Jahr Fremdwährungen abgestossen, wie eine Statistik der Bank zeigt: Im ersten Quartal verkaufte sie Devisen im Gegenwert von 32,2 Milliarden Franken, im zweiten für 40,3 Milliarden Franken, im dritten für 37,6 Milliarden Franken. Es ist noch nicht lange her, als sie das Gegenteil machte: 2020 und 2021 kaufte die Notenbank Fremdwährungen und gab für diese rund 130 Milliarden Franken aus.
Was bedeutet der starke Franken für unsere Leserinnen und Leser?
Über weite Strecken hat ein stärkerer Franken die Preissteigerungen im Ausland kompensiert. Die jüngste Aufwertung geht allerdings darüber hinaus, womit Auslandferien und Einkäufe ennet der Grenze für sie nun günstiger werden. Wer Produkte aus dem Ausland importiert und in der Schweizer verkauft, profitiert ebenfalls. Wer hingegen in einer Firma arbeitet, die stark auf Exporte angewiesen ist, könnte auch die negativen Folgen der Frankenstärke spüren.
Welche negative Folgen hat die Frankenstärke?
Für die Schweizer Industrie kommt die Frankenstärke zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Sie steckt bereits in einer Rezession und die Frankenaufwertung verteuert die für sie wichtigen Exporte.
Warum schreit die Schweizer Exportwirtschaft nicht auf?
Der Schweizer Franken ist zwar stark, doch die Preise sind im Ausland viel stärker gestiegen als in der Schweiz. Kaufkraftbereinigt hat der Wettbewerbsnachteil für die Schweizer Exportwirtschaft also nicht so stark zugenommen, wie es auf den ersten Blick aussieht. Es würde mich aber nicht überraschen, wenn die Rufe der Wirtschaft nun lauter werden.
Ein Euro kostet noch rund 92 Rappen, ist der Franken nun überbewertet?
Wir halten den Franken nicht für klar überbewertet, mit der jüngsten Kursbewegung hat sich die Bewertung gegenüber dem Euro allerdings erhöht.
Kaufst du jetzt Euro?
Der Schweizer Franken ist stark, trotzdem läuft der DAX dieses Jahr besser als der SMI. Warum?
Der Schweizer Aktienmarkt SMI hat dieses Jahr nur leicht zugelegt, beim deutschen DAX hingegen gab es ein Plus von rund 20 Prozent. Die starke Entwicklung des DAX hat unter anderem damit zu tun, dass der deutsche Aktienindex das Jahr mit einer tiefen Bewertung startete. In Franken gerechnet hat der DAX allerdings weniger stark aufgewertet, noch knapp 13 Prozent. Beim SMI belastet der starke Franken die Kurse, weil ein Grossteil der Umsätze der hier kotierten Firmen im Ausland erzielt werden, welche in Franken umgerechnet weniger Wert haben.
Wie geht es nun weiter?
Die SNB wird ihre Devisenverkäufe runterfahren. Wird der Franken kaufkraftbereinigt noch stärker, könnte sie sogar gezielt Devisen kaufen, um den Franken zu schwächen. Für eine weitere starke Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro bedarf es wohl allerdings eine zusätzliche Verschlechterung der europäischen Wirtschaft. Nach der starken Bewegung ist auch eine Gegenbewegung nicht auszuschliessen. Langfristig dürfte der Euro-Franken-Kurs den Abwärtstrend fortsetzen.
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