«Ich bin Legasthenikerin und schäme mich nicht dafür»

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Bad-Vibes mit Tiktokerin Almost.Cesca«Ich bin Legasthenikerin und schäme mich nicht dafür»

Ihr sprachliches Handicap ist ihr Markenzeichen: Die Stotter-Tiktoks von Franny alias Almost.Cesca verfolgen Hunderttausende. Wir stellen die Zürcher Influencerin vor.

Bad-Vibes mit Almost.Cesca: Die 17-Jährige beantwortet in ihrem Badezimmer Fragen im Schnelldurchlauf.

Kingfluencers/Elay Leuthold/20 Minuten

Darum gehts

  • 20 Minuten fühlt in einer neuen Serie der nächsten Generation von Influencern und Influencerinnen auf den Zahn.

  • Für zwei Minuten verfolgen wir sie sogar bis ins Bad (im Video oben).

  • In der ersten Bad-Vibes-Folge: Almost.Cesca.

  • Hier erfährst du alles über die 17-Jährige, ihren Alltag als Tiktokerin und Instagramerin sowie ihr sprachliches Handicap.

In wenigen Monaten zum Tiktok-Shootingstar – das kann durchaus klappen. Franny alias Almost.Cesca macht es vor: «Richtig losgelegt habe ich erst vor einem Jahr, im ersten Lockdown», sagt die 17-jährige Zürcherin im Interview. Vor allem in den letzten Monaten seien die Zahlen explodiert: Heute vereint sie 857’000 Followerinnen und Follower auf ihrem Kurzvideo-Account, ihre Clips verzeichnen 21 Millionen Likes.

Dazu gehöre eine grosse Portion Glück, sagt Franny. Und: Kontinuität. «Man muss dranbleiben und immer wieder Content liefern.» Alle zwei bis drei Tage müsse schon sein. Auch dürfe man sich nicht zu schade sein, mal etwas Neues auszuprobieren. «Es funktioniert nicht alles.»

Das ist Almost.Cesca

  • Realer Name: Francesca Dougan

  • Alter: 17

  • Beruf: Polydesignerin im 1. Lehrjahr, Tiktokerin, Instagramerin

  • Tiktok-Community: 857’000

  • Instagram-Community: 34’400

Mut ist bei Almost.Cesca ohnehin ein wichtiges Stichwort. Die Polydesignerin im ersten Lehrjahr hat eine diagnostizierte Lese- und Schreibschwäche – und macht sich in ihren Tiktoks selbst über ihr sprachliches Handicap lustig, in dem sie stotternd versucht, Dinge auf Englisch auszusprechen oder vorzulesen. «Ja, ich bin Legasthenikerin. Ich stolpere oft über Wörter oder kann sie gar nicht sagen. Aber ich stehe dazu und schäme mich nicht dafür», sagt sie.

Das sei nicht immer so gewesen, sondern ein langer Prozess. In der Sek habe sie ihre Beeinträchtigung zu verstecken versucht, habe kaum darüber gesprochen und sich stets vor dem Vorlesen gedrückt. «Ich hatte immer Ausreden parat. Bis ich irgendwann merkte, dass es eigentlich kein Problem ist.» Heute gehöre die Legasthenie einfach zu ihr.

Mit dieser Offenheit hat sie offenbar den Nerv ihrer Community getroffen. «Ich bekomme sehr viel Insta-DMs von Gleichgesinnten», sagt sie. «Auch Leute mit Problemen anderer Art melden und bedanken sich. Das freut mich mega!»

Ihr sprachliches Handicap ist inzwischen ihr Signature Style auf Social Media. Ebenso ihre Gesichtsmaske, die auf den ersten Blick nach einem Glitzer-Filter aussieht, in Wahrheit aber eine Kaffee-Peelingmaske ist. Sie habe sie für ein Tiktok-Video mal aus Spass aufgetragen und die Leute hätten begeistert reagiert, erzählt Franny lachend. «Jetzt mache ich das immer wieder. In unserem Badezimmer zu Hause riecht es oft nach Kaffee.»

Ihre Eltern hätten sich inzwischen daran gewöhnt. Sowieso: «Sie findens cool und spannend, was ich tue», sagt sie. «Auch wenn ich sie mit meinen Sachen manchmal verwirre.»

«Shitstorm ist rasch entfacht»

Mit ihren Tiktoks und Insta-Bildern will Franny ihre Community erheitern. «Ich poste nur Positives», stellt sie klar. Aus einer Wut heraus würde sie nie etwas ins Netz stellen. «Man muss schon vorsichtig sein, ein Shitstorm ist rasch entfacht.»

Vor bösen Kommentaren schützt dieses Credo trotzdem nicht. Hater gehörten dazu, winkt Franny ab. «Mir ist egal, was die Leute über mich urteilen», sagt sie selbstbewusst. «Diese Menschen kennen mich ja nicht. Hate trifft mich erst, wenn er von Menschen kommt, die ich persönlich kenne.» Online-Hate dagegen sei sogar ein gutes Zeichen: Weil es zeige, dass man wahrgenommen werde.

Im Video stellt sich Almost.Cesca zwei Minuten lang unserer schnellen und intimen Fragerunde – hautnah in ihrem Badezimmer.

Die Bad-Vibes-Serie ist in Zusammenarbeit mit der Influencer-Marketing-Agentur Kingfluencers entstanden. In den kommenden Wochen folgen weitere Porträts.

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