Schönheitsklinik«Ich sah nach dem Eingriff völlig entstellt aus»
Ehemalige Kundinnen von Beauty2Go berichten von mangelnder Hygiene, schmerzhaften Nebenwirkungen und leeren Versprechen. Die Klinik ist geschlossen.
In der Instant-Schönheitsklinik Beauty2Go konnte man sich bis vor Kurzem im Schnellverfahren die Lippen aufspritzen lassen. Damit ist nun zumindest vorläufig Schluss: Seit die beiden Filialen in Bern und Zürich Besuch von der Polizei erhielten sind sie zu.
Nach dem Artikel von 20 Minuten meldeten sich bei der Redaktion zahlreiche ehemalige Beauty2Go-Kundinnen. Sie berichten von ungenügenden Hygienemassnahmen, schmerzhaften Behandlungsfolgen und leeren Versprechungen.
Blutergüsse to go
So etwa Melanie* (24), die sich vor rund drei Wochen einer Lippen-Unterspritzung unterzog. Eine Betäubung sei ihr verweigert worden, obschon das Unternehmen auf seiner Website eine solche «auf Wunsch des Patienten» in Aussicht stellt. «Die Angestellte machte viel zu viele Einstiche und es hörte gar nicht mehr auf zu bluten», erzählt Melanie. Nach dem Eingriff habe sie «völlig entstellt» ausgesehen.
Mit blauen Flecken und starken Schmerzen wandte sich die junge Frau an ihren Hausarzt. «Er meinte, dass solch starke Blutergüsse nach einer Lippen-Unterspritzung nicht normal seien», sagt Melanie. Weil die Lippe derart angeschwollen und die Innenseite stark entzündet war, habe er ihr das Oberlippen-Piercing entfernen müssen.
Zweiwöchiger statt dreimonatiger Effekt
Von «schrecklichen Hygienemassnahmen» spricht Leserin Hadi* (21), von Beruf Fachfrau Gesundheit. «Die Angestellte trug keine Arbeitskleidung und hatte die Haare offen», erinnert sie sich. Während des Eingriffs habe sie einen unsicheren Eindruck gemacht. «Sie wirkte auf mich, als wüsste sie nicht genau, was sie da tut», sagt Hadi.
Über das Resultat war die junge Frau entsetzt. «Ich hatte überall Hämatome und das Lippenvolumen hielt gerade mal zwei Wochen an», sagt sie. Auf seiner Website verspricht das Unternehmen einen Effekt von bis zu drei Monaten. Hadi zweifelt daher stark an der Qualität des injizierten Stoffes. «Mit dem Produkt kann etwas nicht stimmen», ist sie überzeugt. In der Kommentarspalte zum Artikel über die Schliessung kursiert das Gerücht, dass die von Beauty2Go verwendete Hyaluronsäure mit Wasser verdünnt sei.
«Dieser Raum existiert nicht»
Brisant: Vor ihrem Besuch bei Beauty2Go schrieb Hadi die wenigen Personen an, die das Unternehmen auf seiner Facebook-Seite mit Sternen bewertet hatten. Wie sich herausstellte, handle es sich bei den «Kunden» um Inhaberin A.L.* und ihre «Freundinnen», wie Hadi erzählt. Umgehend erhielt sie eine Nachricht von Beauty2Go, die 20 Minuten vorliegt. Aus Gründen der Privatsphäre bitte man sie «höflichst, das Anschreiben unserer Kunden zu unterlassen», heisst es darin.
Befremdliches erlebte auch Tatiana* (18). Während der Lippenunterspritzung vor rund einem Jahr sei plötzlich eine Mitarbeiterin mit einer Handvoll Spritzen ins Behandlungszimmer geeilt und habe sie dort versteckt. «Sie meinte, man dürfe niemandem weitersagen, dass dieser Raum existiere», erinnert sich Tatiana. Nach der Behandlung habe Tatjana die Beauty2go-Chefin mit einigen Männern am Tisch sitzen gesehen. «Ich vermute, das war die Polizei, die der Klinik schon damals einen Besuch abstattete», so Tatiana. Die hereingeplatzte Mitarbeiterin habe wohl etwas vertuschen wollen.
Offenbar kein Arzt anwesend
Geschäftsführerin A.L.* war für eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen nicht erreichbar. Jedoch äussert sich Beauty2Go auf Instagram zur Schliessung der beiden Filialen. Der aktuelle Arzt habe zwar eine offizielle Bewilligung für die Schweiz gehabt, allerdings sei «künstlich die Bewilligung für die Praxis rausgezögert» worden, schreibt die Firma.
Ob es bei Beauty2Go einen Arzt gibt, darf jedoch angezweifelt werden: Weder Melanie noch Hadi noch Tatiana haben bei Beauty2Go jemals einen Arzt zu Gesicht bekommen, wie sie gegenüber 20 Minuten versichern.
Ein solcher müsste bei der Injektion von Hyaluronsäure allerdings zwingend anwesend sein. Gemäss Schweizerischer Medizinprodukteverordnung dürfen Produkte zur Injektion, die länger als 30 Tage im Körper bleiben, «ausschliesslich durch einen Arzt» oder durch eine «ausgebildete Fachperson unter Kontrolle und Verantwortung eines Arztes» angewendet werden.
*Namen der Redaktion bekannt