In eigener Sache20-Minuten-Gruppe baut Stellen ab
20 Minuten hat die Nummer-1-Position im Nutzermarkt erfolgreich ausgebaut. Doch aufgrund der Herausforderungen des Medienwandels muss das Unternehmen in der Deutsch- und Westschweiz Stellen abbauen.

Die Redaktion von 20 Minuten in Zürich.
20min/Celia Nogler20 Minuten ist das grösste und erfolgreichste Medium der Schweiz. Trotzdem muss das Unternehmen – wie viele andere private Medien – Stellen abbauen. Zwar ist es 20 Minuten im Laufe des Jahres 2023 gelungen, zahlreiche strategische Initiativen erfolgreich umzusetzen: Dank der Konzentration auf den journalistischen Mehrwert konnte die digitale Reichweite ausgebaut und der Abstand zu den Mitbewerbern als führendes Medium vergrössert werden.
Doch die digitale Transformation bleibt anspruchsvoll: Die Mediennutzung verschiebt sich stark von Print zu Digital, die steigenden Digitalumsätze können die Einbussen bei den Printumsätzen jedoch nicht kompensieren. Zudem werden die digitalen Werbeerträge aus der Schweiz in erster Linie von den globalen Tech-Giganten aus Übersee abgeschöpft. Entsprechend hat sich der Betriebsumsatz von 20 Minuten seit 2019 um rund ein Fünftel auf 115 Millionen Franken im Jahr 2022 verringert, während die Anzahl Stellen im gleichen Zeitraum um ein Drittel gewachsen ist, von 247 auf 322 Vollzeitstellen.
Stellenabbau geplant
Mit der notwendigen Senkung der Kostenbasis passt sich 20 Minuten den Realitäten der digitalen Transformation an und stellt sich zukunftsfähig auf, um weiterhin Investitionen in die Innovation tätigen zu können. Konkret bedeutet das, dass in der Westschweizer Redaktion 20 Minutes – vorbehältlich der Ergebnisse des Konsultationsverfahrens – voraussichtlich 28 von aktuell 104 Stellen abgebaut werden. Die Redaktion umfasst ebenfalls die Redaktion von Lematin.ch und die Agentur Sport-Center. Dabei werden die Ressourcen der Redaktion von 20 Minutes jene von Mitbewerbern in der Romandie weiterhin massiv übersteigen.
Auch durch neue technologische Möglichkeiten und eine intensivierte Zusammenarbeit innerhalb der 20-Minuten-Gruppe wird das inhaltliche Angebot umfangreich bleiben. In der Deutschschweizer Redaktion 20 Minuten werden sieben von aktuell 145 Stellen abgebaut, das Arbeitspensum von drei Personen wird reduziert. Alle betroffenen Mitarbeitenden werden von einem Sozialplan unterstützt.
Gewerkschaft übt Kritik
Die Gewerkschaft Syndicom kritisiert in einer Mitteilung den geplanten Stellenabbau und fordert einen sofortigen Stopp der Entlassungspläne. «Erneut will die hochprofitable TX Group (zu der auch 20 Minuten gehört, Anm. d. Red.) seine Gewinnmarge durch Stellenabbau weiter steigern. Das ist skandalös. Die Qualität der Berichterstattung wird weiter darunter leiden.»
Reichhaltiges inhaltliches Angebot sichergestellt
Bernhard Brechbühl, CEO 20-Minuten-Gruppe: «Wir müssen unsere Kosten senken, um eine nachhaltige Basis für zukünftiges Wachstum zu legen. Ich bedaure sehr, dass sich ein Stellenabbau nicht länger vermeiden lässt. Wir werden in der ganzen Schweiz nach wie vor rund um die Uhr ein sehr reichhaltiges inhaltliches Angebot bereitstellen. Mit unseren starken Marken, unserer Reichweite, dem hervorragenden Team und unserem hohen digitalen Umsatzanteil haben wir eine sehr gute Ausgangslage, die Herausforderungen erfolgreich zu meistern.»
Désirée Pomper, Chefredaktorin 20 Minuten: «Dass uns geschätzte Kolleginnen und Kollegen aufgrund der Herausforderungen des Medienwandels verlassen müssen, tut weh. Wir werden unsere Userinnen und User als meistgelesenes Medium des Landes weiterhin täglich mit den schnellsten News aus dem In- und Ausland versorgen, sie unterhalten und inspirieren. Wir sind hoch motiviert, in Zeiten von radikaler digitaler Transformation das Geschäftsmodell von Journalismus wesentlich weiterzuentwickeln.»
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