Wladislaw KljuschinInhaftierter Russe in Sion – zwei Supermächte wollen seine Auslieferung
Seit März sitzt der russische Unternehmer Wladislaw Kljuschin in Sion in einer Einzelzelle. Sowohl die USA als auch Russland verlangen von der Schweiz seine Auslieferung. Wer ist der Mann und was wird ihm vorgeworfen?
Darum gehts
Am 21. März wurde der russische Geschäftsmann Wladislaw Kljuschin in Sion verhaftet.
Die USA stellten ein Auslieferungsgesuch, Russland bald darauf ebenfalls.
Kljuschin setzt sich juristisch zur Wehr.
Kalter Krieg im Jahr 2021 – mitten in der Schweiz. In Sion sitzt seit Monaten ein russischer Staatsbürger im Gefängnis. Gleich zwei Supermächte, die USA und Russland, verlangen seine Auslieferung. Darüber berichten die Zeitungen von Tamedia.
Der 40-jährige Wladislaw Kljuschin wurde am 21. März gleich nach seiner Ankunft im Privatjet in Sion verhaftet. Er wollte, von Moskau herkommend, mit seiner Frau und den fünf Kindern Ferien in Zermatt machen. Die USA hatten bei der Schweiz um eine Verhaftung Kljuschins erbeten: Sie bezichtigen ihn des Online-Betrugs und der Verschwörung mit dem Ziel, in fremde Computer einzudringen.
«Wichtig für die russische Regierung»
Die USA werfen Kljuschin in ihrer Anklageschrift vor, sich durch kriminelle Machenschaften Millionen von Franken mit dem Handel von Tesla- und IBM-Akten gesichert zu haben. Die USA verlangen die Auslieferung von Kljuschin; dieser setzt sich dagegen juristisch zur Wehr.
Kljuschin ist Besitzer der russischen Firma M 13, die über ein spezielles Programm namens Katjuscha Medien beobachtet und analysiert. Seine Verbindungen zum Kreml sollen hervorragend sein. Er erhielt im vergangenen Jahr Aufträge im Wert von rund 17 Millionen Franken, fast ein Viertel davon vom russischen Staat. Kljuschin selbst bezeichnet sein Unternehmen als «strategisch wichtige für die russische Regierung».
Ausliefern – nur wohin?
Das hindert Russland nicht daran, ebenfalls die Auslieferung Kljuschins zu verlangen. Auch in Russland laufe ein Strafverfahren gegen Kljuschin, argumentiert Moskau. Ob das stimmt, lässt sich nicht verifizieren. Klar ist hingegen: Kljuschin selbst präferiert eine Auslieferung nach Russland – obwohl ihm dort offenbar bis zu zehn Jahren Gefängnis drohen. Eigenen Aussagen zufolge käme er in den USA mit fünf Jahren davon.
Kljuschin stellt sich auf den Standpunkt, die USA habe ein Strafverfahren gegen ihn nur deshalb eingeleitet, weil sie sich an ihm dafür rächen wollten, weil er nicht mit westlichen Geheimdiensten kooperieren wolle. Die Schweiz hat das russische Auslieferungsgesuch bereits abgelehnt. Das Gesuch der USA ist hingegen noch hängig. Die russische Botschaft in Bern bestätigte gegenüber Tamedia, dass Kljuschin «die notwendige konsularische Unterstützung zur Wahrung seiner gesetzlichen Rechte» erhalte. Das Bundesamt für Justiz gibt dazu keine Auskunft.
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