Rechtsstreit in GrossbritannienIst Archie (12) hirntot? Mutter kämpft um lebenserhaltende Massnahmen
Der zwölfjährige Archie Battersbee aus Essex in Grossbritannien erlitt vor etwa fünf Wochen eine schwere Hirnverletzung, seither liegt er im Koma. Die behandelnden Ärzte wollen die künstliche Beatmung einstellen, die Mutter wehrt sich mit Händen und Füssen.
Darum gehts
Hollie Dance aus Southend in der Grafschaft Essex fleht die Ärzte an, ihren zwölfjährigen Sohn Archie am Leben zu erhalten. Der Bub war am 9. April zu Hause bewusstlos mit einem Band um den Hals aufgefunden worden. Seither liegt der Bub im Royal London Hospital im Koma. Die behandelnden Ärzte gehen davon aus, dass Archie Battersbee hirntot ist, sie wollen die künstliche Beatmung einstellen. Die Mutter hat die Hoffnung jedoch nicht aufgegeben und fordert mehr Zeit.
Wie es zu Archies Unfall kam, ist unklar. Seine Mutter vermutet, dass ihr Sohn sich auf eine Mutprobe aus dem Internet eingelassen hat. Und sie glaubt auch fest daran, dass Archie eines Tages aufwachen wird. Hollie Dance und Archies Vater, von dem sie getrennt lebt, zweifeln die Einschätzung der Ärzte im Spital an. Beide fordern, dass Archie weiter beatmet und künstlich ernährt wird. Mediziner hingegen sehen keine Verbesserungschancen beim schwerkranken Kind.
Richter ordnet weitere Untersuchung vom Hirn an
Der Fall wird nun vor einem Gericht in London verhandelt. Die Position der Mutter ist greifbar: «Es ist nur fünf Wochen her, ich habe länger gebraucht, um mich von einer Erkältung zu erholen», meinte Hollie Dance am Freitag, als sie erfuhr, dass ein Richter eine Untersuchung von Archies Hirnstamm für die darauffolgende Woche angeordnet hat. Damit soll festgestellt werden, ob das Kind als hirntot einzustufen ist, wie BBC berichtet.
Im Netz kämpft die Mutter um Unterstützung. Ihr Sohn brauche mehr Zeit, um sich von der Verletzung zu erholen und aus dem Koma zu erwachen. Sie würde lieber ein Prozent von ihrem Sohn haben als gar nichts, heisst es im Text, der eine Petition begleitet.
Eltern gegen Ärzte
Rechtliche Auseinandersetzungen um schwerkranke Kinder zwischen Eltern und Ärzten sind in Grossbritannien nicht rar. 2018 hatten die Eltern des 23 Monate alten Alfie aus Liverpool darum gekämpft, ihr Kind zur Behandlung ins Ausland bringen zu können. Sogar der Papst und die italienische Regierung mischten sich damals in die Angelegenheit ein und boten an, den Jungen ins vatikanische Kinderspital Bambino Gesù zu fliegen. Dennoch mussten die Beatmungsgeräte auf Anordnung britischer Richter abgeschaltet werden.
Die Familien schwerkranker Kinder werfen dem finanziell stark unter Druck stehenden britischen Gesundheitsdienst vor, lebenserhaltende Massnahmen aus Kostengründen sehr früh einzustellen.
Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein schwer krankes Kind?
Hier findest du Hilfe:
Pro Pallium, Begleitung von Familien mit schwerstkranken Kindern und jungen Erwachsenen
Intensiv-Kids, Elternvereinigung
Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143