Luzern13'000 Tonnen Fels am Gütsch instabil: «Absturz jederzeit möglich»
Felssturzgefahr im Gebiet Gütsch: Die Stadt Luzern orientiert über Sofortmassnahmen und das Sanierungskonzept.
Das Wichtigste in Kürze:
Am Gütsch besteht derzeit akute Gefahr eines Felssturzes.
Weil Teile des Hangs in der Stadt Luzern abzubrechen drohen, müssen Sofortmassnahmen eingeleitet werden.
12'000 bis 13'000 Tonnen Fels seien instabil, so die Verantwortlichen.
Vier Häuser befinden sich in der unmittelbaren Gefahrenzone.

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Das Wichtigste zur Lage am Gütsch
Wegen eines drohenden Felssturzes hat Luzern am Gütsch, einem Hang an der Reuss, sofortige Sicherheitsmassnahmen eingeleitet. 13'000 Tonnen Gestein und Erde sind am Hang instabil. «Kein Mensch weiss, wann es zum Absturz kommt», so der Geologe Dr. Beat Keller an der Pressekonferenz.
Hier ist es gefährlich
Weil 5'500 Kubikmeter Fels abzustürzen drohen, haben die Behörden eine Gefahrenzone definiert, in der vier Wohnhäuser, ein Parkplatz, ein Fussweg und ein SBB-Tunnel liegen. Die Bewohner der Häuser dürfen sich weiterhin in den nicht gefährdeten Teilen der Bauten aufhalten.
Wann der betroffene Abschnitt abstürzen werde, sei fast unmöglich einzuschätzen: «Wir gehen vom Schlimmsten aus und rechnen mit diesem Szenario», so Keller. Falls die Warnstufe erhöht werden sollte, müssten alle betroffenen Bewohner ihre Häuser verlassen und sich zum Sammelpunkt begeben.

In der roten Zone ist die Felssturzgefahr akut.
Stadt LuzernSo wurde die Gefahr entdeckt
Im Zuge von Bauarbeiten wurde Mitte August eine mit Lehm gefüllte Spalte im Sandstein entdeckt. Nachdem Geologen die Situation als kritisch eingeschätzt hatten, wurden die Bauarbeiten gestoppt und die entsprechende Gefahrenzone definiert.
Diese Massnahmen wurden ergriffen
Während die Bewohner der betroffenen Häuser nur Teile ihrer Bauten meiden müssen, bleibt der Gütschweg bis auf Weiteres komplett gesperrt. Der Zugverkehr läuft weiter, jedoch wurde am Tunnelportal ein Überwachungssystem installiert, das vor allfälligen Felsstürzen warnen soll.
So geht es weiter
Als temporäre Sofortmassnahme wurden Stahlpalisaden eingesetzt, schon seit Mitte August 2024 wird der Felshang überwacht. Ab Ende September 2024 sollen umfangreiche Sicherungsmassnahmen anlaufen, die bis Jahresende abgeschlossen sein sollen. Dabei wird die Felspartie mit Betonriegeln und Spritzbetonwänden gesichert, entlang des Gütschweges sollen neue Schutznetze aufgestellt werden.
Die Stadt Luzern ist exponiert
Die Gefahren am Gütsch sind bekannt. Eine Gefahrenkarte wurde erstellt. Nach dem Ereignis von 2008 wurde eine grosse Murgangschutzanlage eingerichtet. Sagenmatt wurde für viel Geld gesichert.
«Die aktuelle Gefahrenposition ist komplett neu», sagt der Geologe.
Dieser Hang ist in Bewegung
Die Gefahr betrifft den Bereich der östlichen Felsböschung, wo ein grosses, zerklüftetes Felspaket von rund 5'500 Kubikmeter abzubrechen droht. Schlimmstenfalls könnten 13'000 Tonnen Stein und Erde auf die Häuser unterhalb des Hanges niedergehen.


Dieses Gebiet ist gefährdet.
20minKeine Verbindung zu 2016
Der Felssturz von 2016 hängt nicht mit der aktuellen Situation zusammen.
Entdeckung Mitte August
Mitte August wurde die Gefahr entdeckt und seither mussten die Geologen den Felsen kennenlernen. Die enormen Konsequenzen müssen berechtigt sein und deshalb mussten die Erkenntnisse gewonnen werden.
Anwohner informieren
«Zehn bis 15 Anwohner wurden gestern informiert. Nun gilt es die restlichen zu informieren und dies wird mit Informationen am Hauseingang versucht», führt Beda Müller aus.
«Wir versuchen alles, um an die Anwohner zu kommen», sagt Daniel Meier.
Die Notschlafstelle wurde informiert und in den Prozess miteinbezogen.
Bahnbetrieb wird möglicherweise eingeschränkt
«Falls es zu einem Felssturz kommt, ist die Hauptzufahrt zugeschüttet», sagt Degiacomi. «Der Zugbetrieb wird vorerst aufrechterhalten, die Sicherheit der Personen steht aber im Vordergrund», sagt Marc Hauser von SBB Infrastruktur.
«Die SBB hat ein zusätzliches Alarmsystem eingerichtet und ist bereit den Bahnbetrieb zu unterbrechen», führt Hauser weiter aus.
Diese Häuser und Bauten befinden sich in der Gefahrenzone
Nebst den vier Wohnhäusern, die in der Gefahrenzone unter dem Gütsch liegen, könnten der Fels auch dem Portal des Gütschtunnels, dem Gütschweg und Parkplätzen in dem Gebiet gefährlich werden.

Beim Tunnelportal wurde wegen der Felssturzgefahr ein Alarmierungssystem installiert.
Screenshot/Google MapsParkplatz und Gütschweg sind bereits gesperrt, zur Gewährleistung des Bahnverkehrs ist am Tunnelportal ein Alarmierungssystem installiert worden.

Laut den Behörden sind nur die gelb markierten Teile der Häuser an der Gibraltarstrasse gefährdet.
Wurde die Kluft durch die Arbeiten ausgelöst?
«Mit den Bauarbeiten hat die Situation nichts zu tun», führt Keller aus. Die Gefahr sei aber im Zuge der Bauarbeiten entdeckt worden.
Anwohner informiert
Gestern wurden die Anwohner informiert. Die Stadt wollte ihnen erklären, was alles möglich wäre, führt Keller aus.
«Wir können den Felssturz nicht aufhalten, deshalb müssen wir den Fels sichern», so der Geologe.
Ab 13 Uhr werden die Stahlpalisaden eingeflogen.
Bekanntes Felssturz Gebiet
«1908 kam es bereits zu einem Steinsturz mit vier Toten und die Historie muss beachtet werden. Seither gab es viele Ereignisse an der besagten Stelle», führt Beat Keller aus.
Kind der Eiszeit
«Die Kluft ist ein Kind der Eiszeit», sagt Müller. Auf der Seite hält es aktuell, doch niemand weiss, wo und wann es nicht mehr halten wird.
«Wir gehen vom Schlimmsten aus und rechnen mit diesem Szenario», teilt der Geologe mit.
Felssturz Prognose
«Felsen können nach dem Aufprall noch sechs bis sieben Meter hoch springen», sagt Beat Müller. Deshalb sollen die bergseitigen Räume der sich in der Gefahrenzone befindlichen Häusern nicht genutzt werden.
Der Fels muss gesichert werden
Nun steht die Finalisierung der Planung für die Felssicherung statt. Danach soll dies umgesetzt und per Ende 2024 abgeschlossen werden. Beda Müller rechnet mit den Abschlussarbeiten zum Jahresbeginn 2025.
Sofortmassnahme und Information für die Bewohner
Stahlpalisaden sollen helfen, die Energie aus dem Felsen zu nehmen, erklärt Daniel Meier, Leiter Tiefbauamt.
In den bergseitigen Räumen der betroffenen Häuser dürfen sich die Bewohner nicht mehr aufhalten. «Die Häuser sind jedoch nicht komplett gesperrt», sagt Meier.
Die ersten Anwohner wurden bereits am Donnerstagabend informiert, die Kontaktaufnahme mit weiteren Bewohnern dauert aber laut den Behörden derzeit noch an.

Massnahmen
Die Bauarbeiten wurden sofort eingestellt und eine automatische Überwachung wurde eingerichtet. Sie sei sicht- und hörbar, sagt Beda Müller, Bereichsleiter Siedlungsentwässerung und Naturgefahren der Stadt Luzern.
Drei Warnstufen wurden eingerichtet. Bei der Warnstufe rot müssen alle betroffenen Häuser und alle Wege verlassen werden. Die Besucher sollen sofort zum Besammlungspunkt, erklärt Müller.
Die Blaulichtorganisationen werden hinzugezogen.
Absturz jederzeit möglich
Der Fels sei sehr instabil und der Absturz sei jederzeit möglich. «Kein Mensch weiss, wann es zum Absturz kommt», sagt Keller.

Ein Fussweg an der Gibraltarstrasse, der den Gütsch hinaufführt, wurde mittlerweile bereits abgesperrt.
Screenshot/Google MapsBeim Anbauprojekt des Schlösschen wurde die Gefahr entdeckt.
«Die Baustelle beim Schlösschen wird von Geologen eng begleitet und eine Kluft aus Lehm wurde entdeckt», sagt der Geologe Dr. Beat Keller. Die Bauarbeiten seien sofort eingestellt worden.
12'000 bis 13'000 Tonnen Fels seien instabil, führt Keller aus.
Die Medienkonferenz beginnt
Romeo Degiacomi, Projektleiter Kommunikation, eröffnet die Medienkonferenz.
5500 Kubikmeter Felspaket entdeckt
Die Verantwortlichen teilen mit, dass nach Einschätzungen von Fachpersonen die Möglichkeit bestehe, dass der Fels ohne grosse Vorwarnung abstürzen kann. Vier Häuser befinden sich am Rande des Gefahrengebiets.
Medienkonferenz um 10 Uhr
Ab zehn Uhr informiert die Stadt Luzern über eine Felssturzgefahr im Gebiet Gütsch. An der Orientierung werde aufgezeigt, welche Sofortmassnahmen ergriffen wurden und wie das Sanierungskonzept aussieht.
An der Medienkonferenz nehmen teil:
- Daniel Meier, Leiter Tiefbauamt, Stadt Luzern
- Beda Müller, Bereichsleiter Siedlungsentwässerung und Naturgefahren, Stadt Luzern
- Simon Wicki, Projektleiter Siedlungsentwässerung und Naturgefahren, Stadt Luzern
- Dr. Beat Keller, Geologe SIA, Keller + Lorenz AG