Neue TechnologieJetzt müssen Sie Billette nicht mehr selbst lösen
Seit dieser Woche brauchen Nutzer einer SBB-App kein Ticket mehr. Stattdessen können sie ihre Fahrten automatisch abrechnen lassen.
Die SBB lanciert das automatische Ticketing. Seit gestern können erste Kunden in der «SBB Preview»-App auf die Funktion EasyRide zugreifen. Diese rechnet Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr automatisch zum besten Preis ab. Reisende müssen auf ihrem Handy lediglich vor der Abfahrt ein- und am Ende der Reise wieder auschecken. Unterwegs können sie beliebig oft umsteigen oder das Verkehrsmittel wechseln. Die Technologie ist bereits bei Anbietern wie Lezzgo oder Fairtiq im Einsatz. Auch der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) bietet das automatische Ticket in seiner App bereits an.
Mit der SBB folgt nun der grösste Anbieter im öffentlichen Verkehr. Die Kosten der Fahrten werden nachträglich belastet, die Verrechnung erfolgt über das hinterlegte Zahlungsmittel, wobei Kreditkarten und Postfinance-Karten akzeptiert werden. Um die Funktion nutzen zu können, müssen Anwender zudem über ein gültiges Swisspass-Login verfügen.
250'000 aktive Nutzer
Vorerst wird die Funktion in die Preview-App integriert, die laut SBB-Sprecher Christian Ginsig zurzeit 250'000 aktive Nutzer zählt. Es handle sich um einen Markttest, der bis mindestens nächsten Sommer laufe. Wann die Funktion auch in die normale SBB-App integriert wird, ist noch offen. Die Technologie stammt vom Anbieter Fairtiq, die SBB ist laut Ginsig aber auch in den Test des Konkurrenten Lezzgo eingebunden. Auf welchen Anbieter die SBB schlussendlich setzt, will die Bahn nicht vor nächstem Jahr entscheiden.
Die EasyRide-Funktion werde schrittweise freigeschaltet. «In den nächsten Tagen werden alle Kunden die neue Funktion in der Preview-App nutzen können», sagt Ginsig. Da es sich um einen Markttest handle, seien in einer ersten Phase noch nicht alle Angebote buchbar – etwa Klassenwechsel oder Sparbillette.
Der ZVV ist «sehr zufrieden»
Die App erfasst während der Fahrt Standortdaten. Wie die SBB schreibt, nutzt sie Daten ausschliesslich, «um Kunden einen Mehrwert zu bieten». Die Kunden könnten die Bearbeitung ihrer nicht anonymisierten persönlichen Daten zu Marketingzwecken jederzeit einschränken oder ausschliessen.
Beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ist die Funktion des automatischen Tickets beliebt. Seit dem Start der Funktion im Rahmen eines Markttests vor knapp 6 Monaten wurden bereits über 140'000 Reisen registriert, sagt ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger. Damit sei ein Umsatz von über einer halben Million Franken generiert worden. «Das Check-in-Ticket hat das Potential, sich zu einem etablierten Ticketing-System zu entwickeln», sagt Kellenberger. Der ZVV sei «sehr zufrieden» mit dem bisherigen Verlauf des Markttests und der «regen Nutzung». Entscheide über eine definitive Einführung fällt aber auch der ZVV erst Ende 2019.