John Grisham hilft Guantánamo-Häftling

Aktualisiert

Starautor klagt anJohn Grisham hilft Guantánamo-Häftling

John Grisham hat Bestseller wie «Die Firma» geschrieben. Als der Starautor hört, dass auf Guantánamo die Lektüre seiner Bücher verboten ist, tut er, was er am besten kann.

gux
von
gux

John Grisham ist ehemaliger Anwalt und Starautor. Weltweit lesen Millionen seine Justizthriller, allesamt Bestseller. Jetzt hat der 58-Jährige einen Gastbeitrag in der «New York Times» geschrieben - weil er herausfand, dass die Lektüre seiner Bücher für die Gefangenen auf Guantánamo verboten sind.

«Vor zwei Monaten hörte ich, dass meine Bücher auf Guantánamo verboten sind. Offenbar verlangen Gefangene danach, und ihre Anwälte besorgen sie auch, doch die Bücher sind wegen ihres ‹unzulässigen Inhalts› aus Guantánamo verbannt», schreibt Grisham.

Nabil Hadjarab

Grishams Neugierde war geweckt. Er fand heraus, welcher Guantánamo-Häftling seine Bücher lesen wollte. «Der Mann heisst Nabil Hadjarab, ein 34-jähriger Algerier, der in Frankreich aufgewachsen ist», so Grisham. Engagiert erzählt der US-Starautor die Geschichte des ursprünglich aus Lyon stammenden Mannes, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 offenbar zu Unrecht in Afghanistan verhaftet, eingesperrt und gefoltert wurde.

«Aus Gründen, die mit Terrorismus, Krieg oder Kriminalität nichts zu tun hatten, lebte Nabil ein friedliches Leben in einem algerischen Gasthaus in Kabul, Afghanistan», schreibt Grisham weiter. Als die USA nach dem 11. September einmarschierten, floh Nabil nach Pakistan. Auf dem Weg dorthin geriet er in einen Bombenhagel, wurde verletzt und wachte in einem Spital auf. Pakistanische Kopfgeldjäger verkauften den verdächtigen Ausländer an die US-Armee – für 5000 Dollar. Den Unschuldsbeteuerungen des jungen Mannes glaubte niemand.

«Er weiss nichts und kann auch nichts verraten»

«Seither war Nabil den Horrorszenarien aus dem Guantánamo-Handbuch ausgesetzt: Schlafentzug, Extremtemperaturen und Sonnenlichtentzug, Isolationshaft, beschränkte medizinische Versorgung.» Einzig mit Waterboarding sei er in all den elf Jahren nie gefoltert worden. «Offenbar weiss er nichts und kann auch nichts verraten», ist der Autor überzeugt.

Für Grisham, dessen letztes Buch von einem unschuldig zu Tode Verurteilten handelt, ist klar: Nabil, der wie viele andere Guantánamo-Gefangene in den Hungerstreik getreten ist und seither zwangsernährt wird, wird demnächst freikommen, weil er eigentlich nie nach Guantánamo gehörte. Nabil werde dann nach Algerien zurückgebracht, obgleich er in Frankreich aufgewachsen ist und erst spät Arabisch lernte. «Sein Albtraum nach elf Jahren Gefangenschaft wird weitergehen. Er wird obdachlos sein. Ohne jegliche Unterstützung wird er versuchen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die Leute werden ihm, dem Guantánamo-Häftling, ablehnend gegenüberstehen. Die US-Regierung wird ihn einfach auf den Strassen von Algier aussetzen und ihre Hände in Unschuld waschen. Was soll sie tun? Oder was sollen wir tun?».

Grishams Anklage

Grisham wäre kein Bestseller-Autor, wenn er auf diese Fragen keine Antworten hätte, die das Unrecht auf Guantánamo unterstreichen. «Erstens: Gebt den Fehler zu und entschuldigt euch. Zweitens: Zahlt eine Entschädigung. Die Steuerzahler der USA haben während elf Jahren jährlich zwei Millionen Dollar gezahlt, damit Nabil in Gitmo bleibt; gebt dem Mann ein paar tausend Dollar, um ihm auf die Füsse zu helfen. Drittens: Übt Druck auf Frankreich aus, damit Nabil in sein Heimatland zurückkehren kann.»

Es sind engagierte Forderungen an die US-Regierung, von denen Grisham weiss, dass sie nie umgesetzt, aber aufgrund seines prominenten Namens zumindest gehört werden. Er schliesst mit den Worten: «Das klingt alles sehr einfach, aber wird dennoch nie geschehen.»

Den ganzen Gastbeitrag von John Grisham in der «New York Times» lesen Sie hier.

Der Fall des in Guantánamo inhaftierten Nabil Hadjarab wirft auch in Frankreich Wellen. In einer Onlinepetition von «Change.org» fordern fast 18'000 Menschen seine Freilassung. Der 34-Jährige ist seit 2002 ohne Anklage inhaftiert. 2007 haben die Behörden ihn auf die Liste der Freizulassenden gesetzt, geschehen ist dennoch nichts. Der Onkel von Nabil Hadjarab schreibt hier etwa: «Ich bin ein französischer Staatsbürger. Mehrere Mitglieder unserer Familie haben für die französische Armee gedient, und alle näheren verwandten von Nabil leben in Frankreich. Wir rufen deswegen die französische Regierung auf, meinem Neffen Nabil zu helfen, damit er freigelassen wird und in das Land zurückkehren kann, das er liebt und in dem er aufgewachsen ist: Frankreich.»

Deine Meinung zählt