FrauenverachtendJuso fordern Netflix auf, «365 Days» zu löschen
Die Juso wollen den Netflix-Hit «365 Days» vom Bildschirm verbannen. Er verherrliche sexuelle Gewalt gegen Frauen und werde von Minderjährigen geschaut.
Im Video oben gibts den englischen Trailer von «365 Days» zu sehen.
Youtube/EnsWorldDarum gehts
- Der Erotik-Thriller «365 Days» geht auf Netflix durch die Decke.
- Auch Tiktoker feiern den erotischen Streifen mit vielen expliziten Darstellungen.
- Nach internationaler Kritik fordert auch die Juso Netflix zum Rückzug des Filmes auf, da er Gewalt gegen Frauen verharmlose.
- Ein Experte hält dagegen: Die Empörung sei übertrieben.
Seit einigen Tagen trendet der Erotik-Thriller «365 Days» weltweit auf Netflix. Der Streifen erzählt, wie der sizilianische Mafioso Massimo die polnische Touristin Laura entführen lässt. Er hält sie so lange gefangen, bis sie sich ihm unterwirft. Immer wieder werden explizite Sexszenen gezeigt – manche sexuellen Handlungen passieren offenbar gegen den Willen der entführten Laura.
Während Tiktoker und Instagrammer «365 Days» abfeiern und sich auch in der Schweiz junge Frauen gerne von Massimo entführen lassen würden (siehe Video), hat der Film eine weltweite Welle der Empörung ausgelöst. Auch Juso-Präsidentin Ronja Jansen schaltet sich nun in die Kontroverse ein. «Der Erfolg des Filmes ist mir unerklärlich. Dieser verharmlost sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Er ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die das erlebt haben.» Es würden «sexistische Stereotype reproduziert, Stalking und sexuelle Übegriffe romantisiert».
Juso verlangen, dass Netflix den Film zurückzieht
Trotz der Altersbeschränkung würden viele Minderjährige den Film konsumieren. «Das ist besonders problematisch, weil sie weniger eigene sexuelle Erfahrungen haben und so ein völlig falsches Verständnis von Sexualität vermittelt bekommen: dass es okay ist, wenn der Mann die Frau unterdrückt.» Jansen fordert den Streamingdienst zum Handeln auf: «Netflix muss den frauenverachtenden Film löschen.»
Jugendpsychologe siehts locker
Philipp Ramming, Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie, hält diesen Aufschrei für völlig übertrieben: «Wenn die Jugendlichen sagen, für sie sei es halt bloss ein Film und sie hätten keine Probleme damit, dann meinen sie es genauso, und wir dürfen ihnen das glauben.» Jugendliche hätten einen viel weniger komplizierten Umgang mit dem Thema Sexualität. «Die Erwachsenen sind es, die verklemmt sind und überall sofort eine Gefahr für unsere Kinder sehen.»
Die Aussagen junger Frauen, dass sie kein Problem damit hätten, wenn ihnen das Gleiche passieren würde, wie der Protagonistin im Film, ist für ihn unproblematisch. Es gehöre dazu, dass Kinder sich abgrenzen und provozieren wollten.
Ramming betont: «Der Machtmissbrauch, welcher in Büchern oder Filmen wie diesem zum Ausdruck kommt, ist ein ernst zu nehmendes Thema. Doch wir können nicht die Augen davor verschliessen, dass es pornografische oder sadistische Inhalte gibt und dass auch Jugendliche einen Zugang dazu haben.» Wichtig sei, den jungen Menschen die Werkzeuge in die Hand zu geben, um solche Inhalte richtig einzuordnen: «Die Frage ist: Können sie damit umgehen?» Die Aufgabe der Gesellschaft sei es, Kinder dahingehend zu schulen, dass sie über solche Dinge sprechen können, sich austauschen, einordnen können, was ihnen guttut und was nicht. «Gelingt das, schaden solche Filme nicht im Geringsten.»
Der Erotik-Thriller wird auf Tiktok zurzeit gehypt: Der Hashtag #365Days generierte in den vergangenen Wochen auf der Plattform über 930,7 Millionen Views. Zahlreiche User stellen Videos von sich rein, wie sie den Film auf meist humorvolle Weise thematisieren.
Breite Kritik
Feministinnen kritisieren den Film
Vor ein paar Tagen hatte bereits die britische Organisation Pro Empower in einem mehrseitigen Brief einen Rückzug des Films von der Plattform gewünscht. Die feministische Gruppierung kritisierte, der Film stelle all das als normal dar, wogegen Feministinnen kämpften. Pro Empower führt im Brief zahlreiche aus ihrer Sicht fragwürdige Szenen an. Beispielsweise sei schon zu Beginn des Filmes unklar, ob der Oralsex, den Muskelprotz Massimo mit einer Flight Attendant hat, einvernehmlich sei.