LangzeitfolgenKaiserschnitt lässt Risiko einer Fehlgeburt steigen
In der Schweiz kommt rund jedes dritte Baby auf nicht natürlichem Weg auf die Welt. Was das langfristig für Mutter und Kind bedeutet, zeigt eine neue Studie.
Die Zahl der Kaiserschnitte nimmt seit einigen Jahren weltweit zu (siehe Box). Das hat Vor- und Nachteile. So schützt ein Kaiserschnitt die Mutter zwar langfristig vor Inkontinenz und Problemen mit dem Beckenboden. Allerdings erhöht sich in weiteren Schwangerschaften das Risiko einer Fehl- oder Totgeburt sowie von Komplikationen rund um die Plazenta.
Dies berichten Forscher um Oonagh Keag von der Royal Infirmary of Edinburgh nach einer umfassenden Auswertung von Studien zu den physischen Langzeitfolgen von Kaiserschnitten im Vergleich zu vaginalen Geburten.
Die Erkenntnisse sollen begründete Entscheidungen über die Art der Entbindung ermöglichen und eine angemessene, individuelle Planung der Geburt erleichtern, heisst es im Fachblatt «Plos Medicine».
Langzeitfolgen diskutieren
Ärzte entscheiden sich oftmals für einen Kaiserschnitt, wenn Komplikationen bei der Geburt auftreten. Aber nicht jeder durchgeführte ist medizinisch notwendig.
Viele werden auf Wunsch der Mutter durchgeführt, weil diese zum Beispiel Angst vor der Geburt und deren Folgen oder vor Komplikationen beim Baby hat. Manche Ärzte sind auch aufgrund der besseren Planbarkeit für einen Kaiserschnitt offen.
Die unmittelbaren Risiken eines Kaiserschnitts wie Infektionen oder eine Thrombose seien zumindest in der westlichen Welt minimal, die Frauen seien darüber zumeist informiert, schreiben die Wissenschaftler. Anders sehe es mit den Langzeitfolgen aus. Diese würden mit den Frauen zumeist weniger häufig diskutiert, es gebe auch nur wenige aussagekräftige Studien zu dem Thema.
Fast 30 Millionen Frauen
Die Forscher durchsuchten nun die vorhandene wissenschaftliche Literatur und fassten die einzelnen Ergebnisse zusammen. Insgesamt werteten sie Daten von fast 30 Millionen Frauen aus.
Für die Mütter ging ein Kaiserschnitt demnach auf lange Sicht mit einem geringeren Risiko einer Harninkontinenz und eines Beckenvorfalls einher, also dem Absenken verschiedener Bauchorgane durch die Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur nach der Geburt.
In nachfolgenden Schwangerschaften müssten Frauen nach einem Kaiserschnitt allerdings mit einem leicht erhöhten Risiko einer Fehl- oder Totgeburt rechnen. Ausserdem steige die Gefahr von Problemen rund um die Plazenta, darunter eine Fehllage der Plazenta, Haftungsstörungen oder die vorzeitige Ablösung, berichten die Forschenden weiter.
Höheres Asthmarisiko beim Baby
Sie untersuchten für ihre Studie auch die Langzeitfolgen für die per Kaiserschnitt geborenen Babys: Diese hatten bis zum Alter von zwölf Jahren ein erhöhtes Risiko für Asthma und bis zum Alter von fünf Jahren ein erhöhtes Risiko, starkes Übergewicht zu entwickeln.
Bei der Entscheidung über die Geburtsmethode sollten die Vor- und Nachteile gründlich abgewogen werden, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Daten könnten dabei hilfreich sein.
Allerdings beruhten die Ergebnisse grösstenteils auf Beobachtungsstudien. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und den festgestellten Langzeitfolgen sei damit nicht gesichert, schränken sie ein. Weitere Untersuchungen seien nötig, um die Ergebnisse abzusichern. (sda)
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Globale Zunahme
Weltweit nimmt die Zahl der Kaiserschnitte zu. In Westeuropa betrug die Kaiserschnitt-Rate im Jahr 2016 24,5 Prozent. In Nord- und Südamerika habe sie mit 32, beziehungsweise 41 Prozent noch deutlich darüber gelegen. In der Schweiz kam nach Zahlen des Bundesamts für Statistik 2016 etwa jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt (33,2 Prozent). (sda)