Coronavirus im SüdkantonKanton Tessin ruft den Notstand aus
Im Tessin bleiben Kinos, Skigebiete und Nachtclubs geschlossen. Der Kanton hat den Notstand ausgerufen. Obligatorische Schulen bleiben weiter geöffnet.
Im Tessin wurden am Mittwoch neun kleineren Grenzübergänge mit bereits installierten Barrieren geschlossen. (Video: SDA)
Die Tessiner Regierung ruft bis zum 29. März den Notstand aus. Das öffentliche Leben wird dadurch massiv eingeschränkt. Nicht-obligatorische Schulen, Kinos, Sportzentren oder Nachtclubs bleiben geschlossen.
Ab Mitternacht würden sämtliche Kinos, Theater, Schwimmbäder, Diskotheken, Sportzentren und ähnliches geschlossen, kündigte die Tessiner Regierung am Mittwochabend vor den Medien in Bellinzona an. Die Massnahme gelte vorerst bis zum 29. März. Erlaubt seien noch individuelle sportliche Tätigkeiten, bei welchen die vorgeschriebene Distanz eingehalten werden könne.
Anlässe mit mehr als 50 Personen verboten
Insgesamt setzt die Tessiner Regierung zwölf Massnahmen um: Unter anderem dürften über 65-jährige Personen keine Kinder mehr hüten, weder an öffentlichen noch privaten Festen teilnehmen und keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen. Und sie müssten dringend die empfohlenen Hygienemassnahmen befolgen.
Restaurants dürften nur noch geöffnet bleiben, falls sie weniger als 50 Plätze beherbergen und ihren Gästen die vorgeschriebene Distanz im Stehen wie auch im Sitzen ermöglichen. Generell seien Anlässe mit mehr als 50 Personen verboten.
«Einschneidende Massnahmen»
Die neuen Massnahmen seien wichtig, unterstrich Regierungspräsident Christian Vitta. Die Tessiner Regierung erschien an der Medienkonferenz in corpore. Damit wolle sie Präsenz markieren und der Verunsicherung in der Bevölkerung Rechnung tragen. Die Stimmung an der Pressekonferenz war angespannt. Im Saal war es mucksmäuschenstill.
Die Regierung sei sich bewusst, dass die am Mittwoch kommunizierten Massnahmen einschneidend seien und das Alltagsleben der Menschen einschränkten. Dies sei nötig, um die Risikopersonen zu schützen.
Aus Bern war Daniel Koch, Leiter Übertragbare Krankheiten des Bundesamtes für Gesundheit, angereist. Koch sei hier, um die Regierung zu unterstützen, wie Bildungsdirektor Manuele Bertoli erklärte.
Der Chefbeamte rief zu Solidarität auf. Es brauche die Hilfe aller, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, sagte Koch. Aus diesem Grund wolle man auch die obligatorischen Schulen nicht schliessen. Denn dann müssten Kinder von Grosseltern betreut werden.
Generationenübergreifende Kontakte gering halten
Auch Manuele Bertoli unterstrich, dass mit der Weiterführung des obligatorischen Schulunterrichts die generationenübergreifenden Kontakte eingeschränkt werden könnten. Das sei wichtig, um die ältere Bevölkerung zu schützen. «Wenn wir uns entscheiden, die obligatorischen zu Schulen zu schliessen, sind wir verantwortlich für die generationenübergreifenden Kontakte, die das verursacht.»
Die Regierung war in den letzten Tagen und Wochen von verschiedenster Seite dafür kritisiert worden, dass sie den Schulunterricht weiter laufen liess. «Machen wir nicht diesen Fehler», sagte Bertoli. «Bewahren wir Ruhe und lassen wir unsere Kinder in die Schule gehen.» Damit blieben die Kontakte zwischen den Generationen minimal.