Engpass beim Personal: Flüchtlingswelle bringt Kinderspitäler in Zürich und Basel an den Anschlag

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Engpass beim PersonalFlüchtlingswelle bringt Kinderspitäler in Zürich und Basel an den Anschlag

Der Zuwachs an Patientinnen und Patienten aufgrund der Flüchtlingswelle aus der Ukraine bringt Kinderspitäler an den Anschlag. In Zürich und Basel herrscht Notstand.

Der Zuwachs an Patientinnen und Patienten aufgrund der Flüchtlingswelle aus der Ukraine bringt Kinderspitäler an den Anschlag.
Das Universitäts-Kinderspital Zürich ist auf der Suche nach zusätzlichem Pflegepersonal mit pädiatrisch-pflegerischer Ausbildung und Erfahrung.
Einen Zuwachs von ukrainischen Flüchtlingskindern verzeichnet auch das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB).
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Der Zuwachs an Patientinnen und Patienten aufgrund der Flüchtlingswelle aus der Ukraine bringt Kinderspitäler an den Anschlag.

Symbolbild/Getty Images

Darum gehts

Über 40’000 Personen sind aufgrund des Kriegs in der Ukraine in die Schweiz geflüchtet – davon laut Angaben des Staatssekretariats für Migration (SEM) über 10’000 Kinder und Jugendliche. Das sind nur diejenigen Personen, die den Schutz-Status S bekommen haben.

Diese neue Situation führt zu Engpässen – auch in Kinderspitälern. «Wir suchen deshalb dringend diplomierte Pflegefachpersonen mit Ausbildung und Erfahrung im Kinder-Pflegebereich, welche uns bei der Betreuung und Pflege ukrainischer Kinder und Jugendlicher unterstützen», steht auf der Internetseite in einem Aufruf des Universitäts-Kinderspitals Zürich. Zwar sei die Personallage bereits vor dem Krieg in der Ukraine angespannt gewesen, aber die ukrainische Flüchtlingswelle trage zum Engpass bei.

Bislang habe das Kinderspital in Zürich mehr als 130 ukrainische Kinder und Jugendliche betreut. «Kommen mehr Flüchtlingskinder in die Schweiz, steigt auch die dafür nötige Betreuung», sagt Miriam Knecht, Medienverantwortliche des Kinderspitals Zürich. Man sei dran, dieses Problem anzugehen.

Planbare Eingriffe leicht reduziert

Einen Zuwachs von ukrainischen Flüchtlingskindern verzeichnet auch das Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB). Vor allem im Bereich der Krebserkrankungen sei ein solcher feststellbar. «Der Zuwachs in der Onkologie hat dazu geführt, dass derzeit Pflegefachpersonen von anderen Stationen dort aushelfen müssen», schreibt die für die Spitäler zuständige Medienstelle. In der Folge habe das UKBB nicht dringende und planbare Eingriffe verschieben müssen. «Wir wollen das Pflegefachpersonal mit diesen Eingriffen nicht zusätzlich belasten», sagt Martin Bruni, Kommunikationsbeauftragter, Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB).

Dass das Pflegepersonal der Spitäler durch die Flüchtlingskinder aus der Ukraine erneut vor eine Herausforderung gestellt wird, sagt auch Grünen-Nationalrätin und Präsidentin vom Verband Personal öffentlicher Dienste (VPOD) Katharina Prelicz-Huber. «Kaum haben wir den Peak der Pandemie überstanden, kommt die nächste Krise.»

Gerade wenn es um die Betreuung von Kindern gehe, sei die Zeit am Bett einer Pflegefachperson extrem wichtig. «Die Kinder dürfen nicht einem zusätzlichen Stress im Spital ausgesetzt werden.» Um diese Zeit aufwenden zu können, brauche es aber genügend Personal. «Dieses ist aber noch immer nicht vorhanden.» Der schnellste Weg, mehr Personal und somit mögliche Engpässe zu vermeiden, sei, ehemaliges Personal anzuschreiben, wie es das Kinderspital Zürich zurzeit mache. «Gleichzeitig müssen endlich die Arbeitsbedingungen in der Gesundheitsbranche verbessert werden, damit das Personal nicht ausbrennt und kündet», sagt Prelicz-Huber.

Dolmetscher gesucht

Ein weiteres Problem in den Kinderspitälern ist die Sprachbarriere. Die Flüchtlingskinder kämen mit den Eltern und allenfalls mit Vertretern ihrer Gastfamilien ins Spital. Dies stelle für die Arbeit des Pflegefachpersonals eine zusätzliche Herausforderung dar, sagt Guido Bucher, Direktor der Stiftung Ostschweizer Kinderspital, denn es fehle jemand, der sowohl Deutsch als auch Ukrainisch oder Russisch spricht. «Zwar haben wir noch keine Sondermassnahmen festlegen müssen, aber sollte der Zulauf grösser werden, müssten bald vermehrt Dolmetscher eingesetzt werden.»

Eine Erschwernis, mit der sich das Kinderspital Zürich bereits beschäftigen müsse. «Wir haben intern Personen rekrutiert, die Ukrainisch oder Russisch sprechen und dolmetschen können», sagt die Medienverantwortliche Miriam Knecht.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

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