Kinderverbot: «Absolut daneben»

Aktualisiert

Kinderverbot: «Absolut daneben»

Das Restaurant L'O in Horgen will keine Kleinkinder bewirten. Für Gastrosuisse kein Problem, für Mütterberaterinnen eine «elitäre Regelung».

Marius Egger
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Marius Egger

Das Kinderverbot im Restaurant L'O in Horgen hat das Blut der 20-Minuten-Online-User in Wallung gebracht. Nachdem 20 Minuten Online berichtet hatte, dass eine Mutter mit ihrer dreijährigen Tochter im Restaurant L'O für ein Abendessen abgewiesen wurde, weil man keine Kleinkinder wünscht, gingen innert kurzer Zeit gegen 400 Talkbacks ein. Über die Praxis im L'O wurde heftig diskutiert (Auszüge finden Sie in der InfoBox). Eine Grosszahl begrüsste dabei das Kinderverbot.

Kein Verständnis für die Praxis zeigt hingegen Rita Bieri: «Das ist eine Degradierung und die finde ich absolut daneben», sagt die Geschäftsleiterin vom Schweizerischen Verband der Mütterberaterinnen. Zwar könne sie beide Seiten verstehen, also auch jene, die nicht überall Kindergeschrei ausgesetzt sein möchten. «Aber ein Verbot bringt nichts. In einem solchen Fall müsste man halt die Eltern darauf aufmerksam machen, dass das Kind ruhig sein muss. Das ist eine Sache der Kommunikation», so Bieri weiter. Notfalls müssten die Eltern das Kind halt vor dem Restaurant beruhigen, um die anderen Gäste nicht zu stören. Bieri: «Diese Regelung halte ich für sehr elitär».

Der Präsident von Gastrosuisse, Klaus Künzli, will nichts von einer elitären Regelung wissen. «Jeder Betrieb spezialisiert sich auf ein gewisses Segment. Wenn sich die Gäste ohne Kinder wohler fühlen, ist das in Ordnung. Der Restaurateur kommuniziert seine Praxis ja auch offen und ehrlich. Ich sehe da kein Problem.» Von Seiten von Gastrosuisse gibt es diesbezüglich auch keine Richtlinien. «Es ist jeder selber verantwortlich für seinen Betrieb». Künzli begrüsse es zwar sehr, wenn Gastrobetriebe Kinderecken und ein kinderfreundliches Angebot bieten, wie er sagt. «Aber das kann nicht jeder Betrieb».

Von Diskriminierung, wie im Talkback von 20 Minuten Online verschiedentlich die Rede war, will der Gastrosuisse-Präsident nichts wissen.

In anderen Nobelrestaurants scheint man die Kinder mit offenen Armen zu empfangen. «Bei uns sind Kinder sehr willkommen», sagt Iris Petermann vom Gourmettempel Kunststuben in Küsnacht ZH. Man habe sogar eine Kinderspielkiste bereitgestellt, damit sich die Kleinen wohl fühlen - und entsprechend selten schreien.

Reaktionen im Talkback

Tja, schon traurig wenn man kinder als tyrannen, plagegeister, oder herumschreiende bastarde beschreibt. Können sie sein was sie wollen, fakt ist sie sind die Zukunft! Will man so seine Zukunft behandeln? Ich sage nur es besteht Konfliktpotenzial!

Geht voll in Ordnung. Nichts nervt mehr als Lärm und Geschrei von Kindern. Sitze im Restaurant lieber an einem Tisch neben zehn Kettenrauchern als neben einem Kleinkind mit seinen Eltern.

Jeder hat das Recht selbst zu entscheiden wie das eigene Lokal geführt werden sollte. In der Tat gibt es zahlreiche Menschen die Ihre Kinder nicht im Griff haben. Aber wo bleibt die Tolleranz nicht alle Kinder sind SAUGOOFEN. Es gibt immer noch wohlerzogene anständige Kinder...

um einen abend in einem schicken restaurant zu geniessen, würde ich die kinder nicht mitnehmen. dass kleinkinder dort jedoch offiziell unerwünscht sind, finde ich widerlich. ist ein gutes beispiel, wie kinderfeindlich die schweiz ist - zum schämen!!!

ich finde die Entscheidung des Restaurants gut. 1. gehören Kleinkinder nicht in ein Nobelrestaurant und 2. um diese Zeit eh ins Bett. Aber leider werden Kinder je länger je mehr überall hin mitgeschleppt.

Einerseits finde ich das schlimm! Wo führt das denn noch in, wenn man als FAMILIE nicht mehr willkommen ist?? Andererseits verstehe ich auch, dass gewisse Menschen in Ruhe essen wollen und bei einem entsprechenden Preis auch erwarten, dass sie sich während des Dinners nicht nerven müssen..

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