«Kochlehrer dürfen nicht missionieren»

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Veganes Kochbuch«Kochlehrer dürfen nicht missionieren»

Ein neues Schülerkochbuch setzt auf die fleischlose Küche und ist bei Lehrern bereits beliebt. Die Fleischlobby nimmt die Lehrer in die Pflicht.

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Schüler können neu auch mit der fleischlosen Version des Kochbuchklassikers «TipTopf» kochen. (Video: bz)

Veganes Züri-Geschnetzeltes, Chia-Müesli, Vegi-Cordon-Bleu: Der Kochschul-Klassiker «Tiptopf» ist seit Ende Mai auch in einer fleischlosen Version erhältlich. Sekundarlehrerin Franziska Stöckli kreierte mit Schülern der Timeout-Klasse Frauenfeld über 200 Rezepte.

Die Nachfrage unter der Lehrerschaft nach dem «Green Topf» ist gross: Die Kurse, die die Autorin zusammen mit der Hiltl-Akademie anbietet, sind bis 2020 ausgebucht. Bisher übten schon 600 Lehrerinnen und Lehrer des Fachs «Wirtschaft Arbeit, Haushalt», wie sie die Rezepte mit ihren Schülern zubereiten können. Und von der Erstauflage von 15'000 Stück sind bereits 5000 verkauft worden.

Die Autorin Franziska Stöckli hebt im Buch die Vielfalt der vegetarischen und veganen Ernährung hervor: Sie verursache weniger Übergewicht, weniger häufig hohen Blutdruck, weniger Krebs und Diabetes. Sie hoffe, dass ihr Buch als Grundlagenwerk für die vegetarische Küche dereinst ebenso ein Klassiker wie der «Tiptopf» werde, so Stöckli.

«Es geht um die Freude am Kochen»

Die Fleischlobby ist skeptisch. Er habe nichts dagegen, wenn das neue Kochbuch als fleischlose Ergänzung zum Einsatz komme, sagt Heinrich Bucher, Direktor des Fleischbranchenverbands Proviande. «Es darf aber nicht so weit kommen, dass Kochlehrer damit für vegetarische und vegane Ernährung bei den Schülern missionieren und das alte «Tiptopf» aus der Schulküche verbannen.» Für eine ausgewogene Ernährung seien sowohl Gerichte mit als auch ohne Fleisch nötig.

Dass die Debatte um vegetarische und vegane Ernährung kontrovers geführt wird, ist Stöckli bewusst. Das Buch verfolge aber keinerlei «missionarische» Absichten. Der «Green Topf» stehe für Offenheit und Toleranz. «Es geht um die Freude am Kochen, an guten Produkten, dem gemeinsamen Essen und Geniessen.» Negative Rückmeldungen habe es bisher noch keine gegeben.

Kein Fleischzwang für angehende Köche

Auch auf politischer Ebene erhielten die Anhänger der fleischlosen Küche kürzlich Auftrieb. Grünen-Nationalrat Bastien Girod macht sich dafür stark, dass der Fleisch- und Fischzwang in der Abschlussprüfung für angehende Köche explizit untersagt wird.

Schliesslich lasse sich aus der Bundesverordnung über die berufliche Grundbildung für Köche kein Zwang zu Fleisch- und Fischmenüs ableiten, machte er in einer Interpellation geltend. Die Anpassung wünscht er, weil der hohe Fleischkonsum «eine sehr hohe Umweltbelastung und Klimabelastung mit sich bringt» und der «intensive Fleischkonsum ungesund ist». Girod begrüsst den «GreenTopf» als Ergänzung zum Kochbuchklassiker: «Das Wissen über vegetarische und vegane Rezepte ist eine wichtige Voraussetzung, um den Fleischkonsum auf ein gesundes Mass zu reduzieren.»

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