Konsumentenschützer fordern tiefere Autopreise

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Franken-FreigabeKonsumentenschützer fordern tiefere Autopreise

Seit dem Ende des Mindestkurses sind Autos im Ausland «auf einen Chlapf» 15 Prozent günstiger als zuvor. Ziehen Schweizer Händler nach?

K. Wolfensberger
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K. Wolfensberger
Konsumentenschützer fordern eine Preissenkung für Neuwagen in der Schweiz.

Konsumentenschützer fordern eine Preissenkung für Neuwagen in der Schweiz.

Seit der Aufhebung des Mindestkurses ist die Preisdifferenz zwischen der Schweiz und Deutschland auf einen Schlag um gegen 20 Prozent gewachsen. Im Detailhandel möchten die hiesigen Geschäfte dem zu erwartenden Boom beim Einkaufstourismus nicht tatenlos zusehen. Coop beispielsweise senkt die Preise bei verschiedenen Produktkategorien ab dieser Woche und versucht, den neuen Wechselkurs an die Kunden weiterzugeben.

Konsumentenschützer verlangen nun eine Preisanpassung bei Autos in der Schweiz. So fordert Michel Rudin, der Geschäftsführer des Konsumentenforums, gegenüber 20 Minuten eine schnelle Weitergabe des neuen Wechselkurses an die Konsumenten. Der Grund: «Autos sind ein reines Importprodukt, für die Produktion müssen keine Löhne in der Schweiz gezahlt werden.» Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz betont: «Wie alle Importwaren-Anbieter sollen auch die Autohändler die Währungsgewinne an die Kunden weitergeben.»

Viele Unklarheiten

Ob die Preissenkungen Realität werden, ist noch unklar. «Wie sich der neue Kurs auf die Preise auswirkt, lässt sich noch nicht prognostizieren», erklärt eine Sprecherin der Amag-Gruppe, die in der Schweiz die Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley und Porsche verkauft. Der Grund: «Einerseits müssen sich die Währungsverhältnisse erst einmal stabilisieren, andererseits sind wir noch in Verhandlungen mit den Herstellern.»

Bei der Emil-Frey-Gruppe wiederum erklärt eine Sprecherin, dass man zum Thema noch keine Stellungnahme abgeben könne. «Wir sind noch in Abklärungen.» Im Gegensatz dazu zeigt sich Mercedes entscheidungsfreudiger: «Wir reagieren ab sofort und geben 18 Prozent Währungsnachlass auf die Marken Mercedes-Benz und Smart.»

Alternative Parallelimport

Ebenfalls vom neuen Euro-Kurs profitieren kann man bei Parallelimporteuren wie der Firma Auto Höngg aus Zürich. Geschäftsführer Marco Belfanti bestätigt: «Wer jetzt ein Auto bestellt, das wir direkt aus Deutschland importieren, bezahlt den Preis nach neuem Wechselkurs.»

Für die Berechnung des Preises eines direkt importierten Autos gibt es laut Belfanti ausserdem eine einfache Faustregel: «Man nimmt den deutschen Preis und zieht die dortige Mehrwertsteuer ab. Dann addiert man die Zollgebühren und die Schweizer Mehrwertsteuer sowie die Kosten für die Vorführung beim Strassenverkehrsamt. Je nach Modell kommt noch die CO2-Steuer dazu.» Wer bei ihm ein Auto kaufe, zahle ausserdem eine Aufwandsentschädigung.

Nach Deutschland gehen

Eine weitere Möglichkeit ist der Kauf in einem deutschen Autohaus. Dann muss man sich allerdings selbst um die Verzollung seines Neuwagens kümmern. «Als Privatperson kann man so etwas bewältigen, allerdings ist der Aufwand sehr gross», erklärt Oliver Lemcke, Geschäftsführer der Firma Car Consult aus Basel. Alternativ kann man sich für den Import daher der Dienstleistungen seiner und ähnlicher Firmen bedienen.

«Tatsächlich haben wir viele Kunden aus der Schweiz und arbeiten deshalb mit einer Firma zusammen, die den Export übernimmt», bestätigt Ellen Heilmeier vom Autohaus Büchle im deutschen Binzen. Im Normalfall beliefen sich die Kosten für den Export auf ungefähr 800 bis 1000 Euro. Und das Interesse der Schweizer Kunden an diesem Angebot nehme zu: «Seit des Entscheids der Schweizer Nationalbank am Donnerstag haben wir viele Anfragen von Schweizern erhalten, die sich einen Autokauf bei uns überlegen», so Heilmeier.

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